Dabei mangelt es natürlich auch dem M-Byte nicht an Power. Schließlich gibt es ihn schon in der Basis mit einem 200 kW/272 PS starken Heckmotor und im Top-Modell mit einem zweiten, 110 kW/150 PS starken E-Motor an der Vorderachse – bei zusammen mehr als 700 Nm ab der ersten Umdrehung reicht das beim Kickdown allemal für ein paar schwarze Striche auf dem Asphalt und für ein flaues Gefühl in der Magengegend.
Sanfter Riese
Aber wer will das schon über die gesamten 520 Kilometer erleben, die mit den 71 oder 95 kWh großen Akkus im Wagenboden maximal möglich sein sollen? Eben! Wer mit Harty und Twohig im M-Byte unterwegs ist, erlebt den knapp fünf Meter langen Geländewagen deshalb tatsächlich als ausgesprochen sanften Riesen, der die schartige Fahrbahn glatt bügelt wie ein Tischtuch und in seiner souveränen Gemütlichkeit einem Bentley Bentayga deutlich näher ist als einem BMW X5. Nur an der Lenkung muss Harty noch ein bisschen feilen, weil sie arg gefühllos ist.
So richtig gut aufs Fahren konzentrieren kann man sich im M-Byte fürs erste allerdings ohnehin nicht. Denn zumindest auf den ersten Kilometern sind die Hände ständig versucht, auf dem Touchscreen herum zu streichen, der in der wie weiland im Citroen C4 fest montierten Lenkradnabe prangt, und der Blick wandert immer wieder auf den 48-Zoll-Bildschirm, der sich quer durchs gesamte Cockpit spannt. Zu neu und ungewohnt wirkt das alles, als dass man einfach einsteigen und losfahren möchte und man ist fast froh, wenn der Verkehr mal wieder ins Stocken gerät und einem so etwas Zeit lässt, sich mit der neuen Zeit anzufreunden.
Dabei ist die Bedienung auch mit dem dritten Screen, der in der hohen Mittelkonsole zwischen den Sitzen montiert ist, kinderleicht und selbsterklärend. Wenn man sich am digitalen Dauerfeuer einmal sattgesehen hat und auf die Straße schauen will, schmälert der überraschend hoch aufregende Bildschirm die Aussicht und man ist dankbar, dass der Wagen ringsum Kameras hat und das Einparken ohnehin automatisch erledigt.
Schöne neue Welt nur vorne
Dass Harty und Twohig so viel Wert auf eine familienfreundliche Abstimmung legen und ihre Hausaufgaben auch in der alten Welt gründlich machen, werden ihnen aber vor allem die Hinterbänkler danken. Zumal sie von der schönen neuen Welt im Elektroauto sonst nicht viel mitbekommen. Denn die Platzverhältnisse sind angesichts des riesigen Formats eher durchschnittlich und während man sich in der ersten Reihe fühlt wie Captain Future, gibt’s die Digitalisierung hinten nur auf dem eigenen Smartphone oder über die Schulter des Vordermanns.
Byton: Das Auto wird zum Smart-Device
(ID:46095662)