CG Car-Garantie Versicherungs-AG Schadenkosten: Neuwagen-Motoren geben die Pole ab

Von Wolfgang Michel 6 min Lesedauer

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CEO Dr. Marcus Söldner spricht im Interview über die ersten Auswirkungen der E-Mobilität sowie die insgesamt weiter steigenden Schadenkosten. Beim Freiburger Garantieversicherer gab es im Jahr 2025 einen neuen Kostenverursacher Nummer 1 im Bereich der Neuwagen.

Dr. Marcus Söldner, CEO Car-Garantie: „Unser Fokus liegt auf dem weiteren Ausbau von Direktmarketing-Lösungen und Garantieverlängerungen sowie der gezielten Weiterentwicklung unserer E‑Mobilitätsprodukte – 2026 erstmals inklusive Hochvolt‑Batterieabsicherung.“ (Bild:  CG Car-Garantie)
Dr. Marcus Söldner, CEO Car-Garantie: „Unser Fokus liegt auf dem weiteren Ausbau von Direktmarketing-Lösungen und Garantieverlängerungen sowie der gezielten Weiterentwicklung unserer E‑Mobilitätsprodukte – 2026 erstmals inklusive Hochvolt‑Batterieabsicherung.“
(Bild: CG Car-Garantie)

Im vergangenen Jahr entfielen 19,1 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen – oder gut 545.000 Einheiten – auf BEVs. Verspürt die CG Car-Garantie Versicherungs-AG diese Größenordnung bereits?

Dr. Marcus Söldner: Ja, diese Entwicklung ist für uns klar spürbar. Der steigende Anteil von batterieelektrischen Fahrzeugen schlägt sich sowohl im Neuwagen‑ als auch zunehmend im Gebrauchtwagengeschäft nieder. Entsprechend wächst auch die Nachfrage nach spezifischen Absicherungslösungen. Händler und Endkunden beschäftigen sich intensiver mit der Frage, wie sich neue Antriebstechnologien wirtschaftlich absichern lassen. Genau hier kommen wir ins Spiel.

Seit 2020 hat Car-Garantie mit Electric Drive ein spezielles Angebot für E-Autos im Portfolio? Wie hat sich das Angebot in den vergangenen fünf Jahren entwickelt?

Electric Drive hat sich sehr positiv entwickelt. Anfangs ging es vorwiegend darum, Vertrauen in eine noch junge Technologie zu schaffen. Heute ist das Produkt fest im Markt etabliert und wird von vielen Partnern aktiv eingesetzt. Parallel zur technologischen Weiterentwicklung der Fahrzeuge haben wir das Produkt kontinuierlich angepasst und erweitert, sowohl inhaltlich als auch prozessual. Das zeigt, dass unser früher Einstieg in dieses Segment richtig war.

Dr. Marcus Söldner (53)
  • seit Januar 2019: Vorstandvorsitzender der CG Car-Garantie Versicherungs-AG
  • August 2016: Vorstand Vertrieb der CG Car-Garantie Versicherungs-AG
  • 2012 bis 2016: Geschäftsführer von Nissan Global Reinsurance Ltd.
  • 1998 bis 2012: Verschiedene Managementpositionen bei der BMW Group und der Allianz

Die staatliche Kaufprämie wird den E-Auto-Absatz 2026 hierzulande weiter ankurbeln. Welche Auswirkungen hat ein weiter steigender Anteil von E-Autos im Bestand auf Ihr Unternehmen?

Ein wachsender E-Fahrzeugbestand erhöht den Bedarf an spezialisierten Garantiekonzepten. Insbesondere bei gebrauchten Elektrofahrzeugen spielen Themen wie Batteriezustand, Reparaturkosten und Restwertrisiken eine zentrale Rolle. Für uns bedeutet das, dass wir unser Know-how weiter vertiefen und unsere Produkte gezielt auf diese Anforderungen ausrichten. Gleichzeitig sehen wir darin eine große Chance, den Handel bei der Professionalisierung dieses Segments zu unterstützen.

Antriebsart übergreifend verbuchte das KBA im vergangenen Jahr 73.400 Neuzulassungen chinesischer Marken. Damit erreichten sie einen Marktanteil von 2,6 Prozent. 2024 lag dieser mit 40.400 neu registrierten Fahrzeugen noch bei 1,4 Prozent. Welche Rolle spielen chinesische Fabrikate heute und in Zukunft für die Car-Garantie?

Chinesische Hersteller gewinnen sichtbar an Bedeutung, vornehmlich im Bereich der Elektromobilität. Für Car-Garantie ist dabei weniger die Herkunft einer Marke entscheidend als deren Marktdurchdringung und technisches Profil. Sobald Fahrzeuge relevant im deutschen und europäischen Markt ankommen, beschäftigen wir uns intensiv, sie abzusichern. Dieser Prozess wird sich künftig weiter beschleunigen.

Zum Jahresschluss summierte sich die Zahl der Besitzumschreibungen auf 6,51 Millionen. Wie der Neuwagenmarkt hat auch das Gebrauchtwagengeschäft bei Weitem nicht mehr den Umfang der Vor-Corona-Zeit. Gibt es vor diesem Hintergrund für einen Garantieversicherer noch Wachstumschancen?

Ja, definitiv. Wachstum entsteht heute weniger über reine Stückzahlen, sondern über Qualität, Durchdringung und Professionalisierung. Die steigenden Reparaturkosten, die zunehmende Fahrzeugkomplexität und der Wunsch nach Planungssicherheit sorgen dafür, dass Garantien an Bedeutung gewinnen. Zudem wächst der Markt für Garantieverlängerungen über die Haltedauer eines Fahrzeugs hinweg. Das ist ein Feld mit erheblichem Potenzial.

Welche neuen Entwicklungen oder Veränderungen gab es im vergangenen Jahr aus Ihrem Haus für den Automobilhandel?

Wir haben unser Direktmarketing-Programm weiterentwickelt, digitale Prozesse optimiert und unsere Trainingsangebote gezielt ausgebaut. Ziel war es, den Handel noch stärker im Tagesgeschäft zu entlasten und ihm Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen Garantien professionell und wirtschaftlich eingesetzt werden können. Gleichzeitig haben wir unsere Produkte kontinuierlich an die Marktanforderungen angepasst.

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Wie viele Autohäuser zählt Ihre digitale Kunden-Datei derzeit?

Europaweit arbeiten wir mit rund 23.000 spezialisierten Fachhändlern und mehr als 40 Herstellern und Importeuren zusammen.

Kamen im vergangenen Jahr neue Kooperationen mit Autoherstellern in Deutschland und Europa hinzu oder stehen 2026 weitere an?

Wir führen kontinuierlich Gespräche mit Herstellern und Importeuren in Deutschland und Europa. Kooperationen entwickeln sich oft schrittweise und langfristig. 2025 konnten wir bestehende Partnerschaften weiter vertiefen, und auch für 2026 sehen wir gute Chancen für zusätzliche Kooperationen.

Nach dem bereits sehr hohen Niveau der Vorjahre sind die Schadenkosten 2025 erneut gestiegen. Wir bewegen uns mittlerweile bei durchschnittlichen Reparaturkosten von über 760 Euro pro Schadenfall.

Marcus Söldner, CEO der CG Car-Garantie Versicherungs-AG

Wechseln wir das Thema: Wie haben sich die Schadenkosten im Vergleich zum Vorjahr entwickelt? Ging es nach dem Rekordwert im Jahr 2024 im Jahr 2025 noch weiter nach oben?

Nach dem bereits sehr hohen Niveau der Vorjahre sind die Schadenkosten 2025 erneut gestiegen. Wir bewegen uns mittlerweile bei durchschnittlichen Reparaturkosten von über 760 Euro pro Schadenfall. Das unterstreicht, wie dynamisch sich dieses Thema entwickelt und wie wichtig eine vorausschauende Kalkulation ist.

Welche Baugruppen führen die Schadenliste aktuell an?

Bei Gebrauchtwagen ist der Motor weiterhin das teuerste Bauteil. Bei Neuwagen gab es 2025 erstmals die Situation, dass die elektrische Anlage die höchsten durchschnittlichen Schadenkosten verursacht hat. Das zeigt sehr deutlich, wie stark die zunehmende Komplexität der Fahrzeuge die Kostenstruktur beeinflusst.

Spielt die Elektromobilität im Hinblick auf die Schadenkosten mittlerweile eine messbare Rolle?

Wir sehen bei elektrischen Komponenten höhere Kosten und komplexere Schadensbilder. Es zeichnen sich einige Trends ab, die von uns sehr genau analysiert werden und für die wir unsere Produkte optimieren.

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Gänzlich unabhängig von der Antriebsart kennen die Schadenkosten nur eine Richtung: Seit Jahren geht es nach oben. In der Folge schlägt sich das in den Versicherungsprämien für die Verbraucher nieder. Wie lange machen das die Autokäuferinnen und Autokäufer noch mit?

Die Zahlungsbereitschaft hängt stark vom wahrgenommenen Nutzen ab. Solange Garantien echten Mehrwert bieten, Transparenz schaffen und vor unkalkulierbaren Kosten schützen, werden sie akzeptiert. Wir sehen das beispielsweise bei Garantieverlängerungen: Hat ein Kunde erst einmal eine positive Erfahrung gemacht, etwa durch eine Abdeckung seiner Kosten, ist er auch zu Aufpreisen bereit. Unsere Aufgabe ist es, Preis-Leistungs-Verhältnisse fair zu gestalten und langfristige Stabilität zu bieten, für Handel und Endkunden gleichermaßen.

Welche Erwartungen haben Sie im Hinblick auf den Neuwagen- und Gebrauchtwagenverkauf im Jahr 2026?

Wir erwarten stabile bis leicht wachsende Märkte. Der Gebrauchtwagenmarkt bleibt dynamisch, insbesondere im Bereich der E-Fahrzeuge. Gleichzeitig steigen die Ansprüche der Kundschaft an Qualität, Transparenz und Absicherung. In diesem Umfeld sind professionelle Garantiekonzepte besonders gefragt.

Wie lautet Ihre persönliche und die unternehmerische Bilanz beim Rückblick auf das vergangene Jahr?

2025 war wirtschaftlich wie strategisch ein erfolgreiches Jahr. Wir haben unsere Marktposition gefestigt, wichtige Zukunftsthemen vorangetrieben und unsere Organisation weiterentwickelt. Persönlich freue ich mich besonders über die hohe Akzeptanz unserer Lösungen im Handel.

Was heißt das in Zahlen ausgedrückt?

Wir konnten ein stabiles Wachstum bei Händlerpartnern und Verträgen erzielen und ein Prämienvolumen von über 350 Millionen Euro erreichen. Das ist ein sehr solides Fundament für die kommenden Jahre.

Und wie lauten Ihre unternehmerischen Ziele für 2026?

Unser Fokus liegt auf dem weiteren Ausbau von Direktmarketing-Lösungen und Garantieverlängerungen sowie der gezielten Weiterentwicklung unserer E‑Mobilitätsprodukte – 2026 erstmals inklusive Hochvolt‑Batterieabsicherung. Gleichzeitig wollen wir unsere Rolle als verlässlicher Partner des Handels weiter stärken.

Schlussfrage: Anfang Mai ist die Bundesregierung ein Jahr im Amt. Wie bewerten Sie die bisherige Arbeit, was wünschen Sie sich für das zweite Regierungsjahr?

Grundsätzlich wünschen wir uns in erster Linie stabile, verlässliche Rahmenbedingungen, Planungssicherheit für Verbraucher und Unternehmen sowie technologieoffene Entscheidungen. Das schafft Vertrauen und ist eine wichtige Voraussetzung für Investitionen und nachhaltiges Wachstum im Automobilmarkt.

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