Qualifizierte Hochvolt-Bildung

Autor / Redakteur: Edgar Schmidt / Edgar Schmidt

Die Elektromobilität spielt in der beruflichen Aus- und Weiterbildung eine immer größere Rolle. Das Netzwerk „Qualifizierung Elektromobilität“ (NQuE) hat dazu nun eine Datenbank mit Best-Practice-Beispielen zusammengetragen.

(Bild: BiBB)

Die Elektromobilität nimmt stetig an Fahrt auf. Die Frage ist nicht mehr, ob die Autos in großer Stückzahl kommen, sondern eher wann und mit welcher elektrischen Antriebsart. Denn es gibt ja nicht nur die rein batterieelektrisch angetriebenen Autos, sondern auch verschiedene Formen der Hybridantriebe. Und die sind mindestens noch so lange sinnvoll, bis die Akkus in Verbindung mit einer verbesserten Infrastruktur problemlos größere Reichweiten erlauben. Verschiedene Studien belegen inzwischen, dass für immer mehr Autofahrer beim nächsten Fahrzeugkauf ein elektrifizierter Wagen in Frage kommt. Und die meisten derer, die bereits ein solches Auto fahren, planen, sich wieder ein E-Auto zu kaufen.

Die zunehmende Zahl von Hochvoltfahrzeugen erfordert nicht nur mehr Ladestationen, sondern auch mehr gut ausgebildetes Personal, das diese Fahrzeuge warten und instand halten kann. Hier ist allerdings nicht nur die technische Qualifikation wichtig. Auch Softskills wie Verantwortungsbewusstsein sind von Bedeutung. Denn Mitarbeiter, die an Hochvoltsystemen arbeiten, müssen nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihr ganzes Team Verantwortung übernehmen.

Wie eine gute berufliche Aus- und Weiterbildung im Bereich Hochvolt aussehen kann, hat das „Netzwerk Qualifizierung Elektromobilität“ (NQuE) in einer Best-Practice-Datenbank zusammengetragen. Auf einem Workshop im Bildungszentrum Butzweiler Hof der Handwerkskammer zu Köln konnten sich Ausbilder sowie Trainer und Lehrer in überbetrieblichen Berufsbildungsstätten und Berufsschulen zudem zu diesem Thema austauschen.

Dr. Matthias Kohl vom Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) stellte in Köln zum Beispiel ein vom f-bb gemeinsam mit Audi entwickeltes Lernprogramm vor. Das aus digitalen Modulen, Workbooks und einem Hochvolt-Baukasten bestehende, sogenannte Hybrid-Lernsystem eignet sich nicht nur für die Aus- und Weiterbildung in der Industrie. Auch Berufsschulen, überbetriebliche Bildungsstätten und Betriebe können von dem Material profitieren. Neben der Fachkompetenz schult es laut Kohl auch die Selbstständigkeit und das Verantwortungsbewusstsein der Auszubildenden im Umgang mit Gefährdungen. Die Entwicklung der beruflichen Handlungskompetenz erfolgt dabei in sogenannten Lernpfaden, die sich durch die gesamte Ausbildung ziehen. Die Lernmodule in den Pfaden umfassen folgende Schwerpunkte:

  • Grundlagen Elektrotechnik
  • Elektrische Gefährdung und Arbeitsschutz
  • Messtechnik (Hochvolt)
  • Außer- und Inbetriebnahme des Hochvoltfahrzeugs
  • Instandsetzungsarbeiten am Hochvoltsystem

Mehr Geld für Bildungszentren

Hans-Peter Wollseifer, Präsident der Handwerkskammer zu Köln und Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), forderte auf der Veranstaltung mehr Mittel für die Bildungszentren des Handwerks und die Berufsschulen, damit sich diese besser für Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Elektromobilität ausstatten können. Für Berufsschulen in Hessen, die noch nicht über ein eigenes Elektroauto verfügen, ist hier bisher der Landesverband des Kfz-Gewerbes in die Bresche gesprungen. Er hat eigens ein Fahrzeug angeschafft, das die Schulen buchen können. Zum Paket gehören auch fahrzeugspezifische Schulungen und ein Tester.

Auf diese Weise sollen zum Beispiel Lehrer qualifiziert werden können. Ziel des Landesverbandes ist, dass alle Schulen in Hessen mindestens einen Lehrer mit Hochvoltqualifizierung haben. Laut Geschäftsführer Joachim Kuhn ist dieses Projekt auf eine sehr positive Resonanz gestoßen: 110 Lehrer konnten bereits von dem Engagement profitieren. Das Auto können die geschulten Lehrer auch buchen, wenn sie ihren Schülern die Diagnose von Elektroautos näher bringen wollen.

Auch Lehrer kamen auf der Veranstaltung zu Wort. So stellte beispielsweise Hans-Jürgen Riehl vom Hans Sachs Berufskolleg in Oberhausen ein Projekt vor, in dem Auszubildende ein Go-Cart mit einem Elektroantrieb ausrüsten, und Ronald Rahmig, Schulleiter des Oberstufenzentrums Kraftfahrzeugtechnik Berlin, berichtete über positive Erfahrungen mit dem Bau von Elektromotoren.

NQuE zeigt, dass das Kfz-Gewerbe inzwischen gut aufgestellt ist für die berufliche Bildung in Sachen Elektromobilität. Doch während die Hochvolt-Ausbildung über die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) in der beruflichen Erstausbildung obligatorisch ist, wird das Thema Elektromobilität in der Weiterbildung derzeit noch wenig nachgefragt. Das liegt nachvollziehbarerweise am bisher eher verhaltenen Markthochlauf. Deshalb ist es für Kfz-Betriebe enorm wichtig, den Markt zu beobachten, um Mitarbeiter rechtzeitig fit für künftige Aufgaben zu machen.

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