Schwacke: „Der Handel ist nicht gesund“
Daniel Breves bewertet als neuer Schwacke-Geschäftsführer den Gebrauchtwagenmarkt 2013: Die ganzheitliche Betrachtung der Betriebskosten rücke immer mehr in den Kundenfokus.

Redaktion: Herr Breves, Sie sind seit dem 22. Januar neuer Schwacke-Geschäftsführer. Wie lautet Ihr Fazit nach den ersten elf Wochen?
Daniel Breves: Da ich bereits zuvor als Verantwortlicher für die Finanzen bei Schwacke tätig war und in dieser Zeit eng mit meinem Vorgänger Michael Bergmann zusammengearbeitet habe, verlief der Übergang reibungslos. Wir befinden uns in einem extrem spannenden Marktumfeld, in dem alle Branchenteilnehmer viele strategische Entscheidungen fällen müssen. Eins ist sicher: „Die Hersteller produzieren zu viele Fahrzeuge, und das drückt die Preise.“ Deshalb ist auch der Handel nicht gesund.
An welchen Hauptaufgaben arbeiten Sie derzeit?
Wir erwirtschaften zirka 90 Prozent unseres Umsatzes durch den Verkauf von Daten. Und die werden dringender denn je benötigt. Gerade wegen der erwähnten Probleme müssen die Händler und Hersteller ihr Gebrauchtwagenmanagement verbessern. Und das geht nur mit professionellen Daten. Das dämpft für unser Geschäft etwas den Effekt eines rückläufigen Markts. Daher wollen wir hier auch weiterhin wachsen. Zu diesem Zweck implementieren wir derzeit viele neue Anwendungen in unserer Online-Gebrauchtwagenmanagementsystem Schwackenet.
Wie wichtig ist für Sie der Handel?
Sehr wichtig. Ohne Händler geht es nicht. Ansonsten wäre unsere Arbeit nicht glaubhaft gegenüber den Herstellern. Deshalb investieren wir in die Produkte für diese wichtige Kundengruppe und bringen im kommenden Jahr eine neue Version von Schwackenet heraus. Eine erste Phase startet bereits im Sommer 2013, wenn wir mit dem Programm in Österreich und in der Schweiz starten.
Wie wichtig sind Sie für den Handel?
Jeder falsch kalkulierte Gebrauchtwagen kann einen Händler schnell mehrere tausend Euro kosten – je nach Fahrzeug. Durchschnittlich liegt dieser Wert bei 1.000 Euro. Bei einem Festpreis für Schwackenet von 100 Euro im Monat rechnen sich unsere Produkte also schon ab einem falsch berechneten Fahrzeug.
Schwackenet gleicht bereits seit 2011 die von Ihnen ermittelten Gebrauchtwagenpreise mit denen der Onlinebörsen ab. Weshalb machen Sie dieses Angebot?
Wir haben in Schwackenet den sogenannten Webmonitor geschaffen, damit sich der Händler eine zweite Meinung einholen kann. Zudem erhält er dadurch die tagesaktuellen Börsenpreise. Durchschnittlich unterscheidet sich der Schwacke-Wert vom Webmonitor um 300 Euro. Wir liegen hier also dicht beieinander.
Warum sollte ein Händler überhaupt noch Ihre Produkte zur Preisfindung nutzen?
Trotz der Millionen Fahrzeuge, die in den Onlinebörsen stehen, ist die Wahrscheinlichkeit, ein und dasselbe Fahrzeug zu finden, relativ gering und die Suchergebnisse geben lediglich ähnliche Fahrzeuge heraus. Dann kann das selbst bei erfahrenen Verkäufern das Bauchgefühl täuschen und zu falschen Preisen führen. Dazu möchte ich Ihnen ein plakatives Beispiel geben: Wir haben einige Händler gebeten, nur mittels Informationen aus dem Internet einen Angebotspreis für einen bestimmten BMW 3er vorzuschlagen. Die Vorschläge variierten um 4.500 Euro für ein Auto mit einem Gebrauchtwagenpreis von 22.000 Euro. Das Bauchgefühl bedeutet in diesem Fall eine Abweichung zwischen den Händlern von 25 Prozent. Zudem sind viele Inserate in den Börsen falsch oder nur unvollständig beschrieben. Unsere Daten hingegen sind vollständig und korrekt.
Wie fassen Sie also Ihre Relevanz für den deutschen Markt zusammen?
Wir liefern Daten, mit denen die Nutzer ihre Fahrzeuge identifizieren, konfigurieren und bewerten sowie Reparaturen kalkulieren können. Zudem ermitteln wir den Wertverlust, die Kosten für Service und Verschleiß und rechnen den Spritverbrauch mit ein. Alles zusammengenommen erhält man so die Betriebskosten bzw. die Total-cost-of-ownership (TCO) für den Zyklus der Fahrzeuge. Und wir haben meiner Meinung nach das einzig funktionierende TCO-Tool aus einer Hand am Markt.
Wie wichtig sind die Berechnungen für den Autokäufer?
Wir beobachten, dass die Kunden ihre Kaufentscheidung immer mehr von einem geringen TCO anstelle des Neupreises abhängig machen. Der TCO ist sozusagen der neue Restwert. Die Großkunden haben das für ihre Flotten unlängst erkannt. Mittlerweile denken auch die Privatkäufer um.
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