Prüfstandserkennung geht auf Audi-Idee zurück

Von Andreas Grimm

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Laut einem Pressebericht soll die Idee zur Prüfstandserkennung bei VW von Audi-Ingenieuren stammen. Während Audi die Software jedoch nicht einsetzte, griffen die VW-Entwickler zu.

(Foto:  Audi)
(Foto: Audi)

Bislang hat der Volkswagenkonzern die Verantwortung für den Diesel-Skandal bei der Kernmarke VW Pkw gebündelt. In der Außendarstellung waren die anderen Marken des Konzerns mehr Opfer, denn Täter. Doch nun legt ein Bericht des „Handelsblatts“ nahe, dass die Software zur Manipulation der Werte bei Audi in Ingolstadt entstand. Hinweise darauf hätten Ermittlungen der Kanzlei Jones Day ergeben, die von der Konzernführung mit der Suche nach Verantwortlichen beauftragt worden war.

Bereits im Jahr 1999 sollen dem Bericht vom Mittwoch zufolge Audi-Ingenieure befürchtet haben, dass ihre Motoren die verschärften Grenzwerte künftig nicht mehr erfüllen könnten. Auslöser soll schon damals die Stickoxid-Emission gewesen sein. Für das Jahr 2001 stand die Begrenzung der NOx-Werte auf 0,5 Gramm pro gefahrenem Kilometer an. Aus den Überlegungen heraus sei eine Software unter dem Decknamen „Accustic mode“ entstanden, die auf dem Prüfstand bestimmte Funktionen abschalten konnte.

Der Name rührt wohl daher, dass die Audi-Techniker in dieser Zeit vor allem versuchten, die Klopfgeräusche des Diesels zu minimieren, um den Fahrkomfort zu erhöhen. Die geringere Klopfneigung war aber durch höhere NOx-Emissionen erkauft, daher sollte die Anti-Klopf-Funktion auf den Prüfständen ausgeschaltet werden können.

VW-Entwickler griffen die Idee auf

Während die Software letztlich bei Audi nie zum Einsatz gekommen sein soll, wurde die Idee von den Volkswagen-Entwicklern aufgegriffen. Möglicherweise war das Wissen um die Existenz des Programms durch Personalwechsel von Ingolstadt nach Wolfsburg gekommen. Mitte der 2000er Jahre hatte Markenchef Wolfgang Bernhard neues Personal zur Kernmarke geholt, um ab Anfang 2005 eine neue Dieselmotoren-Generation – die EA-189-Baureihe – zu schaffen. Am Jahresende 2005 musste Bernhard gehen.

Die VW-Entwickler hatten jedoch die NOx-Emissionen des EA-189-Motors mit konventionellen Mitteln nicht ausreichend begrenzen können. Ab 2005 sei dann die Manipulationssoftware zur Prüfstandserkennung installiert worden, berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf die Ergebnisse der internen Ermittlungen. Auch der Begriff „Accustic mode“ sei von Audi übernommen worden.

Auf die Spur des Manipulationsursprungs brachte die Ermittler dem Bericht zufolge eben jener „Accustic mode“. Der Begriff war bereits als Tarnname für die Abschaltfunktion in VW-Modellen bekannt und nun im Zusammenhang mit einem Audi-Motor aufgetaucht. Nachprüfungen hätten für den Motor jedoch keine signifikanten Abweichungen zwischen Straßen- und Testbetrieb ergeben, heißt es.

Abschlussbericht der internen Ermittlung vor Verschiebung

Die immer neuen Erkenntnisse machen die Vorlage eines substanziellen Zwischenberichts zum Abgasskandal nicht leichter. Nach Informationen der „DPA“ soll der Zeitplan verschoben werden, die für die zweite Aprilhälfte fest zugesagten „vorläufigen Ergebnisse“ der Kanzlei Jones Day würden entfallen. Genannt werden zwei Hauptgründe für die Verschiebung. Einerseits könnten die internen Ermittler die Schuldfrage bisher noch nicht befriedigend beantworten, andererseits hänge die Verschiebung auch an der Gemengelage in den USA.

Dort ringt VW noch immer um eine Lösung für 580.000 betroffenen Wagen. US-Untersuchungen zur Schuldfrage sind laut dpa-Informationen ein Hemmschuh für den bis Ende April versprochenen Zwischenbericht. Laut dem „Wall Street Journal“ sollen Ermittler des Justizministeriums und der Bundespolizei FBI die Kanzlei Jones Day „sehr eindringlich“ darauf hingewiesen haben, dass eine Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt problematisch für die eigenen Ermittlungen sei.

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