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Opel Kadett D: Der letzte ernste Golf-Konkurrent

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Oder der poppig-bunte und pragmatische Kadett „J“ für junge Leute, die sonst vielleicht Preisbrecher wie Seat Ronda oder Mazda 323 gekauft hätten. Tatsächlich war der Typencode „J“ schon vom Kadett C bekannt, der übrigens im Opel-Programm parallel zum Nachfolger angeboten wurde, nun allerdings unter dem Modellnamen Chevette und mit einer Front, die verriet, dass es sich hier um den kleinsten britischen Vauxhall handelte. Die Briten behielten das betont billige Kadett-C-Derivat Chevette in der Fertigung bis der 1982 vorgestellte Kleinwagen Corsa für Furore sorgte.

Schlagzeilen machte jedoch erst einmal der Frontantriebs-Kadett. Etwa mit einer Absatzprognose des Opel-Marketings, die 1979 von bis zu 380.000 Kadett D pro Jahr ausging – und von der Realität sogar noch übertroffen wurde. Tatsächlich fanden in fünf Produktionsjahren sogar 2,1 Millionen Einheiten des in Bochum, Antwerpen und Ellesmore Port gebauten Bestsellers ihre Fans.

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In Deutschland gelang es dem modern gezeichneten und aerodynamischen Vorbild des kleinen Segments (cw-Wert 0,39), den großen Opel Rekord von Platz zwei der Zulassungscharts zu schubsen und sich an die Fersen des VW Golf zu heften. Zwar fehlte es dem Kadett D noch immer am klassenlosen Image des Wolfsburgers, aber zumindest beim Fahrwerkslayout – hinten schickte eine Verbundlenkerachse mit sogenannten Miniblockfedern die betagte Starrachse endlich in den Ruhestand – erinnerte der Kleine ans Opel Flaggschiff Senator. Auch das Frontdesign mit trapezförmigen Scheinwerfern – nur die Basisversion nutzte billige runde Lampen – sollte einen Hauch Premium vermitteln und dazu passte die noble Topausstattung mit italienischem Namenscode „Berlina“.

Mit exklusiven Südeuropäern wie dem gleichfalls neu eingeführten Lancia Delta konnte sich der volkstümliche Hesse aber nicht ernsthaft messen. Wichtiger war Opel-Kunden ohnehin das Thema Sport. Familien-Coupés wie noch beim Kadett C waren zwar Geschichte, dafür gab es nun einen dreitürigen Kadett SR mit Spoilern, Kotflügelverbreiterungen und breiten Alurädern. Ein Auto, das trotz frischer OHC-Motoren viel schneller aussah als es war, arbeiteten doch nur 55 kW/75 PS unter der Haube.

1984 war Schluss

Erst 1983, als sich der Golf II an die Startlinie schob, in Wohngebieten erste Tempo-30-Zonen eingeführt wurden und eine neue Diskussion um ein generelles Tempolimit auf Autobahnen tobte, zündete Opel die schnellste Ausbaustufe des Kadett. Der 187 km/h flotte GTE setzte 85 kW/115 PS aus 1,8-Liter-Hubraum frei und wirkte im Vergleich zum Kadett SR wie eine Kanonenkugel. Trotzdem konnte der nur eine Tonne wiegende Opel dem erneuerten Golf GTI lediglich beim Spurt auf Tempo 100 Paroli bieten, in der Vmax und in den Verkaufszahlen fuhr er ebenso hinterher wie der Ford Escort XR3i. Wenigstens konstatierte die Fachpresse, dass der Kadett GTE „in schnellen Kurven wie Kaugummi haftete“.

Für günstige Verbrauchswerte in jenen Jahren nach der zweiten weltweiten Erdölverknappung sorgte die neue Benzineinspritzung LE-Jetronic im Zusammenspiel mit einer damals noch innovativen Schubabschaltung. 5,7 Liter verbrauchte der Kadett GTE nach der DIN-Norm und damit nur wenig mehr als der gleichzeitig eingeführte 40 kW/55 PS-Diesel.

Den Frontantriebs-Vorsprung des Wolfsburger Wettbewerbers konnten die Opel einholen, zum Überholen reichte es noch nicht. Das galt auch für die Qualität, denn während der 1983 lancierte VW Golf II bis heute im Straßenbild präsent ist, raffte Gevatter Rost viele Kadett D schnell dahin. Erst der 1984 lancierte Opel Kadett E machte auch das besser – und übergab 1991 den Stab an den Astra.

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