Opel Meriva: Ran an die Rentner

Von Jens Rehberg

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Vans kann Opel gut. Leider sind aber gerade andere Segmente stärker in Mode. Gott sei Dank gibt es die älteren Käuferschichten, denen der Crossover-Wahn völlig egal ist.

Das auffälligste Meriva-Feature: Die hinten angeschlagenen Fondtüren. (Foto:  Rehberg)
Das auffälligste Meriva-Feature: Die hinten angeschlagenen Fondtüren.
(Foto: Rehberg)

55.000 Einheiten – das hat der Meriva einmal gleich drei Jahre hintereinander für Opel in Deutschland eingespielt, allerdings kam da noch ein „A“ hinter dem Namen und das Wort Minivan hatte noch einen gewissen Coolness-Faktor. Von einem solchen Jahresabsatzvolumen kann Rüsselsheim heute nur noch träumen. Statt eine stabile Umsatzsäule zu bauen ist der zweite Meriva von 44.000 Einheiten im ersten Verkaufsjahr (2011) auf 18.000 Stück im vergangenen Jahr abgefallen. Dafür kann aber wohl weder der Rüsselsheimer Vertrieb noch das Auto selber etwas, denn am Produkt und seinem Preis-Leistungsverhältnis gibt es nach wie vor nichts auszusetzen.

„Das Käuferverhalten hat sich einfach geändert“, sagt der Karlsruher Opel-Händler Stefan Zschernitz. Bei ihm hat sich der Meriva-Absatz exakt genau so entwickelt wie im deutschen Gesamtmarkt. „Viele, die einen Meriva gefahren haben, sind bei uns auch auf einen Mokka umgestiegen“, so der Unternehmer. Gut, dass Opel bei den kleineren SUVs vorne mitspielt, ansonsten hätten sich die Kunden des badischen Händlers möglicherweise in einen Skoda Yeti oder einen Peugeot 2008 gesetzt.

Opel Meriva: Ran an die Rentner
Bildergalerie mit 20 Bildern

Die Perspektive für den Meriva ist jedoch keineswegs hoffnungslos. Denn der Verkauf des Modells wird jetzt eben weniger von jungen Müttern, sondern vielmehr von älteren Hochsitz-Liebhabern gestützt. Opel sollte es sich zutrauen, auf diese wachsende Zielgruppe in der Werbung ruhig etwas energischer zuzugehen. Bislang agiert Rüsselsheim da eher zaghaft – Singles, Familien und „komfortorientierte Senioren“ habe man als Kernzielgruppen ausgemacht. Also eigentlich alle. Dabei hat der Meriva ein Paket zu bieten, das wie extra auf Rentner zugeschnitten scheint: Einfache Bedienbarkeit, hohen Nutzwert-Charakter, TÜV-geprüfte technische Verlässlichkeit und ein dezentes aber absolut gefälliges Design. Jetzt noch den „Intellilink“-Schnickschnack aus den Prospekten rausradiert, dann kann die Grauhaar-Offensive starten.

Zurückhaltendes Facelift

2014 will beziehungsweise muss Opel in Sachen Absatz deutlich zulegen. Beim Meriva kann jedoch das Ziel fürs Erste nur sein, eine weitere Erosion der Verkaufszahlen so gut wie möglich einzugrenzen. Dazu hat der Hersteller das Modell zum Jahreswechsel zumindest ein wenig überarbeitet und den Einstiegspreis auf rund 16.000 Euro heruntergesetzt. Neben ein paar kleinen Anpassungen außen, die dem Normalkunden kaum auffallen werden (siehe Bildergalerie), hat Opel beim Antrieb einige bemerkenswerte Verbesserungen vorgenommen oder angekündigt.

So ersetzt der neue 1,6-Liter-Diesel in zwei Leistungsstufen (110/136 PS) sukzessive die älteren 1,3-Liter- beziehungsweise 1,7-Liter-CDTI-Aggregate. Den neuen 1,6er-Common-Rail-Selbstzünder „Flüsterdiesel“ zu nennen, ist sicherlich etwas übertrieben – im Hinblick auf die der Fahrzeugklasse angemessen dünne Dämmung im Motorraum. Aber der neue Vollaluminium-Diesel agierte auf einer Testfahrt angenehm laufruhig – bei einem sehr kultivierten Ansprechverhalten und konstant schubfreudigem Drehmomentverlauf. Der neu entwickelte 1,6er-Diesel soll zehn Prozent verbrauchsärmer sein als der alte 1,7-Liter-CDTI. Die 136-PS-Variante kostet mindestens 23.550 Euro.

Positiv fallen auch die neuen manuellen 5- beziehungsweise 6-Gang-Getriebe auf. Bezeichneten wir das bisherige Schaltgetriebe im »kfz-betrieb«-Autocheck noch als „knochig“ und monierten eine schwer dosierbare Kupplung, gab es bei der Bedienung des 6-Gang-Schalters im aktuellen Testfahrzeug nichts zu beanstanden. Das Kupplungspedal lässt sich leicht und unter konstant verlaufendem Widerstand treten und löst zudem einen spürbar geschmeidig arbeitenden Vorgang aus. Die Schaltung lässt sich angenehm und exakt führen – alles prima. Spürbare 50 Millionen Euro investierte GM in die Erneuerung der manuellen Getriebe.

Neben den Neuerungen beim Antrieb pusht Opel in der Kommunikation natürlich noch einmal die bekannten Modell- und Ausstattungshighlights: Unter anderem das ungewöhnliche Türkonzept, das flexible Rücksitzkonzept, das Fahrradträgersystem, die Lenkradheizung und die Sitze mit dem Gütesiegel der „Aktion Gesunder Rücken e.V.“

Apropos Lenkradheizung – dieses allgemein gerne unterschätzte Feature erreicht beim Meriva laut Opel aktuell einen Ausstattungsgrad von 76 Prozent.

Ein passendes Modell-Fazit formulierte der Siegener Opel-Partner Bruno Kemper auf Anfrage so: „Der Meriva würde es verdienen, auf dem Markt besser anzukommen. Denn mit der zweiten Generation ist das Modell richtig erwachsen geworden.“

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