Der Fusionsprozess im Automobilhandel wird in diesen Monaten unübersehbar. Nun hat die Scherer-Gruppe einen nicht ganz kleinen Konkurrenten mit dreistelligem Millionenumsatz geschluckt.
Christian Scherer, geschäftsführender Gesellschafter der Scherer-Gruppe, hat sein Unternehmen um fünf Standorte erweitert.
(Bild: Scherer-Gruppe)
Die Scherer-Gruppe setzt ihren expansiven Kurs fort. Nach Abschluss des Fusionskontrollverfahrens beim Bundeskartellamt hat die in der VW-Konzernwelt beheimatete Autohandelsgruppe zum 1. Mai fünf Betriebe der Ernst-Autohandelsgruppe mit Sitz in Mannheim übernommen. Die Standorte werden damit „Teil eines immer dichter werdenden Netzwerks von Standorten im Rhein-Neckar-Raum, der ein wichtiger Markt für die Scherer-Gruppe ist“, heißt es in einer Scherer-Mitteilung vom Mittwoch, 10. Mai.
Die Ernst-Gruppe passt von den Marken und regional ins Portfolio von Scherer. Mit Vertriebsverträgen für die Fabrikate VW, VW Nutzfahrzeuge, Skoda und Seat sowie diversen Serviceverträgen dieser Marken ist das Unternehmen in Mannheim aktiv. Und war damit bereits von Scherer-Betrieben umkreist: Die Autohausgruppe aus Simmern im Hunsrück unterhält seit einigen Jahren Standorte in Ludwigshafen auf der Mannheim gegenüberliegenden Rheinseite sowie in Heidelberg und in Ladenburg, quasi einem Vorort von Heidelberg. Auch im weiteren Umfeld betreibt Scherer Standorte für die VW-Konzernmarken. In der Region hatte sich die Scherer-Gruppe im Jahr 2017 durch die Übernahme der in Schieflage geratenen Mühlenberg-Gruppe etabliert.
Mit der Übernahme der Ernst-Autohäuser dürfte es sich ähnlich verhalten. Im zuletzt veröffentlichten Geschäftsbericht der Ernst Autohandelsgruppe GmbH für das Jahr 2020 ist die Rede von höheren Fehlbeträgen. Bereits im Jahr 2019 – einem allgemein sehr starken Verkaufsjahr – war „ein sehr hoher Fehlbetrag“ aufgelaufen. Im eigentlichen Berichtsjahr 2020 stand „nach eingeleiteten und greifenden Restrukturierungsmaßnahmen“ ein Fehlbetrag von rund 300.000 Euro in den Büchern. Die Umsatzerlöse waren im Berichtsjahr um 16,2 Millionen Euro auf etwa 100 Millionen Euro zurückgegangen.
Die anhaltenden Corona- und Lieferkrisen in den Folgejahren haben die wirtschaftliche Situation der familiengeführten Ernst-Gruppe mutmaßlich nicht einfacher gemacht. Allerdings war das Unternehmen aufgrund einer erwarteten „verhalten positiven gesamtwirtschaftlichen Entwicklung für das Jahr 2021“ ambitioniert ins neue Jahr gegangen.
Die Ernst-Gruppe geht zurück auf Gustav Ernst, der das Unternehmen 1925 gründete. Über die Jahre entstand eine Autohausgruppe mit verschiedenen Standorten im Rhein-Neckar-Raum. Zuletzt sorgte die Konsolidierung bereits für die Aufgabe von Standorten. Mit der jetzt vollzogenen Übernahme kommen drei Standorte in Mannheim (VW und VW Nutzfahrzeuge, Skoda sowie Audi) zur Scherer-Gruppe sowie das VW-Autohaus in Hockenheim und ein Seat-/Cupra-Betrieb in Heidelberg. Den Angaben zufolge werden alle 220 Ernst-Mitarbeiter übernommen. Scherer plant zudem, die Zahl der Mitarbeiter an den neuen Standorten zu erhöhen.
Aus der Familie war zuletzt noch Stefan Ernst in der Geschäftsführung des Unternehmens aktiv. Er bleibt den Angaben zufolge weiterhin an den Autohäusern beteiligt. Der Einstieg von Scherer vollzieht sich zudem in Form eines so genannten Asset Deals. Das heißt, einzelne Wirtschaftsgüter des Unternehmens wie Anlagen, Maschinen und Vorräte werden übernommen, während Vermögensgegenstände der Gesellschafter, die vom Unternehmen genutzt werden, bei den Gesellschaftern verbleiben. Typischerweise sind das Immobilien.
Die jüngsten Übernahmen im Automobilhandel
In jüngster Vergangenheit hatten weitere größere Übernahmen für Schlagzeilen gesorgt. Erst am Montag hatte die Van Mossel Automotive Group die Übernahme des großen Ford-Händlers Hugo Pfohe aus Hamburg bekannt gegeben, der 300 Millionen Euro Umsatz im Jahr erreicht. Für Van Mossel ist es der erste Schritt auf den deutschen Markt, bislang war der Vielmarkenhändler vor allem in den Benelux-Staaten aktiv.
Und nur eine Woche liegt die Bekanntgabe der Übernahme der Automobile Darmas durch die Tiemeyer-Gruppe im Rheinland zurück. Der Kauf ist insofern bemerkenswert, als Darmas der größte Hyundai-Händler in Deutschland ist. Mit sieben Standorten und einigen weiteren Marken kam der Händler auf 11.000 Einheiten jährlich, die im Volkswagenkonzern verwurzelte Tiemeyer-Gruppe verkaufte zuletzt rund 32.000 Fahrzeuge und war zuletzt durch eher kleinere Zukäufe wie dem Autohändler Piepenstock gewachsen.
Die Scherer-Gruppe steht vor allem für die Marken des Volkswagen-Konzerns. Gehandelt werden Audi, VW, VW Nutzfahrzeuge, Porsche, Seat, Cupra, Skoda und MAN. Seit einigen Jahren ist das Unternehmen auch mit Maserati aktiv und ganz neu mit der Geländewagenmarke Ineos.
Stand: 08.12.2025
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Zur Gruppe gehören nun 37 Autohäuser an 23 Standorten in Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und im Saarland. Ergänzt wird das Angebot durch Tankstellen und eine Autovermietung. Das 1937 gegründete Familienunternehmen beschäftigt mehr als 2.400 Mitarbeitende, darunter über 430 Auszubildende.