Patentfreigabe: Das sind die Hintergedanken

Autor Andreas Grimm

Erst hat es Tesla getan, dann Toyota. Beide Autobauer haben tausende Patente freigegeben. Die Preisgabe des Wissens könnte sich nach Ansicht der Beratungsgesellschaft KPMG lohnen.

Tesla und Toyota haben tausende Patente rund um den Elektro- und Wasserstoffantrieb offengelegt und zur allgemeinen Nutzung freigegeben. Die auf den ersten Blick irritierende Aufgabe von Alleinstellungsmerkmalen kann sich für die beiden Unternehmen aus Sicht der Wirtschaftsberater von KPMG allerdings lohnen.

Brennstoffzellentechnik und Elektroantrieb haben derzeit ein gemeinsames und entscheidendes Problem: Die notwendige Versorgungsinfrastruktur entsteht nicht oder zu langsam. Damit der Markt an dieser Stelle in Gang kommt, wären eine größere Zahl an Nutzern und mehr Anbieter dieser Techniken notwendig. „Ohne Infrastruktur überlebt keine Technologie“, erläutert Dieter Becker, KPMG-Autoexperte und Global Head of Automotive, das Problem. Der Open-Source-Ansatz von Tesla und Toyota versetzt mehr Hersteller in die Lage, in absehbarer Zeit entsprechende Antriebe anzubieten.

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Damit eng verbunden ist ein zweiter Aspekt: Die freien Patente geben auch eine technische Richtung vor. Die Zahl der Antriebsspezifikationen oder der Tank- und Ladetechnik bliebe begrenzt oder würde sinken. Beispielsweise sorgen derzeit die verschiedenen Ladesysteme europäischer und japanischer Hersteller für Elektroautos – CCS versus Chademo, dazu Teslas Supercharger – für Schwierigkeiten beim Aufbau von Ladestationen.

Ein dritter Punkt betrifft schließlich eine klassische Produktionsweisheit: Mit höheren Stückzahlen wird eine Technik schneller wirtschaftlich. Bislang ist der der Markt für Fahrzeuge mit neuen Antriebstechnologien sehr klein. Die freigebenden Patente verhindern deshalb ein Wettrennen zwischen Konkurrenten. Erst dadurch „erhält dieser kleine Markt stabile Wachstumschancen“, erläutert Becker. Zu viele konkurrierende Technologien in einem kleinen Markt würden die Käufer zu sehr verunsichern und eine Kaufzurückhaltung bewirken.

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Die jüngere Wirtschaftsgeschichte habe zudem gezeigt, dass sich der Transfer von Wissen zum Vorteil für den Freigebenden auswirken kann. „Googles Android OS zeigt, dass in Zeiten in denen nicht mehr zwingend die Hardware, sondern die Software dominiert, große Erfolge und Umsatzsteigerungen ohne viel Geheimniskrämerei rund um die Technik möglich sind“, führt Becker als Beispiel an.

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