Krise um den ZVK Schleswig-Holstein sieht seine Zukunft allein beim ZDK

Von Doris S. Pfaff 5 min Lesedauer

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Die Delegierten des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein sprachen sich ebenfalls dafür aus, den ZVK-Austritt zu prüfen. Der eingeschlagene Kurs des Bundesinnungsverbands sei für die Mitglieder nicht tragbar.

Der Landesverband Schleswig-Holstein stellt sich geschlossen hinter den Kurs des ZDK (v.l.): Tim Schneider (stv. Präsident), Nina Eskildsen (Präsidentin), Jan-Nikolas Sontag (Geschäftsführer) und Björn Bigga (Schatzmeister).(Bild:  Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein)
Der Landesverband Schleswig-Holstein stellt sich geschlossen hinter den Kurs des ZDK (v.l.): Tim Schneider (stv. Präsident), Nina Eskildsen (Präsidentin), Jan-Nikolas Sontag (Geschäftsführer) und Björn Bigga (Schatzmeister).
(Bild: Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein)

Diese Nachricht überrascht nun nicht: Auch das Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein möchte, wie inzwischen von Hessen, Baden-Württemberg, dem Saarland, Sachsen-Anhalt und Sachsen angekündigt, den ZVK verlassen. Gleichzeitig spricht der Landesverband Schleswig-Holstein dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe sein volles Vertrauen und seine Unterstützung aus.

Die Obermeister- und Delegiertenversammlung der beiden Kraftfahrzeugverbände in Schleswig-Holstein – des Landesinnungsverbandes des Kraftfahrzeughandwerks (ZVK) und des Kfz-Gewerbes (ZDK) – hatte sich am Donnerstag (27. November) in Kiel auf ihrer Herbst-Delegiertenversammlung intensiv mit der Situation der beiden Kfz-Bundesverbände ZDK und ZVK befasst.

Wie berichtet, ist die Unzufriedenheit über die ZVK-Entscheidung groß. Neun der 14 ZVK-Landesverbände haben deshalb eine Klage gegen den Vorstand eingereicht. Anlass war der beschlossene Haushaltsplan. Laut dem Vorstand des Kfz-Gewerbes Hessen entschied der ZVK gegen die Stimmen der neun Landesverbände, 95 Prozent der Mitgliedsbeiträge und die gesamten Einnahmen aus der AÜK zu beanspruchen. Bislang flossen alle Einnahmen in die gemeinsame Kasse der gemeinsamen Geschäftsstelle von ZVK und ZDK.

Chronologie des Konflikts

10. Oktober 2024: ZVK beschließt wegen AÜK Trennung der Geschäftsstelle

16. Oktober: ZDK-Vize Thomas Peckruhn übt scharfe Kritik am ZVK

21. Oktober: Appell des ZDK-Präsidenten und Ehrenpräsidenten zur Einheit

28. Oktober 2024: Helmut Peter fordert Rücktritt des Bundesinnungsmeisters

31. Oktober 2024: Kfz-Gewerbe NRW plant Austritt

4. November 2024: Michael Ziegler fordert Lösungen für Verbandsstreit

13. November 2024: NRW-Mitglieder erlauben unter Vorbehalt den ZDK-Austritt

15. November 2024: Interview mit Frank Mund: Darum müssen wir austreten

15. November 2024: Die AÜK ist nicht mehr in Gefahr

21. November 2024: Präsident Joswig ruft zum Dialog auf

28. November 2024: ZVK plant eigene Geschäftsstelle

29. November 2024: Landesverband Baden-Württemberg fordert Zusammenhalt

3. Dezember 2024: ZVK beruft gemeinsamen Hauptgeschäftsführer ab und kündigt gemeinsame Geschäftsstelle

1. Mai 2025 Hauptgeschäftsführer Kurt-Christian Scheel verlässt den ZDK

27. Mai 2025 ZDK-Präsident Arne Joswig tritt zurück

8. Juli 2025: Thomas Peckruhn ist neuer ZDK-Präsident

8. September 2025: Jürgen Gros als ZVK-Hauptgeschäftsführer nominiert

23. September 2025: Jürgen Hasler ist neuer ZDK-Hauptgeschäftsführer

14. Oktober 2025: Interview mit Bayerns Präsident Günter Friedl: Uns geht es um die Sache

20. Oktober 2025: Bayern verlässt den ZDK

24. Oktober 2025: Kfz-Gewerbe Hessen prüft Austritt aus dem ZVK

28. Oktober 2025: Rheinland-Pfalz beschließt ZDK-Austritt

13. November 2025: Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg prüft ZVK-Austritt

17. November 2025: Kfz-Gewerbe Sachsen prüft ZVK-Austritt

21. November 2025: Auch Saarland will den ZVK verlassen

24. November 2025: Neun Landesverbände wollen ZVK verklagen

26. November 2025:

Sachsen-Anhalt soll dem ZVK kündigenhttps://www.kfz-betrieb.vogel.de/sachsen-anhalt-soll-dem-zvk-kuendigen-a-545f6ec6ff28f2bccf3460bb3d0cd518/

Heftige Kritik am ZVK und große Befürchtungen

Den vom ZVK eingeschlagenen Kurs wollen die Schleswig-Holsteiner ebenfalls nicht mitgehen. „Hinsichtlich der Arbeit des ZVK haben die Kraftfahrzeugverbände aus Schleswig-Holstein erhebliche Befürchtungen“, teilte der Landesverband mit.

Die bei seiner Mitgliederversammlung im Oktober getroffenen Beschlüsse werden nur von drei Landesverbänden getragen, so Schleswig-Holstein. Gemeint sind Bayern, NRW und Rheinland-Pfalz, die zwar in der Minderzahl sind, aber aufgrund ihrer Verbandsgröße die Stimmenmehrheit besitzen.

„Es wurde, ganz anders als im ZDK, kein gemeinsamer Prozess aller Mitgliedsverbände initiiert und durchgeführt, um eine gemeinsame Zukunft des ZVK mit eigenständiger Geschäftsstelle zu entwickeln. Die Mehrheit für eine neue Beitragsordnung, den Haushaltsplan und andere inhaltliche Themen war aus Sicht der federführenden Verbände Bayern und Nordrhein-Westfalen mit 52 Prozent ausreichend. Auch der neue ZVK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Gros sieht eine ausreichende demokratische Legitimierung in solchen Mehrheiten. Es wird Macht ausgeübt, ohne die Interessen der Mitgliedsverbände und Mitgliedsunternehmen im Blick zu haben“, so die Begründung aus Kiel.

Auftrag zur Prüfung der Mitgliedschaft im ZVK

Daher beauftragten die Vertreter der beiden Kfz-Verbände aus Schleswig-Holstein nun ihren Vorstand und die Geschäftsführung, für 2026 zu prüfen, „ob eine Mitgliedschaft im ZVK noch interessengerecht ist und auch unter den Aspekten einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zumutbar erscheint“.

Das Votum fiel einstimmig aus. Gleichzeitig stimmten die Delegierten einstimmig dafür, die Mitgliedschaft im ZDK aufrechtzuerhalten. Zur Begründung hieß es: „Der ZDK wird in Zukunft noch stärker auf die Interessen der Mitgliedsverbände und der Mitgliedsunternehmen ausgerichtet sein als bisher und in schlanken Abstimmungs- und Entscheidungsprozessen die Interessen des Kraftfahrzeuggewerbes in Deutschland gut und erfolgreich vertreten können.“

Zum Hintergrund: Bayern, NRW und Rheinland-Pfalz haben ihrerseits ihre Mitgliedschaft im ZDK für 2026 aufgekündigt.

Eskildsen: Keine gütliche Einigung mehr erwartbar

Nina Eskildsen, Präsidentin des Kfz-Verbandes Schleswig-Holstein, sagte dazu: „In der zurückliegenden Zeit seit September 2024 haben wir ein in unserer Verbandslandschaft bisher völlig unbekanntes Verhalten einzelner Personen auf Seiten des ZVK erlebt. Die Interessen der Mehrheit wurden nicht berücksichtigt. Zu echten Diskussionen waren die handelnden Personen im ZVK nicht bereit. Das Vertrauen ist stark beschädigt, so dass eine künftige Zusammenarbeit unter großen Fragezeichen steht.“

Geschäftsführer Jan-Nikolas Sontag werde nun „zeitnah die Forderungen des Landesverbandes mit aller Deutlichkeit, Klarheit in der Sache und der gebotenen Umsicht vertreten“. Mit einer noch gütlichen Einigung sei inzwischen nicht mehr zu rechnen, hieß es im Verbandshaus in Kiel.

Stellungnahme beim ZVK angefragt

Eine Stellungnahme seitens des ZVK zu den aktuellen Entwicklungen lehnte Bundesinnungsmeister und ZVK-Vorsitzender Detlef Peter Grün ab und verwies stattdessen auf seine Antwort vom auf seine Stellungnahme zu den Ankündigungen von Baden-Württemberg, Hessen und Saarland, ihren ZVK-Austritt prüfen zu wollen. „Für mich zählen Fakten. Aktuell sind 14 Landesverbände im Bundesinnungsverband des Kraftfahrzeughandwerks Mitglied. An Spekulationen zu Prüfaufträgen und deren Konsequenzen werde ich mich nicht beteiligen“, hatte Bundesinnungsmeister und ZVK-Vorsitzender Detlef Peter Grün im Interview am 17. November mit »kfz-betrieb« erklärt.

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Tatsächlich sind nach Kenntnis der Redaktion noch keine ZVK-Kündigungen seitens der Mitglieder ausgesprochen worden. Jedoch haben mehrere Landesverbände erklärt, nach Möglichkeit noch in diesem Jahr kündigen zu wollen, damit sie ab 2027 keine doppelten Beiträge – für ZDK und ZVK – mehr zu zahlen hätten. Ob es bei den nunmehr sechs austrittswilligen Landesverbänden bleibt, ist fraglich. Schließlich haben sich noch weitere drei Landesverbände der Klage gegen den ZVK angeschlossen.

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