Trends auf dem Motorradmarkt Rückkehrer, Racer, Revoluzzer

Von sp-x 4 min Lesedauer

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Auf der Motorradmesse Eicma 2025 zeigten Klassiker ihr Comeback, China-Marken ihr Können und Stromer ihre neuen Stärken. Zwischen Retro-Glamour und Hightech-Feuerwerk formiert sich eine neue Zweiradordnung.

Honda hat auf der Eicma mit der WN7 sein erstes E-Motorrad vorgestellt.(Bild:  EICMA)
Honda hat auf der Eicma mit der WN7 sein erstes E-Motorrad vorgestellt.
(Bild: EICMA)

Die Zweiradmesse Eicma wurde Anfang November 2025 wieder zum Fest der Motorradwelt. Sechs Tage lang drängten sich mehr als 600.000 Besucher durch die Hallen von Rho-Fiera bei Mailand, wo über 730 Aussteller aus 50 Ländern ihre Neuheiten präsentierten. Gegenüber dem Corona-Jahr 2021 hat sich damit die Zahl der Aussteller mehr als verdoppelt. Nahezu alle wichtigen Hersteller, längst nicht mehr nur aus Japan und Europa, hatten Roller, Motorräder und allerlei skurrile Zweiräder im Gepäck. Hier fünf Trends von der weltgrößten Motorradmesse.

Marken-Comebacks

Die Eicma war Bühne einiger bemerkenswerter Rückkehrer. Für das wohl größte Aufsehen sorgte Norton. Die britische Traditionsmarke gehört inzwischen zum finanzstarken indischen TVS-Konzern, der kräftig in ein neues, modernes Modellportfolio investiert hat. Spektakulärster Neuzugang ist das über 147 kW/200 PS starke Superbike Manx R, das mit feinem Fahrwerk und modernen Regelsystemen vielleicht schon beim TT-Festival 2026 über die engen Straßen der Isle of Man jagen wird. Technisch eng verwandt sind die Hyper-Naked Manx sowie die Reiseenduros Atlas und Atlas GT, die ebenfalls in Mailand Premiere feierten.

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Auch MV Agusta meldet sich eindrucksvoll zurück. Nach dem Eigner-Hickhack infolge der KTM-Turbulenzen setzt die Marke mit einer Neuauflage ihrer Naked-Ikone Brutale ein starkes Ausrufezeichen. Das Signal ist eindeutig: Es soll wieder um Eigenständigkeit und italienische Formschönheit gehen. Selbst fast vergessene Namen der Motorradgeschichte feierten auf der Messe ihre Auferstehung. Phelon & Moore, 1900 in England gegründet, kehrt als edler Boutique-Hersteller zurück, mit der von Pininfarina mitgestalteten Reiseenduro Capetown 7X, streng limitiert auf 595 Exemplare. Auch Moto Parilla und Morbidelli planen mit chinesischem Rückhalt (Longjia und Keeway) ihre Rückkehr, samt einer Palette bezahlbarer Motorräder mit italienisch anmutendem Design.

Starke Chinesen

Wie schon in den vergangenen Jahren zeigten sich die Hersteller aus China besonders offensiv – wenn auch oft „versteckt“ hinter europäischen Traditionsmarken. Längst sind die Zeiten unansehnlicher Wegwerf-Kräder vorbei. Marken wie Benelli, F.B. Mondial, Kove oder Benda bringen Stil, Technik und attraktive Preise in Einklang und dringen in immer neue Segmente vor. Benelli präsentierte mit der TRK 602 X den Nachfolger des italienischen Bestseller-Reisebikes TRK 502, jetzt stärker, vernetzter und elektronisch aufgerüstet. Darüber rangiert künftig die große TRK 902 Stradale/Explorer, mit der Benelli wieder in die Hubraumliga jenseits der 900 Kubikzentimeter vordringt.

Ebenfalls in neue Hubraumregionen wagt sich F.B. Mondial mit dem Bobber Spartan 600 vor, während Kove und Voge mit sportlichen Mittelklasse-Racern wie RR 500 S, RR 660 S oder 350 RR Jerez auf jüngere Zielgruppen zielen. Technisch ambitioniert zeigt sich Benda: Das Konzeptbike P51 kombiniert einen 250er-Boxermotor nach BMW-Vorbild mit E-Antrieb. 45 kW/62 PS Systemleistung und ein 0-auf-100-Sprint unter vier Sekunden sprechen für sich. Ganz neu auf der Bühne ist ZX Moto, ein weiterer chinesischer Newcomer mit kompletter Modellfamilie vom Crosser bis zum Sportbike. Flaggschiff ist die 820 RR mit 99 kW/135 PS starkem Dreizylinder, daneben steht die aufgeladene 820 RR-R mit 107 kW/145 PS.

Elektro

Die klassischen Motorradmarken fremdeln weiter mit Elektromobilität. Umso überraschender ist die Honda WN7, ein progressiv gestyltes E-Motorrad mit 130 Kilometern Reichweite für 15.400 Euro. Niu erneuerte seine Offroad-Familie XQi. Die nur 92 Kilogramm leichte XQi 500 Street leistet jetzt bis zu 29 kW/39 PS und fährt 110 km/h schnell. Der Roller NQiX 1000 bringt es sogar auf 125 km/h und 15 kW/21 PS. Auch andere E-Pioniere zeigten Flagge: Yadea mit der Großrad-Reihe Velax, Zero Motorcycles mit dem ersten eigenen Scooter LS1, Nerva mit Aura und Spark sowie Lambretta mit der charmant retrofuturistischen Elettra S.

Selbst Harley-Davidsons Elektromarke Livewire mischte mit und zeigte zusammen mit Kymco den sportlichen S2 Maxi Scooter. Aus Finnland kam Verge mit einem Technik-Update für die TS Pro, Royal Enfield überraschte mit der E-Enduro FF S6, und Grit Motorcycles, ein deutsch-italienisches Start-up, kündigte seine Modelle G1S Street und G1X Scrambler für 2027 an. Auch der kanadische BRP-Konzern schickt mit dem Can-Am Outlander ein kraftvolles E-Quad ins Rennen.

Reiseenduros und Adventures

Das Segment der Adventure-Bikes bleibt das Zugpferd der Branche. Kaum ein Hersteller kam ohne Neuheit in dieser Kategorie. Die wiederbelebte Marke BSA zeigte mit der Thunderbolt ihre erste kleine Enduro mit 21 kW/29 PS, die Mitte 2026 starten soll. Moto Morini bringt die Kanguro 300 zurück.

CF-Moto setzt mit der 1000MT-X (83 kW/113 PS) auf Leistung und Komfort. Kove positioniert die 800X GT als technisch anspruchsvolle Mittelklasse-Tourerin. Ducati und MV Agusta überarbeiten ihre großen Reisebikes Desert X und Veloce, BMW schließt die Lücke nach unten mit der F 450 GS – kleiner Schnabel, kleiner Preis.

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Gut und günstig

Gerade diese kleine GS steht exemplarisch für den Trend zu bezahlbaren Mittelklasse-Bikes etablierter Marken. Mit rund 7.000 Euro Einstiegspreis ist sie ebenso alltagstauglich wie die neuen Preis-Perlen von Suzuki, Triumph oder Kawasaki.

Suzuki bringt den Crossover-Tourer SV-7GX, der den legendären 90-Grad-V2-Motor der SV 650 in ein modernes Allround-Konzept überführt. Triumph schiebt mit der Trident 800 (85 kW/115 PS) ein sportliches Naked Bike zu Preisen knapp über 10.000 Euro nach. Kawasaki belebt die KLE 500 neu, deutlich moderner als in den 1990er-Jahren und mit echter Adventure-Anmutung. Marktstart ist März 2026, der Preis liegt bei rund 7.400 Euro. Etwas teurer, aber ebenfalls ikonisch: Ducatis Neuauflage der Monster 900 mit 82 kW/111 PS, aktueller Elektronik und viel Retro-Charme ab etwa 13.000 Euro.

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