207643,200664,207643 Porsche: Ende der Legende

Redakteur: Christoph Baeuchle

Porsche bereitet das Zusammengehen mit Volkswagen vor. Dazu war der Abgang des Porsche-Führungsduos Wiedeking/Härter ein notwendiger Schritt. Nun ist der Weg frei.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Porsche-Finanzvorstand Holger P. Härter verlassen den Stuttgarter Automobilhersteller. Wiedeking und Härter würden das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen, dem Automobilhersteller aber noch beratend zur Seite stehen, teilte der Stuttgarter Automobilhersteller am Donnerstag mit. Ihre Aufsichtsratsmandate bei VW und Audi legen beide nieder. Damit hat sich VW-Patriarch Ferdinand Piech endgültig durchgesetzt.

Wiedekings Nachfolger als Vorstandsvorsitzender der Porsche AG ist Michael Macht, der zur Zeit Produktionsvorstand der Porsche AG ist. Zu seinem Stellvertreter wurde Thomas Edig, Vorstand Personal- und Sozialwesen der Porsche AG. Macht und Edig wurden darüber hinaus auch zu Vorständen der Porsche SE ernannt, Macht mit Zuständigkeitsbereich Technik und Produkte, Edig mit Verantwortung für den kaufmännischen Bereich und die Administration.

Wiedeking kassiert 50 Millionen Euro Abfindung

Als Abfindung kassiert Wiedeking, der seit 1992 für den Stuttgarter Automobilhersteller tätig ist, 50 Millionen Euro. Sein Vertrag lief eigentlich noch bis 2012. Zuletzt hatte Wiedeking einen Jahresgehalt von rund 80 Millionen Euro. Härter, der 1996 nach Stuttgart kam, soll 12,5 Millionen Euro für seinen Abgang erhalten.

Ein Teil seines Vermögens will Wiedeking in soziale Projekte stecken, so Wiedeking in einer persönlichen Mitteilung. Eine Stiftung am Porsche-Standort Zuffenhausen soll mit 25 Millionen Euro ausgestattet werden, weitere Millionen gehen an Presse-Vereine, Projekte zur Unterstützung Arbeitsloser und in bereits bestehende Stiftungen.

Das Führungs-Duo hatte die Übernahme des Volkswagen-Konzerns eingefädelt, an der sich Porsche letztendlich verhoben und einen Schuldenberg von rund zehn Milliarden Euro angehäuft hat. Härter gilt als das „Mastermind“ hinter der Finanzkonstruktion mit cashgesettelten VW-Aktienoptionen. Der Übernahmeversuch hatte Porsche zunächst Milliardengewinne auf dem Papier und den Vorständen Millionengehälter gebracht. Zuletzt lag bei Porsche der Gewinn über dem Umsatz.

Kapitalerhöhung von mindestens fünf Milliarden Euro

Der neue Porsche-Chef Michael Macht kam 1990 zu Porsche, nachdem er zuvor als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Fraunhofer-Institut tätig war. Der 49-Jährige, der seit 1998 Produktionsvorstand des Stuttgarter Automobilherstellers ist, ist maßgeblich für das Produktionssystem der Sportwagenschmiede verantwortlich. Das von Toyota entwickelte Lean-Management-System führte Macht bei Porsche ein und vermarktete es mit der Beratungstochter Porsche Consulting erfolgreich nach außen.

Mit ihrem Abgang machen Wiedeking und Härter den Weg frei für ein Zusammengehen von Porsche und Volkswagen. In einer außerordentlichen Sitzung hat der Aufsichtsrat der Porsche SE den Vorstand dazu ermächtigt, die Gespräche mit der Qatar Holding (QH) über einen Einstieg bei Porsche endzuverhandeln. Ziel dieses Vorhabens sei ein integrierter Automobilkonzern von Porsche und VW. Zudem will der Stuttgarter Automobilhersteller eine Kapitalerhöhung von mindestens fünf Milliarden Euro vorzubereiten. Diese kann in Form einer Bar- und/oder auch einer Sacheinlage geleistet werden.

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