Reifentechnik: Einer gegen alle

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Michelin stellt sich gegen den Rest der Reifenwelt: Die Profiltiefe sei keineswegs das wichtigste Kriterium für die Leistungsfähigkeit eines Reifens. Die mögliche Folge: Es werden 20 Prozent weniger Reifen verkauft.

Selbst auf nasser Straße sollen verschlissene Premiumreifen mehr Haftung bieten als neue Billigware, sagt Michelin.
Selbst auf nasser Straße sollen verschlissene Premiumreifen mehr Haftung bieten als neue Billigware, sagt Michelin.
(Bild: F. Lanoe)

Obsoleszenz: Dieses in jüngster Zeit in Mode gekommene Schlagwort bedeutet, dass manche Produkte gewissermaßen ein technisches Haltbarkeitsdatum besitzen. Das heißt, sie sollen nach einer gewissen Zeit kaputtgehen, damit der Kunde etwas Neues kauft.

Bei Reifen ist Obsoleszenz dagegen unvermeidlich, denn sie verschleißen durch den Kontakt mit der Straße. Wenn die Profiltiefe einen Wert von 1,6 Millimetern erreicht hat, schreibt der Gesetzgeber einen Wechsel vor. Doch schon seit Jahren empfehlen Verkehrssicherheitsexperten, Automobilclubs und natürlich auch die Reifenhersteller den Autofahrern, schon deutlich vor dieser Grenze neue Gummis zu montieren. Die Wintereigenschaften gelten etwa schon ab vier Millimetern als nicht mehr ausreichend, Sommerpneus werden in Europa durchschnittlich bei über drei Millimetern ausgetauscht. Die unvermeidliche Folge: Rund 20 Prozent der möglichen Laufleistung landen auf dem Müll.