Elektromobilität Porsche Taycan, die 1.111-Kilometer-Challenge

Von sp-x 4 min Lesedauer

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Man kann die Herausforderungen des elektrischen Fahrens auch spielerisch erleben. Wenn es etwas zu gewinnen gibt, sind selbst Fans großvolumiger Verbrenner einsatzbereit.

Auch die längsten Langstrecken lassen sich elektrisch absolvieren.(Bild:  Porsche)
Auch die längsten Langstrecken lassen sich elektrisch absolvieren.
(Bild: Porsche)

Es ist dunkel, es ist kalt, es ist 6:00 Uhr früh am Morgen. Unser Elektro-Langstrecken-Abenteuer startet in einer 5.000-Seelengemeinde im österreichischen Vorarlberg. Das Örtchen Koblach hat eine neue Attraktion, die vor allem Elektromobilisten erfreut – eine Porsche Charging Lounge. Mit einer Ladeperformance von bis zu 400 kW stehen hier sechs Schnellladeplätze bereit, quasi die Porsche unter den Ladestationen. 

Unter der gewaltigen, abgeschrägten und stylisch illuminierten Überdachung befindet sich zusätzlich noch eine vollverglaste Lounge, beheizt und klimatisiert, mit äußerst gepflegten Toiletten, W-Lan-Hotspot, Kaffeemaschine und einem Snack-/Getränkeautomaten. Wir nutzen die einladende Atmosphäre um unseren Protagonisten, den Porsche Taycan 4S Cross Turismo mit 440 kW/598 PS, Kostenpunkt ab 126.400 Euro, randvoll zu laden, denn die erste Etappe ist laut Navigationssystem 442 Kilometer lang und wird vier Stunden und neun Minuten dauern. Das Problem: Der Ladeanzeige zufolge wären wir bei Zielankunft 22 Prozent im Minus, was natürlich nicht geht, aber bedeutet, dass wir mit dem Strompedal äußerst sensibel umgehen müssen, um das Ankommen zu garantieren. 

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Rennen mit klaren Vorgaben

Für den E-Marathon gibt es nur wenige Regeln, neben der absoluten Einhaltung der Straßenverkehrsordnung, vor allem bezüglich der jeweils zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Es müssen drei weitere Ladestopps an Porsche Charging Lounges eingelegt werden, in Bingen am Rhein, in Würzburg und in Ingolstadt. Ziel ist dann wieder Koblach. Andere Ladestationen dürfen nicht angefahren werden, jedes Team bestimmt seine Route selbst. Das schnellste der 18 Teams möge gewinnen, die zu schlagende Rekordzeit liegt aktuell bei elf Stunden. Wir, zwei Wolfgangs, eher Freunde großvolumiger Verbrennertechnologie, nehmen die für uns ungewöhnliche Herausforderung an. 

Kollege Wolfgang 1 übernimmt die ersten beiden von vier Etappen, hat nun auf der Fahrt nach Bingen die vorrangige Aufgabe Energie zu sparen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, denn unser leistungsstarker Cross Turismo mit äußerst sportlichen Ledersitzen beschleunigt theoretisch und auch praktisch aus dem Stand auf Tempo 100 in lediglich 3,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit geht bis zu 240 Stundenkilometer. Der sensible Gasfuß, der mit unserer Strategie 90 km/h vorerst nicht übersteigen sollte, macht sich schon nach rund 86 Kilometern bemerkbar. Bei einer Restlaufzeit von 356 Kilometern in 3:19 verbleibenden Stunden, ist die prognostizierte Ziel-Ladestandsanzeige auf -10 Prozent angestiegen. Und bereits 268 Kilometer vor dem ersten Etappenziel steht die weiße Null auf schwarzem Grund im Display. Die große Reichweitenangst ist vorerst gebannt, das heißt, ab jetzt können wir mit der Elektromobilität spielen und das Tempo erhöhen.

Auf dem Weg nach Würzburg

Kurzum, wir sind selbstredend nicht mit leeren Akkus liegengeblieben, wie bereits zwei Teams vor uns, sondern haben Bingen mit einer Restreichweite von zwei Prozent glücklich und leicht elektrisiert erreicht. Nun reiben wir uns die Augen, denn die Bingener Porsche Charging Lounge gleicht der in Koblach zu 100 Prozent. Unser Vorteil: Wir kennen uns hier sofort aus, finden uns gleich zurecht, jeder Handgriff sitzt. Um eine optimale Ladeleistung zu garantieren, haben wir rund 20 Minuten vor Touchdown den Porsche Charging Planner im Infotainment System gestartet. Das Programm steuert unter anderem die Vorkonditionierung der Batterie, was dann zu einer kürzeren Ladezeit und somit zu einer verringerten Gesamtreisezeit führt.

Mit dem manuell gesteuerten Batterie-Management haben wir nun stets eine Ladeleistung von über 300 kW, in der Spitze bis zu 318 kW. Nach der erfolgreichen Absolvierung der ersten Etappe ist nun unser Kampfeswille gestärkt und bei nicht minder starken Espressi wird die Strategie verfeinert. Die nächste Etappe bis Würzburg beträgt lediglich 180 Kilometer, deshalb laden wir in nur 18 Minuten etwas über 76 Prozent in den Akku, um schneller wieder vom Hof zu kommen.

Ebenso verfahren wir auf der dritten Etappe zwischen Würzburg und Ingolstadt (17 Minuten/75 Prozent für 203 Kilometer). Die Fahrt ist eine Mischung aus gefühlt ewiger Baustelle mit Tempo 80, dann kommt glücklicherweise doch mal wieder eine dreispurige Autobahn ohne Geschwindigkeitsbegrenzung, auf der das Strompedal komplett durchgedrückt werden kann und der Tacho knapp 250 km/h anzeigt. Dabei gibt es immer wieder Führungswechsel, mal ist ein schwedisches Team vor uns, mal die Kollegen aus Österreich, mal wieder wir mit unserer steten Strategie-Optimierung. 

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Endspurt: Es geht um alles

Die letzte Etappe führt uns von Ingolstadt am westlichen Rand Münchens vorbei, zurück nach Koblach. 286 Kilometer sind noch zu bewältigen, jetzt geht es um alles. Ein Blick auf das Navigationssystem zeigt uns verschiedene Staus an, aber Ortskenntnisse und ein ungutes Gefühl lassen uns die Idee von der alternativen Route über Augsburg, und somit auch über Landstraßen, wieder verwerfen. Die Autobahn ist und bleibt unser Freund, wir erreichen nach genau 1.111,8 Kilometern und in einer Gesamtzeit von 10:45 Stunden das Ziel in Koblach. Rekord! Und somit gehört uns der Gesamtsieg der Porsche-Taycan-1.111-Kilometer-Challenge vor den anderen 17 Teams.

Fazit: Selten wurden 1.111 Kilometer so entspannt und mit so viel Fahrspaß zurückgelegt. Kein Hals, kein Rücken, alles locker. Unser Verbrauch lag durchschnittlich bei 25,5 kWh auf 100 Kilometer und insgesamt haben wir für 123 Euro Strom gezapft. Im nächsten Jahr dürfen wir unseren Titel verteidigen.

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