Recycling-Probleme mit Seal-Reifen
Selbstabdichtende Reifen besitzen eine gelartige Schutzschicht, die Durchstiche abdichtet. Dieses Material verhindert aber, dass Altreifen zusammen mit gewöhnlichen Reifen verwertet werden können.
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Selbstabdichtende Reifen können Reifenplatzer und -pannen verhindern: Diese Aussage steht im Zentrum der Kommunikation, wenn es um die sogenannten Seal-Reifen geht. Bei ihnen befindet sich eine gelartige Polymerlage auf der Innenseite der Lauffläche, die bei Durchstichen den Stichkanal umgehend verschließt und somit verhindert, dass der Fülldrück entweicht.
Das funktioniert im Idealfall, ohne dass der Fahrer überhaupt etwas davon merkt, wie auch »kfz-betrieb« bereits erfahren durfte. Der Reifen kann danach uneingeschränkt weiterverwendet werden – eine runde Sache.
Als erster Autohersteller bietet Volkswagen dieses Pannensicherheitskonzept in der Erstausrüstung unter der Bezeichnung „Mobilitätsreifen“ an. Wichtige Hersteller dieser Reifen sind Continental, Pirelli und Hankook.
Seal-Reifen lassen sich nicht granulieren
Die Seal-Schicht, die aus unvulkanisiertem Kautschuk, einer großen Menge Weichmacher und anderen Stoffen besteht, sorgt allerdings auch für ein Problem, das sich erst am Ende des Lebenszyklus eines Reifens zeigt: beim Recycling. Altreifen werden in Deutschland geschreddert und anschließend entweder zur Energiegewinnung verbrannt (meist in der Zementindustrie) oder zu Granulat feinvermahlen. Gummigranulat ist ein Sekundärrohstoff, der zum Beispiel im Straßenbau verwendet wird.
Die Seal-Schicht an der Innenseite der Lauffläche verhindert allerdings, dass Altreifen zu Granulat verarbeitet werden können. Denn das hochviskose Material würde die Granulierwerkzeuge und das Gummipulver verkleben und verschmieren. Lediglich das Schreddern, also das Zerkleinern des Reifens in ungefähr handtellergroße Stücke, funktioniert wie gewohnt.
Das bedeutet: Eine stoffliche Verwertung, die aus Sicht der Umwelt eigentlich zu befürworten ist, fällt beim Seal-Reifen aus. Er kann lediglich verbrannt werden (energetische Verwertung), wodurch aber nur rund 20 Prozent der enthaltenen Energie zur Nutzung kommen. In manchen Ländern ist dieses Verfahren sogar verboten.
Händler sollten ihren Entsorger zu Seal-Reifen befragen
Reaktionen aus der Industrie, von Recyclingunternehmen und auch aus dem Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseurhandwerk (BRV) legen nahe, dass die Branche bislang nicht auf dieses Thema vorbereitet war. Offensichtlich haben sich die Reifenhersteller während der Entwicklung dieser Technik keine ausreichenden Gedanken zum Recycling gemacht. Auch Volkswagen als Erstausrüstungskunde konnte auf Anfrage von »kfz-betrieb« noch nicht erklären, wie die Markenpartner mit den abgefahrenen „Mobilitätsreifen“ umgehen sollen. »kfz-betrieb« berichtet darüber in der Ausgabe 20/2016, die am 20. Mai erscheint.
Eines ist klar: Seal-Typen müssen von den normalen Altreifen getrennt werden. Zwar arbeiten große Recycler wie die dänische Genan-Gruppe an einem automatischen Separierverfahren – ob dieses sich verwirklichen lässt, ist aber noch offen. Gleiches gilt für Bemühungen, die Seal-Schicht maschinell vom Reifen abzulösen. Laut Continental ist das ohnehin nicht möglich.
Autohändler, die bereits heute mit Seal-Reifen zu tun haben, sollten also möglichst schnell mit ihrem Entsorgungspartner besprechen, wie damit zu verfahren ist – beispielsweise, ob sie selbst die Reifen sortieren sollen oder ob das der Recycler macht. Bei der Identifikation helfen Piktogramme auf der Seitenwand wie bei den „Contiseal“-Reifen.
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