Praxistipp: TSI-Golf mit rätselhaften Aussetzern

Redakteur: Steffen Dominsky

Das Team von FCD hat wieder einmal anschaulich gezeigt, wie Werkstätten dank Datenaufzeichnung mittels Signalrekorder auch kniffligen Diagnoseproblemen auf die Schliche kommen.

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Ein Golf VI TSI fiel bei Forst mit sporadischem Ruckeln und „Notlauf“ auf.
Ein Golf VI TSI fiel bei Forst mit sporadischem Ruckeln und „Notlauf“ auf.
( FCD )

Die On-Board-Diagnose (OBD) überwacht mehr und mehr Elektronikkomponenten. Doch gleichzeitig stößt das Prinzip der fahrzeugseitigen Eigendiagnose nach wie vor an Grenzen. Das Rätsel eines sporadisch auftretenden Fehlers an einem Golf VI TSI hat jetzt das Team von FCD mithilfe der Aufzeichnung eines Signalrekorders gelöst.

Bereits fünf Besuche beim Vertragspartner hatte der Besitzer eines Golf VI TSI hinter sich, und die Werkstatt hatte im Zuge der Fehlersuche nur eine von zwei Kundenbeanstandungen beheben können. Problem Nummer eins: Nach einem Kaltstart kam es sporadisch zu unregelmäßigem Leerlauf. Hier sorgte ein Softwareupdate der Motorsteuerung für Besserung. Problem Nummer zwei: Bei Außentemperaturen unter zirka -5° C fiel der Golf mit gelegentlichen Verbrennungsaussetzern und starkem Ruckeln auf und ging in Folge in den Notlauf. Nach einem Neustart war der Fehler wie weggeblasen.

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Das Auslesen des Fehlerspeichers brachte folgende Fehlermeldungen zu Tage: Verbrennungsaussetzer an unterschiedlichen Zylindern (Fehlercode 00768 P0300) und mangelnder Kraftstoff-Raildruck (Fehlercode 00135 P0087). Dieses Problem trat wie gesagt nur sporadisch auf.

Erfolgsfaktor „Multitests“

Das Team von FCD fand die Ursache des Fehlers, ohne dass das Problem auftrat – allein mithilfe der Kundenbeanstandung. Dazu setzte es auf das Prinzip der sogenannten „Multitests“: Während klassische Diagnoseprüfungen fast ausschließlich jeweils eine einzelne Komponente testen – vergleichbar mit einer Angel – setzen die Multitests von FCD auf ein „Abfischen“ mittels eines „Netzes“, d. h. sie fangen zeitgleich die Signale mehrerer elektrischer bzw. elektronischer Komponenten ein.

Am Ende eine Probefahrt bzw. eines Probelaufs wertet der Anwender dabei sämtliche aufgezeichneten Signale in Form einer Aufnahmedatei am Computer aus. Hier filtert er die unwichtigen „Fische“, d. h. die korrekten Signale aus. Übrig bleiben die „verdächtigen“ oder „ungewöhnlichen“ Signalbilder. Welche Signale er als fehlerrelevant auswählt, leitet er aus der Kundenbeanstandung ab. Im Fall des Golfs waren es einzelne, aber häufige Aussetzer bei einer Fahrt in oberem Lastbereich bei Frost, in Verbindung mit einem Fehlerspeichereintrag über mangelhaften Kraftstoff-Raildruck. Die Verbrennungsaussetzer blieben als logische Folge des mangelhaften Kraftstoffdrucks außen vor.

Zuerst musste das FCD-Team auf Minustemperaturen warten. Dann zeichnete es folgende Parameter mithilfe eines entsprechenden Signalanschlusses auf:

  • Signal für das Ansteuermodul der bedarfsgeregelten Kraftstoffpumpe
  • Kraftstoffpumpen-Strom
  • Niederdruck in der Kraftstoffleitung von der Kraftstoffförderpumpe zur Hochdruckpumpe
  • Hochdruck-Regelventil an der Hochdruckpumpe
  • Spannung am Hochdrucksensor am Rail.

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