Pirelli: Revolution beim Rollwiderstand
Mit dem neuen Cinturato P1 löst Pirelli die Modelle P4 und P6 ab. Gegenüber den Vorgängern soll der Neuling erstaunliche 25 Prozent weniger Rollwiderstand haben.
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Bari, Ende März 2011: Pirelli stellt seinen neuen Sommerreifen Cinturato P1 vor und spart nicht mit großen Ankündigungen: Um nicht weniger als 25 Prozent will der italienische Konzern den Rollwiderstand gemessen an den Vorgängertypen P4 und P6 gesenkt haben – eine Revolution. Nun gehörten die abgelösten Typen zwar bereits zur Familie „Cinturato“, also den rollwiderstandsarmen Produkten von Pirelli, doch sie basierten noch auf älteren Konstruktionen und repräsentierten deshalb nicht den neuesten Stand in der Kunst der Reifenbäcker.
Trotzdem ist ein solcher Fortschritt aller Ehren wert – zumal, wenn er sich in neutralen Tests bestätigt. Bereits vor Beginn der Serienfertigung gab Pirelli den P1 in die Hände des ADAC, der in ihm großen Sommerreifentest mit den aktuellen Konkurrenten verglich. Das Ergebnis: Als einziger im Testfeld erhielt der Cinturato P1 die Note „Sehr gut“ im Kraftstoffverbrauch.
Reifen 15 Prozent leichter
Um das zu erreichen, kümmerten sich die Pirelli-Techniker um jedes einzelne Konstruktionsmerkmal. Im Fokus stand besonders das Gesamtgewicht, denn es wirkt sich direkt auf den Rollwiderstand aus. Um 15 Prozent leichter ist der P1 im Vergleich zu einem gleich großen Vorgängerreifen geworden, meldet das Unternehmen.
Hochwertige Silica-Mischungen kommen nun auch an der Reifenflanke und nicht mehr nur im Laufstreifen zur Anwendung. Der Grund: Weil die Fortschritte in der Laufflächenmischung in den letzten Jahren bereits sehr groß waren, stieg der Anteil der anderen Reifenelemente am Gesamtwiderstand prozentual an. Dieses Missverhältnis hat Pirelli beim P1 nun korrigiert.
Pirelli hat den Cinturato bereits im Einklang mit den ab 2012 geltenden Reifenkennzeichnungsbestimmungen entwickelt. Auf dem Reifenlabel wird im Feld für den Rollwiderstand die Note „B“ stehen. Ein „A“ ist nach Auskunft der Pirelli-Techniker heute noch nicht möglich – jedenfalls nicht, wenn man die Leistungskriterien wie etwa den Bremsweg nicht komplett vernachlässigt.
Wie schwer es ist, mit einem sehr rollwiderstandsarmen Reifen ebenso gute Nassbremswerte zu erreichen, zeigt auch der P1. Zwar reklamiert Pirelli einen um drei Prozent kürzeren Bremsweg gegenüber dem Vorgänger P4, doch im ADAC-Test reichte es in diesem Kriterium nur zur Note „Befriedigend“. Doch das ist ein Schicksal, das andere rollwiderstandsarme Reifen wie der Michelin Energy Saver, der Goodyear Efficient Grip und der Hankook Kinergy Eco teilen – Wunder gibt es in der Reifenentwicklung eben doch nicht.
Zielkonflikte gibt es noch immer
In der dritten Labelkategorie, dem Laufgeräusch, ist Pirelli mit dem P1 hingegen auf der sicheren Seite: 67 dB bedeuten 1,5 weniger als beim Vorgänger und drei weniger als vorgeschrieben. Das heißt in der Praxis, dass der Reifen nur etwa halb so laut ist wie erlaubt.
Weitere Konstruktionsmerkmale des P1: In der Verstärkungslage (Overlay) sind die Nylonfasern in unterschiedlichen Spannungen gewickelt und sorgen so dafür, dass die Druckverteilung in der Lauffläche über die gesamte Breite möglichst gleich ist. Das kommt ebenso wie der verringerte Negativanteil des Profils der Lebensdauer des Reifens zugute. Der rundere Querschnitt des P1 sorgt für eine bessere Dämpfung. Ein besonders luftdichter Innerliner hält laut Pirelli den Luftdruck länger konstant als bisher.
Der Cinturato P1 eignet sich für Fahrzeuge von Kleinwagen bis zur Mittelklasse. Er soll zum Ende des Jahres 2011 in Größen von 14 Zoll bis 16 Zoll auf dem europäischen Ersatzteilmarkt erhältlich sein. BMW wählte den Reifen bereits für die Erstausrüstung aus.
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