Kriegswirtschaft Russischer Neuwagenmarkt stabilisiert sich auf niedrigem Niveau

Von Andreas Grimm 2 min Lesedauer

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Der russische Automarkt ist zu einer Spielwiese chinesischer Hersteller geworden – neben Marktführer Lada natürlich. Andere Hersteller spielen keine Rolle mehr. Doch das dürften die Konzerne verschmerzen, denn die Verkaufszahlen bleiben niedrig.

Der russische Automarkt ist weiterhin schwach. Je nach Zählart sind die Neuzulassungen im ersten Halbjahr nochmals leicht gesunken – oder leicht gestiegen.(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
Der russische Automarkt ist weiterhin schwach. Je nach Zählart sind die Neuzulassungen im ersten Halbjahr nochmals leicht gesunken – oder leicht gestiegen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Der russische Neuwagenmarkt hat sich nach dem tiefen Fall nach Beginn des Angriffkrieges gegen die Ukraine auf niedrigem Niveau stabilisiert. Wie der Verband der Unternehmen in Russland (AEB) mitteilte, wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres – gemäß der bisherigen Zählung des Verbands – 358.921 Neuwagen zugelassen. Das wären nochmals 3,1 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2022. Damals waren allerdings die ersten Wochen vor Kriegsbeginn noch normal verlaufen und heben somit den Schnitt an.

Nach einer neuen, offiziellen Zählung, die scheinbar mehr auf den Auslieferungen an Kunden basiert, wurden im ersten Halbjahr 428.308 Neufahrzeuge an die Käufer übergeben. Demnach klettert der Neuwagenmarkt um knapp 10 Prozent. (Anm. d. Red.: Da für die neue Zählung bislang keine weiter zurückliegenden Vergleichsdaten vorliegen, bleibt diese Darstellung zunächst bei der bisherigen AEB-Zählung).

Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2019, also noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie, waren in Russland knapp 830.000 Neuwagen zugelassen worden. Im ersten Halbjahr 2014 umfasste der Neuwagenmarkt sogar 1,23 Millionen Einheiten. Das war noch vor der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim und den damals nur schwachen wirtschaftlichen Sanktionen.

Auch Lada mit kleineren Stückzahlen

Schaut man sich die Entwicklungen genauer an, wird klar, wie sehr sich die Gewichte zwischen den Herstellern verschoben haben. Die einzige Konstante ist die russische Automarke schlechthin: Lada. Das Fabrikat ist und bleibt Marktführer. 2014 lag der Marktanteil noch bei etwa 16 Prozent, inzwischen sind es 33,5 Prozent. Die absoluten Stückzahlen sind dennoch gesunken: von 193.000 Einheiten im ersten Halbjahr 2014 auf 143.000 Einheiten in den ersten sechs Monaten 2023.

Die westlichen Hersteller wie VW, Skoda, Renault, BMW, Toyota, Hyundai oder Kia sind dagegen marginalisiert. Auf die gesamte Volkswagengruppe entfielen noch 2.600 Neuzulassungen im ersten Halbjahr (-92 %), Toyota kommt auf 326 Neuzulassungen (-98 %), um nur zwei Beispiele zu nennen. Größte Marke der „westlichen“ Welt ist Kia mit 7.000 Neuzulassungen und einem Marktanteil von 1,6 Prozent.

Chinesische Hersteller auf dem Vormarsch

Die Marktanteile und Stückzahlen, die durch den Rückzug vieler Importmarken vom russischen Markt frei geworden sind, sicherten sich chinesische Hersteller. So ist inzwischen die Chery Group der zweitwichtigste Hersteller – mit einem Marktanteil von 18 Prozent bei 77.000 Neuzulassungen. Die Gruppe vertreibt in Russland die Marken Chery, Exeed und Omoda. Dahinter folgen Great Wall mit 45.000 Neuzulassungen (10,5 % Marktanteil) sowie Geely (26.000 Einheiten, 6 % Marktanteil).

Erst danach kommen weitere russische Hersteller. GAZ, ein Hersteller leichter Nutzfahrzeuge, schafft immerhin 22.000 Neuzulassungen (Marktanteil 5,2 %). Vor der Krim-Annexion waren es allerdings schon mal 32.000 Einheiten. Drittgrößtes russisches Fabrikat ist UAZ mit 13.500 Neuzulassungen im ersten Halbjahr.

Für den weiteren Jahresverlauf geht Alexey Kalitsev, der neue Vorsitzende der Gruppe der Automobilhersteller im AEB, von einer weiteren Erholung des Neuwagenmarktes aus. Die Zahl der gesamten Auslieferungen, also auf Basis der neuen staatlichen Daten, könne eine Million Pkw und leichte Nutzfahrzeuge bis zum Jahresende erreichen. Auch hier ein Vergleich: Im Jahr 2014 waren es – auf Basis der bisherigen AEB-Zahlen – knapp 2,5 Millionen Einheiten. Im Jahr 2008 wurden in Russland sogar fast drei Millionen Neuwagen zugelassen.

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