Darum gibt es Probleme mit dem Kraftstoff
Lässt benzinbetriebene Fahrzeuge das Thema Winter aus Sicht des Kraftstoffs sprichwörtlich kalt, haben mit Diesel befeuerte Automobile seit je her mit der kalten Jahreszeit zu kämpfen. Nicht nur dass Vorglüheinrichtungen und hoher Verdichtung sei Dank entsprechend dimensionierte Anlasser das Bordnetz stärker belasten, auch ihr Kraftstoff ist kein Freund tiefer Temperaturen. Das war bereits zu Zeiten mechanischer Reiheneinspritzpumpen so und hat sich, trotz des Einsatzes von High Tech, bis heute nicht geändert – im Gegenteil. Drohte früher Frostgefahr, so mischte man einfach etwas Benzin oder Petroleum dem Diesel bei. 20 bis 30 Prozent empfahlen die Betriebsanleitungen der Fahrzeughersteller.
Doch was besagten Reiheneinspritzpumpen aufgrund separater Schmierstoffversorgung mittels Motoröl völlig egal war und auch Verteilereinspritzpumpen nicht beeindruckte, ist für moderne Commonrail-Motoren blankes Gift. Die Bauteile ihrer Hochdruckpumpen beziehen ihre Schmierung ausschließlich aus der „öligen“ Eigenschaft des Dieselkraftstoffs und sind dringend auf diese angewiesen. Auch Aggregate mit Pumpe-Düse-Technik darf man offiziell nicht mit einem Diesel-Benzin-Gemisch betreiben. Hier hat die Praxis allerdings gezeigt, dass regelmäßig vorkommende Falschbetankungen mit Ottokraftstoff keineswegs den Tod der Einspritztechnik bedeuten.
Doch weshalb bereiten Dieselkraftstoff tiefe Temperaturen Probleme? Normaler Dieselkraftstoff („Sommerdiesel“) ist lediglich für Temperaturen bis 0°C einsetzbar. Zudem ist er „hygroskopsich“ – er nimmt bis zu acht Prozent Wasser auf. Nur durch Zugabe spezieller Zusätze kann man Diesel wintertauglich machen. Muss er laut DIN EN 590 in der Übergangzeit (Oktober bis November und März bis April) bis -10°C einsatzsicher sein, so haben Tankstellen vom 16. November bis 28./29. Februar so genannten „Winterdiesel“ vorzuhalten – er ist für Temperaturen bis -20°C geeignet. Doch das reicht nicht immer. Zum Beispiel dann, wenn...
- es – wie aktuell – kälter als von der Norm im besagten Zeitraum vorgesehen ist
- das Fahrzeug über Nacht ungünstig steht und kaltem Wind ausgesetzt ist
- das Fahrzeug längere Zeit stand und sich noch Diesel aus einer wärmeren Periode im Tank befindet
Dann kristallisert das im Diesel enthaltene Paraffin (Wachs) und „flockt aus“. Zusammen mit dem im Kraftstoff gebundenen Wasser (Eisbildung!) verstopft es zuerst die engste Stelle im Kraftstoffsystem, den Kraftstofffilter, zuletzt das gesamte System. Abhilfe können hier so genannte Diesel-Fließverbesserer bieten: Sie setzen die so genannte „Filtrierbarkeitsgrenze“ des Kraftstoffs nach unten. Aber: Auch von dieser Methode raten die meisten Fahrzeughersteller für ihre Motorengenerationen von etwa Baujahr 2000 an ab beziehungsweise verbieten – wie der Volkswagen-Konzern – generell die Verwendung dieser Zusätze.
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