Rhein-Gruppe beendet BMW-Wirrungen

Autor Stephan Richter

Der Übernahme-Marathon beim Autohaus Reichert ist mit dem Verkauf an die Rhein-Gruppe zum 1. Juni beendet. In die Verhandlungen hatte sich der Hersteller zum Teil massiv eingemischt.

Die Rhein-Gruppe übernimmt BMW-Reichert in Neusitz.
Die Rhein-Gruppe übernimmt BMW-Reichert in Neusitz.
(Foto: Richter)

Die Würzburger und Heilbronner Autohausgruppe Rhein hat zum 1. Juni 2013 den verbliebenen BMW-Standort des Autohauses Reichert in Neusitz mit allen Mitarbeitern übernommen. Die Rhein-Gruppe ist nun mit dem neuen Standort der größte BMW-Händler in Deutschland. Der neue Eigentümer Ralf Rhein kündigte Investitionen für alle Unternehmensbereiche in der Neusitzer Filiale an. Zudem möchte er Mini als Marke einführen.

Zum ersten Januar 2013 hatte Geschäftsführer Wolfgang Reichert bereits seine beiden angemieteten Betriebe in Essingen und Heidenheim an die Mulfinger-Gruppe abgetreten.

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Damit endet eine verworrene Geschichte um das Autohaus Reichert, das bereits seit zwei Jahren zum Verkauf steht. Seither gab es zahlreiche Interessenten für die Standorte: Neben der Rhein- und der Mulfinger-Gruppe buhlten auch das Autohaus Entenmann und die Cloppenburg SE als Anwärter um die drei Reichert-Filialen.

Die Rhein-Geschäftsführung war bereits im Gespräch mit der Inhaberfamilie Heitmann bezüglich der Betriebe in Essingen und Heidenheim gewesen und hatte sich schließlich im September 2011 eine Erwerbsvormerkung im Grundbuch eintragen lassen. Diese löschte das Unternehmen allerdings am 17. September 2012 wieder.

Cloppenburg kommt – und geht wieder

Parallel zu den Verhandlungen zwischen den Inhabern und Rhein wurde Geschäftsführer Wolfgang Reichert allerdings Anfang 2012 mit der Cloppenburg SE handelseinig. Die Kunden erhielten die Übernahmeinformation per Post und auch in der Werbung deklarierte sich Cloppenburg schon als neuer Eigner zum 1. April 2012. Doch Cloppenburg trat schlussendlich vom Kauf zurück und Reichert musste für die Betriebe in Essingen und Heidenheim Insolvenz beantragen.

Am Scheitern der Übernahme soll die BMW Group ihren Anteil gehabt haben. Ulf Cloppenburg, Vorstandsvorsitzende der Cloppenburg SE, sagte auf Nachfrage: „Ich kann nicht erkennen, wieso es nicht eine zentrale Rolle eines Automobilherstellers ist, die Netzentwicklung des Vertriebs zu gestalten. Wir sind generell nur interessiert, ein Autohaus zu übernehmen, wenn wir dort gewünscht sind, eine Premiummarke zu übernehmen.“

Kaufpreis stand zur Debatte

Blieb für Reichert noch die Neusitzer Immobilie. Hierfür warf der Münchner Hersteller noch das Autohaus Grimm aus Schopfloch und das Autohaus Fritz & Sickau aus Ellwangen als Übernahmekandidaten ins Rennen. Die Rhein-Gruppe gehörte somit für BMW nach wie vor nicht zu den gewünschten Übernahmekandidaten. Obwohl Ralf Rhein, Geschäftsführer der Rhein-Gruppe, immer noch Interesse bekundete.

„Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, haben wir nach wie vor Interesse an dem Standort in Neusitz. Aktuell ist der Kaufpreis aber noch zu hoch. Im Verbund mit den beiden anderen Filialen wäre es denkbar gewesen, jetzt ist die Situation anders“, hatte Rhein in der damaligen Phase der Gespräche gesagt. Das wäre ein Grund dafür gewesen, dass der Kurs des Standorts innerhalb von 18 Monaten von 2,3 Millionen auf 1,3 Millionen Euro gesunken sei. Ein weiterer Grund dafür sei offenbar der Ausstellungsraum gewesen, der nicht mehr den zukünftigen Standards des Herstellers entsprechen werde – Investitionen seien also notwendig.

Der Hersteller kommt mit an Bord

Daher war in die dann doch noch stattfindenden Verkaufsgespräche neben Rhein und Reichert auch die BMW Group eingebunden. Diese signalisierte trotz der Wirrungen um die Übernahmekandidaten schon zu Jahresbeginn Bereitschaft, eine Lösung zu finden: „Es wird derzeit auch mit unserer Unterstützung an einer für alle Seiten zufriedenstellenden Lösung gearbeitet. Wir sind uns der Verantwortung für unsere Handelspartner bewusst“, hieß es damals seitens des Herstellers, der schlussendlich einen Differenzbetrag des Kaufpreises zum ursprünglichen Verhandlungswert übernommen haben soll.

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