Russmeyer-Rettung ist fehlgeschlagen
Trotz anfänglicher Hoffnung kam der Insolvenzantrag des VW-Partners zu spät. Die finanzielle Lage von Russmeyer sei schlecht, heißt es vom Insolvenzverwalter. Nun sind alle Standorte geschlossen.
Das Autohaus Russmeyer in Trittau bei Hamburg ist wohl nicht mehr zu retten. Wie die Online-Ausgabe des „Hamburger Abendblatt“ schreibt, muss der VW-Partner seinen Stammsitz ebenso schließen wie die Filialen in Bargteheide und Schwarzenbek. 80 Mitarbeiter verlieren durch die Insolvenz ihren Arbeitsplatz, die meisten bereits mit Wirkung zum 1. Dezember.
Eigentlich sollte zu diesem Termin das Insolvenzverfahren eröffnet werden, das die Geschäftsführung Anfang Oktober beantragt hatte. Zunächst war Insolvenzverwalter Steffen Koch von der Hamburger Kanzlei Wienberg Wilhelm guter Dinge gewesen, die drei Häuser des Volkswagen-Partners wieder in ruhigeres Fahrwasser zu steuern, wie die Zeitung bereits vor längerem berichtet hatte. Damals hatte Koch noch erklärt, es gebe Interessenten für das Unternehmen, auch wenn sich schon damals abzeichnete, dass es nicht für alle drei Standorte eine Lösung geben könne.
VW kündigt die Verträge
Allerdings hatte Volkswagen sofort nach der Stellung des Insolvenzantrags alle Verträge gekündigt. Die Verkäufer mussten sich darauf konzentrieren, die Vorführ-, Jahres- und Gebrauchtwagen zu verwerten. Als Ursache für die Schieflage hatte der Insolvenzverwalter zunächst allgemein Umsatzrückgänge angegeben. Aus Kreisen der Belegschaft hatte das „Abendblatt“ allerdings auch vernommen, dass eine fehlende Nachfolgeregelung und damit einhergehend fehlende Investitionen mit zur Insolvenz geführt haben könnten.
In den vergangenen Wochen hatte sich dann herausgestellt, wie schlecht das Unternehmen finanziell dasteht. Die Eigentümer des Autohauses, die Brüder Heiner und Wolf Russmeyer, versuchen seit längerem ein größeres Gewerbegrundstück zu verkaufen, das mit bis zu einer Million Euro bewertet wird. Zwar ist ein Käufer gefunden, allerdings wegen fehlenden Baurechts noch kein Geld geflossen. An der Situation des Autohauses würde dies allerdings auch nicht viel ändern, weiß Insolvenzverwalter Koch inzwischen. „Dafür ist die finanzielle Lage der Firma zu schlecht“, sagte er der Zeitung. Ein Großteil des Vermögens werde direkt als Grundpfand an die Gläubiger gehen.
Seit dem Insolvenzantrag und der Vertragskündigung von Volkswagen war in den Häusern überwiegend nur noch im Service Kundenbetrieb. Das seit 60 Jahren bestehende Autohaus Russmeyer war formal nur noch eine freie Werkstatt, musste selbst langjährige Kunden wegen Garantieleistungen an andere VW-Partner verweisen. Das habe eine Übernahme durch Investoren nicht gerade erleichtert, bilanzierte Koch gegenüber dem „Abendblatt“.
Inzwischen ist auch die Webseite www.russmeyer.de nicht mehr erreichbar. Einige wenige Mitarbeiter werden die Abwicklung noch begleiten. Wenn zum Jahresende dann auch die angeschlossene Tankstelle schließt, werden auch die Letzten gehen.
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