Opel Kadett D: Der letzte ernste Golf-Konkurrent

Modell punktet mit klassengrößtem Innenraum

| Autor: sp-x

Der Opel Kadett D war für den Rüsselsheimer Autobauer in den 80er Jahren nochmals ein Verkaufserfolg.
Der Opel Kadett D war für den Rüsselsheimer Autobauer in den 80er Jahren nochmals ein Verkaufserfolg. (Bild: Opel)

Ende der 1970er Jahre bahnte sich ein Duell um die Führung im automobilen Deutschland an. Damals, vor 40 Jahren, bekam der VW Golf frische und ernsthafte Konkurrenz aus Bochum. Der Opel Kadett hatte zuvor schon den betagten Käfer bezwungen und Opel 1972 noch einmal kurzzeitig zur Nummer eins in Deutschland gefahren.

Doch mit dem Erscheinen des VW Golf im Jahr 1974 gerieten die technisch konservativen Kadetten der C-Generation schwer ins Hintertreffen, sogar das Rüsselsheimer Flaggschiff Rekord verkaufte sich zeitweise besser als die billigen Kompakten. Ein neuer Verkaufsschlager musste her und das konnte nur ein technisch in die Zukunft weisender Kadett sein mit Vorderradantrieb, Fastback und – anfangs noch aufpreispflichtiger – praktischer Heckklappe.

Tatsächlich machte der im Frühherbst 1979 präsentierte Kadett D alles anders und sogar zwei neue Namen wurden erfolgreich angetestet: Astra hießen die Rechtslenker-Versionen unter Vauxhall-Label und Corsa ein Kadett-Sondermodell, das den späteren gleichnamigen Kleinwagen ankündigte. Sport und Sparen konnte die fünfte und vorletzte Kadett-Generation ebenfalls: Gegen den Golf GTI positionierte sich der 85 kW/115 PS starke Kadett GTE und gegen den Golf Diesel sollte der erste Kadett mit 1,6-Liter-Selbstzünder antreten. Insgesamt hatte Opel den richtigen Mix für einen neuen Millionseller.

Es waren Briten, Italiener und Franzosen, die den Traum vom Raum in kleinen Familienautos als erste wahr machten. Auf den Mini mit Frontantrieb und platzsparendem Quermotor folgten freche Heckklappen-Kompakte wie Autobianchi Primula und Simca 1100. So gesehen war der VW Golf im Jahr 1974 kein vom Himmel gefallener Geniestreich und doch gelang dem Wolfsburger bis dahin unmöglich geglaubtes.

Der Golf etablierte die neue Technik als ebenso klassenloses Fahrzeugkonzept, wie es zuvor der Käfer war. Mit dem Golf fuhren junge Familien und Generaldirektoren – eine Vorlage, die Opel 1979 mit dem Kadett D toppen wollte, zumal der Kadett durch die Kombi-Version „Caravan“ schon den Vorsprung eines Lademeisters hatte. Trotzdem musste der frontangetriebene Kadett D vollkommen neu gedacht werden.

Erfolgreiche Suche nach mehr Raum

Unter der Führung des langjährigen Entwicklungschefs Friedrich W. Lohr machten die Rüsselsheimer ihren damaligen Konzern-Bossen bei General Motors klar, dass nur die Kombination aus Frontantrieb und Quereinbau des Motors zum klassengrößten Innenraum bei kompakten äußeren Abmessungen führt. Die Hartnäckigkeit von Lohr führte fünf Jahre später zum Erfolg – und brachte dem FWD (Front-Wheel-Drive) den konzerninternen Rufnamen „Fritz will das“ (FWD) ein. Fortan gab es bis zur Mittelklasse nur noch FWD-Opel.

Die Suche nach mehr Raum hatte also Erfolg und die Fachpresse feierte den Kadett D 1979 als Revolution. Gegenüber dem konservativen Stufenheck-Vorgänger war der neue Schrägheck-Kadett zwar 13 Zentimeter kürzer, trotzdem wuchs der Radstand um über zehn Zentimeter auf 2,51 Meter, womit der preiswerteste Opel sogar den Klassenprimus Golf um elf Zentimeter übertraf. Unter die Heckklappe des Kadett D passten passable 402 Liter Kofferraumvolumen und für Firma und Freizeit gab es noch den traditionellen Kadett Caravan, erstmals optional mit fünf Türen und mit Sondermodellen, die jede Nische ins Visier nahmen.

Legendär ist vor allem der Kombi „Pirsch“: Dieser Jagdwagen stammte trotz seines Namens einmal nicht vom Allradspezialisten Subaru, stattdessen zeigte ein höhergelegter Kadett mit Sperrdifferential und Unterfahrschutz, dass Frontantrieb im Forsteinsatz genügen kann.

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