Praxistipp: TSI-Golf mit rätselhaften Aussetzern

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Im Zuge der dritten Probefahrt offenbarte sich dann der Fehler. Jedoch ohne dass die Kundenbeanstandung dabei auftrat – kein Ruckeln, kein Notlauf, kein Fehlereintrag. Trotzdem war das Fehlersymptom klar erkennbar (siehe Oszillogramme in der Bildergalerie). Wie schaffte es FCD trotzdem, die Fehlerursache zu entdecken und „einzufangen“? Etwas Glück war dabei. Der Fehler trat schließlich erst bei der dritten Probefahrt auf. Zum größten Teil spiegele die Fehlerfindung aber auch eine berechenbare 80-Prozent-Chance wider, sagt FCD. Die 80 Prozent entsprechen dem Anteil der „Neigungsfehler“ gegenüber sogenannten eindeutigen 100- bzw. 0-Prozent-Fehlern, also entweder „Kontakt geschlossen“ (100 Prozent) oder „Kontakt offen“ (0 Prozent). Unter Neigungsfehler versteht man einen Fehler, der aus einer am Rande des Toleranzfeldes befindlichen Signallage resultiert. Wird etwa ein Signal im Bereich von 1 bis 3 Volt als normal betrachtet, erwartet man den idealen Wert bei 2 Volt. Bewegt sich das Beispielsignal jedoch die meiste Zeit bei 2,8 Volt anstatt in der Mitte, kann man davon ausgehen, dass die obere Grenze leicht überschritten werden kann, weil die Signalverschiebung dies vermuten lässt.

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In diesem Fall war es jedoch etwas anders als erwartet. Wie auf dem Aufnahmeausschnitt (Bild 3) erkennbar, werden auf der Signalleitung mehrere Signalausfälle in einem Zeitraum von zirka 25 Sekunden sichtbar (weiße Unterbrechungen des blauen PWM-Signals). Die Signalausfälle können jedoch den Ursprung sowohl im Motorsteuergerät (Kurzschluss oder Signalausfall) als auch im Kraftstoffpumpensteuergerät haben (hier nur „Kurzschluss an die Masse“ möglich, weil hier am „Signalempfänger“, also nicht am „Sender“ kontaktiert wurde).

Hätte der Signalausfall länger gedauert, wäre die bedarfsgeregelte Kraftstoffpumpe nicht lastentsprechend angesteuert worden, und das Problem am Hochdruck hätte die Ursache in einem mangelhaften Niederdruck gehabt. Aus dem aufgezeichneten Signalverhalten resultiert jedoch nur ein Signalausfall, nicht mehr. Um die Ursache zu finden, mussten die Techniker noch weitere Signalbilder auswerten. Denn hätte die Signalunterbrechung ihren Ursprung in einem Kurzschluss an Masse gehabt, hätte man mit dem Erneuern des Kraftstoffpumpensteuergeräts einen teuren und „blinden“ Teiletausch durchgeführt.

Durch logische Schritte zum Erfolg

Da jede Signalleitung auf Kurzschluss an Plus, an Masse bzw. auf Unterbrechung überwacht wird, kann man diesen Kurzschluss bedenkenlos vortäuschen. Genau das tat das Team von FCD und kam zu einer interessanten Erkenntnis: In dem Ausschnitt der Aufnahme der Kurzschluss-Vortäuschung (Bild 4) verhält sich die Kraftstoffpumpenansteuerung ganz anders als beim Signalausfall, als der Fehler auftrat. Diese Simulation zeigte, dass der Ursprung des Signalausfalls eine Unterbrechung im Motorsteuergerät haben muss. Denn sonst hätte der Kurzschluss die gleiche Folge gehabt wie die in der Simulation. Somit stand das Motorsteuergerät zweifelsfrei als Fehlerursache fest.

Weder nach dem Fehlerauftritt noch bei der Simulation wurden im Fehlerspeicher irgendwelche Einträge hinterlegt. Erst nach einem langen und wiederholten Kurzschließen der Signalleitung an die Masse erfolgte schließlich doch eine Fehlermeldung: „Kraftstoffpumpe – mechanischer Fehler“. Das hätte im konkreten Fall jedoch genausowenig weitergeholfen.

Fazit: Multitests bieten die Möglichkeit, sporadische Fehler auch dann aufzuspüren, wenn die Kundenbeanstandung nicht oder sehr selten reproduzierbar ist. Möglich wird dies durch eine langzeitige Aufnahme der fehlerrelevanten Signale in ihren Zusammenhängen bei dynamischen Lastwechseln. Auch tragen die Multitests laut FCD zu einer Vertiefung der allgemeinen Systemkenntnis bei. Denn durch vergleichbare Messungen und Simulationen wächst die Erfahrung des Diagnosefachmanns und er lernt die Funktionsweise von Systemen kennen, die sonst nirgendwo im Zusammenhang beschrieben werden. Wie Praktiker diese Multitests und Simulationen einsetzen können, zeigt am 7. Februar eine kostenlose FCD-Präsentation in der Kfz-Innung Unterfranken.

Hauptbestandteil des FCD-Konzepts ist das Internet-Portal www.fcd.eu. Auf diesem können Werkstätten, die Probleme bei der Diagnose und Reparatur von Fahrzeugen haben, zum einen untereinander kommunizieren und sich austauschen. Zum anderen können sie die professionelle Hilfe des FCD-Teams in Anspruch nehmen und erhalten gezielt Hilfestellungen. So kann die Werkstatt zum Beispiel Oszilloskopaufnahmen erstellen und diese zusammen mit einer kurzen Fehler-/Symptombeschreibung an FCD senden. Innerhalb kurzer Zeit erhält Sie die interpretierte Auswertung sowie entsprechende Reparaturtipps zurück. Das FCD-eigene Datenarchiv mit mehr als 25.000 Gut- und Schlechtbildern von Fahrzeugsystemen und Komponenten ist dabei eine wertvolle Hilfe für alle Beteiligten.

Darüber hinaus veranstaltet FCD zusammen mit Partnern deutschlandweit eigene Diagnosetrainings und Schulungen. Hier bekommen die Teilnehmer das nötige Wissen für den Umgang mit dem Speicheroszilloskop und Tipps und Tricks für den Diagnosealltag vermittelt. Die aktuellen Termine findet man unter www.fcd.eu/calendar.

Kontakt für Deutschland:Jürgen PerkamsTechnicial SupportBergstr. 2458256 EnnepetalTel.: 02333/5560Fax: 03212/125979Mobil: 0179/8038720Email: perkams@fcd.eu

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