Rumänien: Autoteilehersteller spüren die Krise
Die weltweite Krise der Automobilindustrie wirft erste Schatten auf die rumänische Zulieferbranche. Mehrere Autoteilehersteller haben Kurzzeitarbeit oder vorgezogene Weihnachtsferien angekündigt. Andererseits setzen viele Teileproduzenten auf langfristige Strategien in Rumänien.
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Die Krise der Automobilindustrie fängt an, erste Schatten auch auf die Autoteile-Zulieferindustrie in Rumänien zu werfen, berichtet die Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai). Noch haben die betroffenen Firmen keine Entlassungen vorgenommen, sondern auf Kompromisslösungen zurückgegriffen, wie etwa Kurzzeitarbeit, oder aber die Belegschaften wurde in Zwangsurlaub geschickt. Die Firmen selbst sprechen nicht gern oder überhaupt nicht über diese Situation, Informationen stammen überwiegend von den Gewerkschaften.
Vorerst Kompromisslösung
Das Unternehmen Takata Petri im westrumänischen Arad (Lenkräder und Sicherheitsgurte, 3.600 Beschäftigte), das hauptsächlich die westeuropäische Autoindustrie beliefert, verkürzte nach Angaben von Gewerkschaftsführer Lucian Lengyel vorerst die Arbeitszeit. Die Werksleitung habe aber auch die Entlassung von zunächst 500 Mitarbeitern angesprochen. Nach Verhandlungen einigten sich Geschäftsleitung und Gewerkschaft auf eine Kompromisslösung. Sollte es keine oder wenig Aufträge geben, gehen die Beschäftigten in eine so genannte „technische Arbeitslosigkeit“ mit Weiterbezahlung von 75% des Lohnes.
Entlassungen drohen
Leoni Wiring Systems in Arad (Kabelstränge, Bordnetzsysteme, 2.700 Beschäftigte) soll sich inoffiziellen, von den rumänischen Medien zitierten Quellen zufolge auf Entlassungen vorbereiten. Ähnlich stellt sich dem Vernehmen nach die Situation bei Delphi Packard im westrumänischen Ineu dar (ebenfalls Kabelhersteller).
In Mittelrumänien haben die Ausläufer der Krise Star Transmission in Cugir (Kreis Alba) erreicht (Mehrheitsaktionär Daimler AG). Dort arbeiten die 450 Mitarbeiter nur noch vier Tage in der Woche und gehen ab dem 7. Dezember für drei Wochen in vorgezogene Weihnachtsferien. Laut Daimler hätten diese Maßnahmen nichts mit der Automobilkrise zu tun, sondern seien nur eine Angleichung an das Arbeitsprogramm in anderen Daimler-Fabriken weltweit.
In Caransebes in Südwestrumänien fuhr der Kabelhersteller Alcoa Fujikura (2.500 Mitarbeiter) seine Produktion bereits herunter. Es wird von bevorstehenden Entlassungen gesprochen, sollten die Mitarbeiter keinen unbezahlten Urlaub akzeptieren.
Beobachter sind der Ansicht, dies sei nur die Spitze des Eisbergs. Die Zulieferbranche ist auf Just-in-Time Lieferungen an die Abnehmer-Autowerke eingestellt. Stehen diese still, kann nicht auf Lager produziert werden und es kommt zu Produktionstopps.
Auszeit für Dacia-Produktion
Nicht nur Kunden im Ausland sind für die Probleme in der Zulieferindustrie verantwortlich. Auch die rumänische Renault-Tochter Automobile Dacia im südrumänischen Pitesti setzt die Produktion für vier Tage aus. Damit kommt das rumänische Werk, in dem der Dacia Logan hergestellt wird, besser davon als andere Renault-Werke, die mindestens zwei Wochen die Tore schließen.
Auch bleibt der Standort Rumänien weiter im Fokus der Auto- und Autoteile-Industrie. Ford hat in diesem Jahr ein Autowerk im südrumänischen Craiova übernommen und hält an seiner Absicht fest, dort unter anderem ein neues Kleinwagenmodell (Arbeitsname B-Max) ab 2010 bauen zu wollen.
Auch die meisten Unternehmen der Zulieferbranche in Rumänien verfolgen langfristige Strategien. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass parallel zu den Produktionsstopps in manchen Werken neue Investitionen angekündigt werden.
Milliardeninvestitionen geplant
So will zum Beispiel der deutsche Automobilzulieferer Honsel im südrumänischen Slatina mehr als 100 Millionen Euro in einen Fertigungsstandort für Aluminiumgussteile investieren. Und der italienische Reifenhersteller Pirelli bestätigte im Oktober Investitionen über 250 Millionen Euro in den Ausbau seiner Reifenfabrik in demselben Slatina sowie in den Bau eines Werks zur Produktion von Metallbändern für Stahlgurtreifen.
Die Rumänische Agentur für Ausländische Investitionen (ARIS) teilte Ende Oktober mit, dass derzeit rund 40 Investitionsprojekte im Bereich Kfz- und Kfz-Teile laufen würden. Der Gesamtwert dieser Projekte betrage rund zwei Milliarden Euro.
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