Regierung will Steuervorteile für E-Autos deutlich verlängern

Dienstwagenbesteuerung und Sonderabschreibung

| Autor: dpr/gr

(Bild: Daimler)

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) plant längere und stärkere steuerliche Anreize zur Förderung der Elektromobilität. Die Bundesregierung habe sich zum Ziel gesetzt, mehr Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen und Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu machen, heißt es in einem Gesetzentwurf zur weiteren steuerlichen Förderung der E-Mobilität. „Über die bereits bestehenden Vorteile für Elektroautos hinaus bedarf es einer Verstärkung und Verstetigung der steuerlichen Anreize, um diese Ziele zu erreichen.“

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) unterstützt die Überlegungen. „Wir begrüßen vor allem die geplante Verlängerung der Sonderregelung bei der Dienstwagenbesteuerung bis zum Jahr 2030, sie gibt Unternehmen und Nutzern Planungssicherheit“, sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes. Seinen Angaben zufolge drehen sich die Pläne des Finanzministeriums um die steuerliche Förderung für rein batterieelektrische Dienstwagen sowie für Dienstwagen mit Plug-in-Hybrid (PHEV), wobei die Anforderung an die Reichweite der PHEV schrittweise erhöht werden soll.

Auch der Verband der Importeure begrüßte die Überlegungen. „Die geplante Verlängerung von Steueranreizen für E-Autos bis 2030 ist ein wichtiges Signal an potenzielle E-Auto-Käufer“, sagte VDIK-Präsident Reinhard Zirpel. Er wies allerdings darauf hin, dass ein Gesamtkonzept der Bundesregierung zur zukünftigen Förderung der Elektromobilität notwendig sei. Namentlich nannte er die deutliche Verlängerung des Umweltbonus sowie den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Zu diesen Themen wurde bislang aus dem Bundesfinanzministerium nichts bekannt. Als konkrete Maßnahme ist dagegen die Sonderabschreibung für die Anschaffung neuer, rein elektrisch betriebener Lieferfahrzeuge (50 Prozent) vorgesehen, die von 2020 bis 2030 und nur für gewerblich genutzte Elektrofahrzeuge der Fahrzeugklassen N1 und N2 bis 7,5 Tonnen gelten soll. Dritter Punkt ist die Verlängerung der Steuerbefreiung für Ladestrom auf dem Firmengelände sowie der Pauschalbesteuerung für die Übereignung einer Ladevorrichtung. „Das sind sowohl für den Halter als auch den Nutzer eines E-Autos praktikable, einfache und unbürokratische Maßnahmen, die zudem auch die Finanzverwaltung administrativ entlasten“, kommentierte Mattes die Vorschläge.

Nach der bisherigen Planung soll das Kabinett dem Entwurf in der kommenden Woche zustimmen. „Die Maßnahmen zur steuerlichen Förderung der Elektromobilität leisten einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Umweltverträglichkeit des Personen- und Güterverkehrs“, heißt es im Entwurf. Scholz hatte bereits angekündigt, er wolle Elektroautos länger staatlich fördern als bislang geplant. Damit will der SPD-Politiker die deutsche Autoindustrie bei ihrem schwierigen Umbruch hin zu alternativen Antrieben wie E-Autos unterstützen.

Die Neuzulassungen von E-Autos steigen zwar, sie bewegen sich aber immer noch auf einem niedrigen Niveau. Im April hatten Batteriefahrzeuge einen Anteil von 1,5 Prozent am Neuwagenaufkommen in Deutschland, Hybride erreichen 5,4 Prozent.

Trotz der langsamen Verbreitung der Elektromobilität glaubt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an eine europäische Technologieführerschaft in diesem Bereich. Im Vergleich zu asiatischen Anbietern habe man bei der Entwicklung von Batteriezellen allerdings an Kompetenz verloren, sagte Merkel am Mittwoch bei einer Veranstaltung zum 70-jährigen Bestehen der Fraunhofer-Gesellschaft in München. Die Weiterentwicklung von Batterietechnologien aber sei eine europäische Möglichkeit: „Wenn wir das als wichtiges Projekt von gemeinsamen europäischen Interesse einstufen, dann haben wir eine Chance“, sagte Merkel.

Nach Ansicht der Kanzlerin hat die deutsche Autoindustrie zu spät auf Elektro-Autos gesetzt. „Mit Blick auf die Elektromobilität zum Beispiel hätten wir vielleicht schon früher an Tempo zulegen müssen“, sagte sie.

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 45907824 / Wirtschaft)

Plus-Fachartikel

Byton: „Ein digitales Erlebnis“

Byton: „Ein digitales Erlebnis“

45.000 Euro netto will das chinesische Start-up Byton für sein Elektro-SUV M-Byte verlangen. Nach dem Start in China Anfang 2020 soll das Auto ein Jahr später auch nach Europa kommen. Byton-Manager Andreas Schaaf erläutert die Pläne des Fabrikats. lesen

Caroobi: Räuber oder Robin Hood?

Caroobi: Räuber oder Robin Hood?

Caroobi schaltet sich immer häufiger zwischen freie Werkstatt und Endkunde. Aus Sicht der Berliner geschieht das nur zum Vorteil der Betriebe. Die künftigen Pläne des Start-ups erläutert Geschäftsführer Philipp Grosse Kleimann. lesen