Reparatur von Kleinschäden
Parkrempler, Kratzer im Lack und sogar kleine Brandlöcher lassen sich durch Smart Repair beseitigen. Das wirkt sich beispielsweise auf den Wert eines Gebrauchtwagens aus oder generiert Umsätze für die Werkstatt.
Durch Parkrempler oder Steinschläge verursachte Karosserie- und Lackschäden mindern den Wert eines Gebrauchtwagens – je nach Beschädigung sogar erheblich. Dazu kommt, dass sich ein potenzieller Käufer von optischen Mängeln erst einmal abschrecken lässt. Eine ganz besondere Rolle spielt bei der Besichtigung auch der Innenraum des Fahrzeugs. Stinkt dieser nach kaltem Zigarettenrauch oder befinden sich sogar Brandlöcher in den Sitzen, wirkt sich das natürlich negativ auf die Kaufentscheidung des Kunden aus. Genauso abstoßend wirken Bohrlöcher, die eventuell für Handy- oder Navigationssystem-Halterungen im Armaturenbrett zurückgeblieben sind. Unter Umständen wird sich der Käufer auf Grund solcher Schäden sogar gegen das Fahrzeug entscheiden, obwohl es ansonsten genau seinen Wünschen entspricht. Umso wichtiger ist es, die Gebrauchtwagen optisch einwandfrei auf dem Hof zu präsentieren, das heißt ohne Dellen oder Kratzer und innen sowie außen gereinigt.
Häufig hindern die Kosten für die herkömmliche Reparatur von Kleinschäden den Händler daran, das Fahrzeug zu reparieren. Genauso kommt es den Händler teuer zu stehen, wenn er vielleicht den Sitzbezug oder sogar ein komplettes Armaturenbrett austauschen muss, um das Fahrzeug wieder in einen Top-Zustand zu versetzen. Mittels der so genannten Smart-Repair-Verfahren kann der Unternehmer seinen Gebrauchtwagen kostengünstig reparieren. Darüber hinaus eröffnet sich der Werkstatt weiteres Geschäftspotenzial, wenn sie diese Methoden dem Endverbraucher als preiswerte Reparaturalternative anbietet. Folgende Verfahren können Werkstätten derzeit anbieten:
Dellenentfernung ohne Lackieren
Während beim herkömmlichen Ausbeulen mit Hammer und Gegenhalter das Blech schnell geglättet und spannungsfrei geschlagen werden kann, wird beim lackierfreien Ausbeulen die Delle ohne Gegenhalter herausgedrückt. Dabei arbeitet der Fachmann von außen nach innen , dass heißt, er beginnt am Dellenrand und arbeitet sich zum Dellenzentrum vor. Da der Gegendruck durch den Gegenhalter fehlt, muss der Mechaniker viele kleine Druckpunkte eng aneinandersetzen. Damit versucht er, die Kraftlinien aufzuheben, die durch den Dellenmittelpunkt gehen. Auf diese Weise arbeitet er eine Delle mit ei- nem Durchmesser von etwa 200 Millimetern mit rund 100 bis 150 Druckpunkten heraus.
Die Dellen werden bei dieser Methode von der Rückseite gedrückt. Dafür braucht der Mechaniker entsprechend geformte Spitzen, die sich an den Karosseriekanten abstützen können. Wegen der vielen und auch oft langen Hohlräume in einer Karosserie müssen die Hebel so angefertigt sein, dass mit ihnen auch entfernt liegende Punkte erreicht werden können. Deshalb haben die Hebelwerkzeuge nicht nur unterschiedlich geformte Spitzen, sondern auch verschiedene Längen.
Allerdings hat der Monteur nicht immer die Möglichkeit, eine Delle von hinten zu erreichen. Sei es, weil notwendige Demontagearbeiten zu aufwändig sind, oder weil die Delle an einem Punkt im Blech liegt, der von hinten überhaupt nicht zugänglich ist. In diesen Fällen muss er die Delle mit einem Zughammer bearbeiten. Hierfür klebt er einen Zugstempel auf die Dellenmitte und zieht ihn über eine Abstützbrücke hoch.
Die Spot-Lackierung
Diese Lackreparatur bleibt auf die Schadstelle begrenzt. Die Spot-Lackierung ist eine Beilackiermethode. Beim Beilackieren von Basis- und Klarlack läuft innerhalb eines Bauteils der Lack aus. Die Übergangsstelle von altem und neuem Klarlack muss der Experte, polieren, um die Bereiche anzugleichen.
Die beschädigte Stelle sollte keinesfalls größer als eine Handfläche sein, wenn sie durch eine Spot-Lackierung repariert werden soll. Die insgesamt zu bearbeitende Fläche darf DIN-A-4 nicht überschreiten. Für so genannte liegende Flächen wie Motorhaube, Kofferraumdeckel und Dach ist das Verfahren nicht geeignet. Denn die Übergänge sind auf solchen Flächen immer zu sehen. Gleiches gilt, wenn die stehende Fläche wie Seitenteil, Tür oder Kotflügel keine Kanten aufweist. Bei zu großen glatten Oberflächen lassen sich auch bei stehenden Flächen keine sauberen Übergänge herstellen.
Reparatur von Alufelgen
Je nach Schadenumfang lassen sich Kratzer und Schrammen in Alufelgen reparieren oder eben nicht. In mehreren Arbeitsgängen muss der Anwender zunächst die beschädigte Stelle gründlich ausschleifen. Danach baut er den Lack auf. Die erste wichtige Schicht bildet ein spezieller Aluhaftgrund, auf dem die folgenden Materialien dauerhaft halten können.
Nachdem der Haftgrund abgelüftet ist, kann der Monteur die Füllerschicht auftragen. Ist der Füller trocken, kann er die Felge in der Wunschfarbe lackieren. Im letzten Schritt trägt er dann einen speziellen Klarlack für Leichtmetall auf.
Die Cabriodach- Reparatur
Ein Riss im Stoffverdeck wird zuerst mit einem flüssigen Spezialklebstoff und so genannten Reparaturfasern aufgefüllt. Bei größeren Schäden oder Löchern muss der Monteur zuvor einen Veloursstoff unter die oberste Verdeckschicht schieben. So erhält der Klebstoff die notwendige Stabilität. Danach muss er die Schadstelle mit einem kleinen Bügeleisen erhitzen. Dabei verbinden sich der Kleber und die Stofffasern mit dem Verdeck. Allerdings zieht sich das Reparaturmaterial bei Hitze zusammen. Daher muss der Monteur die Arbeitsgänge so oft wiederholen, bis die Schadstelle vollständig aufgefüllt ist. Danach ist zwar der Schaden behoben, die Reparaturstelle ist jedoch noch deutlich zu sehen. Daher spritzt der Monteur im nächsten Schritt ein Fixier- und Versiegelungskleber auf. Er dient als Haftgrundlage für weitere Stofffasern. Dann trocknet er die Stelle abschließend mit dem Bügeleisen.
Reparatur von Glas
Für die Reparatur einer Windschutzscheibe muss man die Schadstelle mit einem Spezialwerkzeug vorsichtig öffnen und die Kanten des Einschlagkraters brechen. Danach wird die beschädigte Stelle gründlich gereinigt und getrocknet. Im nächsten Schritt schafft der Monteur mit einer Vakuumpumpe einen luftleeren Raum unmittelbar über dem Einschlagloch. Die Schadstelle füllt er dann mit einem klaren Kunstharz auf. Dank des Vakuums erreicht das Kunstharz jeden Winkel des Steinschlagkraters. Auch kleine Sprünge lassen sich so wieder verschließen.
Zum Aushärten des flüssigen Harzes benutzt er eine UV-Lampe. Zuletzt entfernt er noch das überschüssige Harz und poliert die reparierte Fläche.
Die Kunststoffreparatur
Bei etwa 70 Prozent aller Unfälle werden laut dem Allianz-Zentrum für Technik (AZT) die Stoßfänger in Mitleidenschaft gezogen, die heute überwiegend aus Kunststoff hergestellt werden. Großflächige Teile, wie eine Frontstoßstange mit integriertem Spoiler können schnell einige Hundert Euro kosten. Dennoch werden Kunststoffteile häufig erneuert. Dabei haben die meisten Automobilhersteller und -importeure Kunststoffreparaturen als technisch und optisch einwandfreies Verfahren freigegeben. Hauptsächlich kommen bei der Reparatur von Kunststoffteilen drei Verfahren zum Tragen: Laminieren, Schweißen und die Reparatur durch 2k-Reparaturmaterialien.
Früher mussten die zu reparierenden Kunststoffe einwandfrei identifiziert werden. Beim Laminieren und Schweißen ist das auch immer noch der Fall, weil zum Beispiel nur Thermoplaste durch Schweißen verbunden werden können. Mit der Zeit wurden 2K-Reparaturmaterialien entwickelt, die entweder nur noch eine grobe oder sogar überhaupt keine Zuordnung zu einem Kunststofftyp erfordern. Deshalb sollten Kunststoffteile mit einer unbekannten Zusammensetzung grundsätzlich mit einem 2K-Reparaturmaterial instand gesetzt werden.
Reparaturen im Innenraum
Die meisten kleinen Beschädigungen oder Gebrauchsspuren im Innenraum sind nur Schönheitsfehler. Dennoch können sich Verfärbungen, Flecken und Lackabschürfungen in Vinylleder- und Lederoberflächen, Beschädigungen, Kratzer und Löcher in Armaturenbrettern, Türverkleidungen und Kofferraum-Auskleidungen sowie abgenutzte Türgriffe und Mittelarmlehnen stark wertmindernd auf den Gebrauchtwagen auswirken. Die Schäden zu beseitigen, indem man Neuteile einsetzt, ist zu teuer. Der Austausch eines Armaturenbrettes kostet 600 bis 1 250 Euro, eine neue Türverkleidung 100 bis 300 Euro. Hinzu kommt, dass Neuteile nicht immer in der richtigen Farbe oder Variante sofort verfügbar sind. Es gilt also, diese optischen Schönheitsfehler im Fahrzeuginterieur schnell und vor allem kostengünstig zu beseitigen.
Löcher im Armaturenbrett
Für die Reparatur von kleinen Löchern oder Rissen in Armaturenbrettern benötigt der Monteur etwa 30 bis 60 Minuten Reparaturzeit. Reparatursets enthalten eine spezielle Füllmasse, mit der er Löcher von ehemaligen Handyhalterungen oder sonstigen Zusatzinstrumenten auffüllen kann. Anschließend passt er die Reparaturstelle mit Farbe dem Bauteil an. Hierfür befinden sich in den Reparatursets meist mehrere Farben für Armaturenbretter, die auch miteinander vermischt werden können. Damit lässt sich der Originalfarbton täuschend echt nachbilden. Die Struktur des Armaturenbretts gleicht er mit Strukturpapier oder -Spritzmasse an.
Löcher im Sitz
Nicht nur das Alter hinterlässt auf den Sitzpolstern von Kraftfahrzeugen Spuren: Risse oder gar Brandlöcher sind Schäden, die eine Werkstatt bisher nur beseitigen konnte, indem sie die beschädigten Teile austauschte. Diese Beschädigungen an Sitzbezügen, Teppichböden oder am Dachhimmel mindern den Wert eines Gebrauchtwagens erheblich. Ein neuer Sitzbezug kostet etwa 300 bis 800 Euro.
Dabei gibt es auch für Löcher und kleine Einrisse an Sitzbezügen in Stoff und Leder spezielles Reparaturmaterial. Allerdings dürfen die Schadstellen nicht großflächig sein, Brandlöcher lassen sich bis zu einem Durchmesser von rund 1,5 Zentimeter und Risse mit einer Länge von bis zu 5 Zentimeter reparieren. Die durchschnittliche Reparaturzeit beträgt etwa 30 bis 60 Minuten. Dabei bringt der Fachmann verschiedenfarbige Textilfaserpartikel mithilfe von Spezialklebstoffen auf beschädigte Polsterflächen auf. Die hochwertigen Textilfasern sind nur wenige Millimeter lang und lassen sich farblich und strukturell an die Originalvorlagen anpassen.
Diverse Zubehörteile wie Beschichtungsstoffe und Farben werden mittels Hitze appliziert und ermöglichen so eine schnelle und einfache Polsterreparatur. Die Repa- raturstelle ist vom Original kaum zu unterscheiden. Zudem ist strapazierfähig und belastbar – fast wie der Originalstoff.
Die Lederreparatursets bestehen aus einer Reihe von Lederfarbtönen, mit denen man die Reparaturstelle lackieren kann und einem Reparatursatz um Risse und Löcher im Leder zu schließen. Dabei wird das Reparaturmaterial in die beschädigte Stelle gespachtelt und durch Wärme aktiviert. Die Farbtöne sind mischbar, sodass auch Sonderfarben nachgestellt werden können.Konrad Wenz
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