Radek Jelinek im Interview
Gut 20 Monate nach der Trennung von Chrysler und Daimler bewertet Chrysler-Deutschland-Chef Radek Jelinek im Gespräch mit »kfz-betrieb«. die derzeitige Situation seiner Marke.
Redaktion: 2007 hatten die Chrysler-Händler Unmut gegenüber dem Hersteller geäußert. Sind zum jetzigen Zeitpunkt alle strukturellen Fragen geklärt oder besteht noch Handlungsbedarf?
Radek Jelinek: In partnerschaftlicher Zusammenarbeit haben wir Anfang 2008 ein modifiziertes Geschäftsmodell eingeführt, das mit einer Margenerhöhung für unsere Partner einherging. Zusätzlich haben wir im Lauf des Jahres 2008 zweimal die Absatzzielvereinbarungen nach unten angepasst, um eine höhere Ausschüttung für unsere Partner zu erreichen.
Was hat sich seit der Trennung von Chrysler und Daimler im Mai 2007 für die Händler in Deutschland geändert?
Unsere Händler können zum Beispiel ihren Neuwagenkunden seit dem 1. April 2008 das serienmäßige „6 Jahre Sorglos Paket“ anbieten – eine für Kunden kostenlose Verlängerung der Werksgarantie um weitere vier Jahre. Mit den Modellen Jeep Patriot Eco+ und Dodge Journey Eco+ verfügen unsere Partner erstmals über einen kompakten SUV und einen praktischen Kompaktvan mit bivalentem Autogasantrieb. Wie Sie sehen, haben wir uns seit der Trennung vor allem auf Dienstleistungen und Produkte für unsere Kunden konzentriert – für unsere Händler hat sich also so gut wie nichts geändert.
Bewerten die Händler in Deutschland die Trennung der beiden Hersteller rückwirkend eher positiv oder negativ?
Da sich keine nachteiligen Auswirkungen eingestellt haben, bewerten unsere Partner die neue Eigentümersituation bei Chrysler keineswegs negativ.
Gibt es Rückmeldungen, wie die Kunden in Deutschland auf die Trennung von Chrysler und Daimler reagiert haben?
Die Rückmeldungen zeigen ganz deutlich, dass unsere Kunden mehr an Erlebbarem wie unseren Produkten und der Servicequalität bei unseren Partnern interessiert sind als an eher Abstraktem wie Eigentumsverhältnissen. Die Zufriedenheit der Kunden mit unseren Partnern ist im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Laut jüngsten Umfragen sprang Chrysler im Vergleich zu insgesamt 26 untersuchten Marken von Platz zehn auf einen hervorragenden Platz zwei.
Bei der Jahreshauptversammlung der Chrysler-Händler in Deutschland im November 2008 sprachen Sie davon, dass die Geschäftsführung von Chrysler Deutschland die Händler monatlich besucht. Wie ist die Stimmung bei diesen Besuchen?
Natürlich bewirkt die gegenwärtige Marktsituation keine ausgelassene Stimmung. Aber was wir bei unseren Besuchen beinahe durchgängig erleben, ist der Kampfgeist der Partner: Sie wissen, dass die beste Maßnahme gegen schlechte Stimmung und schwierige Bedingungen die professionelle Konzentration auf ihre Kunden und ihr tägliches Geschäft ist. Wir sind stolz darauf, mit Partnern zusammenzuarbeiten, die zwar durchaus kritisch, aber gleichzeitig konstruktiv mit uns umgehen und kreativ und enthusiastisch für jeden einzelnen Kunden da sind.
Wie können Sie Ihren Händlern für 2009 Mut machen? Was für Zusagen und Prognosen können Sie machen?
Zuverlässige Prognosen sind in diesen Zeiten natürlich fast unmöglich. Deshalb versuche ich es erst gar nicht. Eines steht jedoch fest: Wir werden in diesem Jahr einige Produktverbesserungen erleben, auf die unsere Kunden warten. So bekommt der Jeep Patriot, der schon jetzt eine gelungene Kombination aus klassischem Jeep-Design und der Wirtschaftlichkeit eines Kompaktautos ist, im ersten Quartal einen vollkommen neuen Innenraum. Darüber hinaus wird es noch drei weitere wesentliche Verbesserungen an einigen unserer Modelle geben, über die ich jetzt aber noch nicht sprechen will. Und selbstverständlich werden wir unsere Partner im sicherlich nicht leichten Jahr 2009 nicht im Stich lassen. Wir arbeiten stärker denn je an attraktiven Kaufanreizen wie Sondermodellen oder Autogasversionen und werden unvermindert konstruktiv und gemeinsam daran arbeiten, Monat für Monat ein bisschen besser zu werden.
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