Übernahmeangebot Schaeffler will durch Vitesco-Kauf einen E-Mobilitätszulieferer formen

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Mit den steigenden E-Auto-Zahlen gewinnt die Elektromobilität auch bei den Zulieferern an Bedeutung. Nun bahnt sich ein bedeutsamer Zusammenschluss an. Schaeffler-Vorstandschef Klaus Rosenfeld spricht von einer Zäsur.

Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld will mit Vitesco zusammen einen E-Mobilitätszulieferer formen.(Bild:  Schaeffler)
Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld will mit Vitesco zusammen einen E-Mobilitätszulieferer formen.
(Bild: Schaeffler)

Zäsur beim fränkischen Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler: Der Familienkonzern will sich den Regensburger Antriebsspezialisten Vitesco einverleiben und ein großes Zulieferimperium mit Elektromobilität als einem der Schwerpunkte bilden. „Es wird ein Unternehmen entstehen, das 25 Milliarden Euro Umsatz macht, 120.000 Mitarbeiter und 100 Werke hat“, sagte Schaeffler-Vorstandschef und Vitesco-Aufsichtsrat Klaus Rosenfeld am Montag der Deutschen Presse-Agentur. „Bei Schaeffler gab es immer wieder Zäsuren, die Übernahme von FAG, Conti, der Börsengang – in diese Reihe ist diese Transaktion einzureihen.“

Schaeffler bietet den Vitesco-Aktionären 91 Euro je Papier in bar, um die Firmen letztlich zu fusionieren, wie die Herzogenauracher am Montag mitteilten. Die Schaeffler-Familie hält bereits knapp 50 Prozent an Vitesco. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über entsprechende Pläne der Schaefflers berichtet – spekuliert worden war darüber schon länger. Der Kurs der Vitesco-Aktie zog vorbörslich stark an. Rosenfeld machte bei Bloomberg deutlich, dass das Unterfangen rund 1,8 Milliarden Euro an Finanzierung benötige.

Insbesondere im Bereich der E-Mobilität verfügten Schaeffler und Vitesco über ein zusammenpassendes Technologieportfolio, hieß es. Auf diesem Gebiet will Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld die Wachstumschancen nutzen. Gemeinsam kommen die Unternehmen auf rund 25 Milliarden Euro Umsatz. Vitesco macht derzeit noch den Löwenanteil des Geschäfts mit Verbrennerkomponenten – hat jedoch zuletzt vor allem Aufträge für die Elektroantriebssparte eingesammelt. Schaeffler tut sich mit dem Umschwung hin zum Elektromotor noch schwer.

Der Zusammenschluss der Firmen soll jährlich vor Zinsen und Steuern Kosteneinsparungen von 600 Millionen Euro bringen. Diese sollen bis 2029 realisiert werden. Vitesco war erst 2021 von der ehemaligen Konzernmutter Continental abgespalten worden. An Conti besitzt die Schaeffler-Familie seit einem missglückten Übernahmeversuch in der Finanzkrise 2008 rund 46 Prozent.

Fusion als Ziel

Das Übernahmeangebot soll der erste Schritt auf dem Weg zu einer Fusion sein. Nach Durchführung des Erwerbsangebots plant Schaeffler, Vitesco rechtlich auf Schaeffler zu verschmelzen. Ein Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag ist demnach nicht geplant.

Schaeffler will zudem im Zusammenhang mit der angestrebten Fusion seine Vorzugsaktien im Verhältnis eins zu eins in Stammpapiere mit Stimmrecht umwandeln. Die Aktionäre müssen darüber noch entscheiden. Bisher hält die Familie die Stammpapiere des Wälzlagerherstellers komplett, von den stimmrechtslosen Vorzügen befinden sich drei Viertel im Streubesitz.

Auf der Handelsplattform Tradegate gewann das Papier knapp ein Fünftel und näherte sich damit dem voraussichtlichen Angebotspreis. Vor dem Wochenende hatte die Aktie bei 75,35 Euro geschlossen; der Angebotspreis wäre demnach ein Aufschlag von knapp 21 Prozent.

Der Kurs der seit Kurzem im MDax notierten Vitesco-Aktie hatte in diesem Jahr bis zuletzt bereits um knapp 40 Prozent zugelegt. Das Regensburger Unternehmen wurde damit mit etwas mehr als drei Milliarden Euro bewertet. Das Angebot von Schaeffler bewertet Vitesco nun mit rund 3,6 Milliarden Euro. Das im SDax gelistete Unternehmen Schaeffler hat sich nach eigenen Angaben ein umfangreiches Finanzierungspaket arrangiert, das eine Brückenfinanzierung für das Erwerbsangebot einschließt.

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