Renault: E-Auto erfordert mehr Beratung

Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Andreas Grimm

Die Aufgaben der Händler werden sich mit den Elektroautos ändern. Womit der Handel rechnen muss, erklärt Béatrice Degand-Wego, Projektleiterin Elektrofahrzeuge bei Renault Deutschland, im Interview mit »kfz-betrieb ONLINE«.

Redaktion: Wann kommen die ersten Elektrofahrzeuge von Renault in Deutschland auf den Markt?

Béatrice Degand-Wego: Bis Mitte 2012 werden wir vier Modelle einführen: Kangoo Rapid Z.E., Fluence Z.E., Twizy Z.E. und Zoe Z.E. Wir starten im Herbst nächsten Jahres mit dem Kangoo Rapid Z.E.

Wie will Renault die Fahrzeuge verkaufen?

Wir trennen die Batterie vom Fahrzeug. An der Finanzierung des Fahrzeugs ändert sich für den Kunden auch künftig nichts. Hinzu kommt die Batterie. Diese werden wir ausschließlich verleasen. Das hat für den Kunden diverse Vorteile: Er muss sich zum Beispiel keine Sorgen um Restwert und Leistung machen, stattdessen fallen lediglich die Nutzungskosten an. Damit übernimmt Renault die Verantwortung für die Batterie.

Haben Sie schon Pläne für die Leasing-Angebote?

Wir werden die Batterien über die Renault Bank verleasen. Dabei bieten wir verschiedene Laufzeiten an. Die Tarife orientieren sich an der Kilometerbasis. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen Neu- und Gebrauchtwagenkunden.

Wie wird der Weiterverkauf eines Fahrzeuges gehandhabt?

Das Fahrzeug und die Batterie werden, wie beim Neuwagenverkauf, getrennt behandelt.

Welche Rolle spielen die Händler beim Vertrieb von E-Autos?

Die Rolle der Händler wird sich nicht ändern. Die Händler müssen lediglich die Infrastruktur für den Verkauf von Elektrofahrzeugen schaffen.

Ändern sich deren Aufgaben?

Sie verkaufen künftig noch mehr Dienstleistungen, dazu gehören zum Beispiel Services und Energie. Um den richtigen Mix anzubieten, muss der Verkäufer eine tief greifende Kundenanalyse machen: Wie sieht die Infrastruktur beim Kunden aus, welche Ergänzungen braucht er?

Mehr Serviceorientierung also?

Die Beratungsintensität eines Verkäufers wird um 20 Prozent höher sein, als bei Fahrzeugen mit thermischem Antrieb, da Fragen zum Produkt, zum Batterie-Leasing, zur Reichweite, zu Haltbarkeit und Lademöglichkeit der Batterie, sowie zur Energie und der öffentlichen Infrastruktur auftreten werden. Wir werden unsere Händler also sowohl im kaufmännischen als auch im technischen Bereich schulen.

Wie wirkt sich dies auf den Umsatz der Händler aus?

Das ist noch nicht klar. Entscheidend ist, dass die Händler ihre Rentabilität beibehalten. Das werden wir zunächst mit dem Händlerverband diskutieren.

Sehen Sie zusätzliche Umsatzchancen für die Händler?

Natürlich können durch Serviceleistungen auch die Umsätze gesteigert werden. So wollen wir für ein ganzheitliches Mobilitätskonzept zum Beispiel von Beginn an den Kunden die Möglichkeit bieten, auch Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb zu mieten, um seine Flexibilität nach wie vor auch für größere Distanzen zu sichern.

Welche Rolle spielen die Werkstätten?

Wir definieren Standards, die zu erfüllen sind, und natürlich bereiten wir unsere Partner mit entsprechenden Schulungen darauf vor. Zusätzliche Investitionen sind beispielsweise für Diagnosegeräte und Werkzeuge sowie die Infrastruktur zum Laden der Fahrzeuge notwendig.

Bei batterie-elektrischen Fahrzeugen fällt weniger zur Wartung und zur Reparatur an ...

Die Wartungskosten sind niedriger, da bisher übliche Wartungsarbeiten entfallen. Dennoch werden regelmäßige Kontrollen notwenig sein, zum Beispiel des Batteriezustandes.

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