Mit dem SUV EX 90 rundet Volvo sein vollelektrisches Modellangebot nach oben ab. Der Preis ist eine Ansage, aber dafür hat das Modell in Sachen Design, Komfort und Sicherheit auch einiges zu bieten.
Der Volvo EX90 startet preislich bei 83.700 Euro. Wer sich für die Allradversion und die Top-Ausstattung entscheidet, muss über 100.000 Euro investieren.
(Bild: Mauritz – VCG)
Die Spanne zwischen der Weltpremiere und dem Auslieferungsstart des Volvo EX90 ist wahrlich beachtlich: Präsentiert hatte der schwedische Premiumhersteller sein vollelektrisches Flaggschiff der Öffentlichkeit erstmals im November 2022. Dann verzögerten Softwareprobleme mehrfach den Produktionsstart des ersten Modells der Marke, das auf der selbst entwickelten Technik- und Fahrzeugarchitektur SPA2 basiert. Die Kunden, die sich bereits frühzeitig ein Exemplar gesichert hatten, wurden auf eine harte Geduldsprobe gestellt.
Nun endlich ist es aber endlich da, das bis zu siebensitzige Luxus-SUV, das der schwedische Premiumhersteller als seinen technischen Innovationsträger bezeichnet. Ob sich das lange Warten gelohnt hat und der recht happige Einstiegspreis von 83.700 Euro gerechtfertigt ist, konnten wir uns im Rahmen einer Testfahrt ansehen.
Optisch reiht sich das gut fünf Meter lange SUV perfekt in das Modell-Line-up der schwedischen Premiummarke ein: Das Design wirkt durch die glatten Oberflächen, die abgerundete Frontpartie mit einem geschlossenen Kühlergrill, eingelassenen Türgriffen und bündig abschließenden Fensterscheiben angenehm reduziert. Am meisten ins Auge sticht beim EX 90 das neu gestaltete und durchaus polarisierende Heck mit den recht tief platzierten Rückleuchten.
Im Visier hat Volvo mit seinem Topmodell vor allem Familien: Je nach gewählter Konfiguration bietet das Modell in zwei oder drei Sitzreihen fünf, sechs oder sieben Personen Platz. Zumindest auf zwei Sitzreihen ist das Raumgefühl dank knapp drei Meter Radstand, dem serienmäßig verbauten Panoramadach und den schlanken Sitzen dabei sehr großzügig. Die dritte Sitzreihe ist für Erwachsene indes tatsächlich nur auf Kurzstrecken ratsam.
Kein Leder im Innenraum
Als durchweg gelungen kann man auch das puristische, skandinavisch geprägte Innenraumdesign bezeichnen: Man fühlt sich an Bord des EX 90 wie in einem Designer-Wohnzimmer – und das, obwohl die gewählten Materialien, darunter Vinyl, PET-Flaschen und alte Fischernetze, erst einmal wenig luxuriös klingen. Glücklicherweise ist davon nach der Verarbeitung nichts mehr sicht- oder fühlbar – anders als im EX30 wirkt das nachhaltige Interieur des EX90 so hochwertig, wie es der Käufer eines Autos in dieser Preisklasse erwartet. Dazu tragen auch einige Designhighlights bei, wie die elegant hinterleuchteten Holzelemente im Cockpit und in der Tür.
Wie nicht anders zu erwarten war, hält Volvo auch bei seinen Modellen der jüngsten Generation an einer volldigitalen Bedienung fest. Im EX90 bildet ein angenehm großformatiger, rahmenloser Touchscreen im Hochformat das Herzstück. Die Bedienung erfordert aufgrund der großen Fülle an Funktionalitäten und Untermenüs schon etwas Übung. Hat man das Display aber erst mal an die eigenen Vorlieben angepasst, findet man sich gut zurecht. Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass Volvo auf die Google-Technologie setzt.
Begrüßenswert ist, dass Volvo in seinem Flaggschiff, anders als beim EX30, nicht auf ein Fahrerinformationsdisplay verzichtet hat. Gemeinsam mit einem Head-up-Display trägt es dazu bei, dass der Fahrer den Blick nicht von der Straße abwenden muss.
Neben dem großzügigen Raumangebot, den bequemen Sitzen und dem auffallend geringen Geräuschniveau im Innenraum macht auch der hohe Fahrkomfort den EX90 zur perfekten Reiselimousine. Unebenheiten im Fahrbelag bügelt das SUV dank der adaptiven Luftfederung souverän weg, die Fahrstabilität ist hoch, und selbst der Einstiegsmotor ist kraftvoll genug für zügige Autobahnfahrten. Aber auch in der Stadt macht das Modell eine gute Figur: Auf der Testfahrt konnte es mit seiner Wendigkeit und seinem agilen Lenkverhalten punkten.
Drei Antriebsvarianten
Insgesamt ist der EX90 mit drei verschiedenen Antrieben erhältlich: Die Single-Motor-Version kommt mit einem heckangetriebenen, 205 kW/279 PS starken Elektromotor und einem Drehmoment von 490 Nm. Die getestete Twin-Motor-Version bringt 300 kW/408 PS und 770 Nm Drehmoment auf die Straße. Auf der Testfahrt, die vorwiegend auf Landstraßen und in der Stadt stattfand, glänzte der Antrieb so mit seiner Souveränität und seiner Kraft, dass man sich die Frage stellt, warum es noch einer Performance-Variante mit 380 kW/517 PS und 910 Nm Drehmoment bedarf – zumal der EX90 ein Modell ist, das klar auf Komfort ausgelegt ist.
Stand: 08.12.2025
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Reisetauglich ist auch die Reichweite des Volvo-Flaggschiffs, das serienmäßig mit einer Wärmepumpe ausgestattet ist: Im WLTP-Zyklus gemessen, legt die Single-Motor-Version mit einer 104-kWh-Batterie bis zu 580 Kilometer zurück, ehe sie an die Ladesäule muss. Die beiden Allrad-Varianten sollen dank eines 111-kWh-Akkus 613 Kilometer schaffen. Die 800-Volt-Technologie hat bei Volvo noch keinen Einzug gehalten – es bleibt bei 400-Volt-Batterien. Immerhin stellt der schwedische Hersteller an Schnellladesäulen eine maximale Ladeleistung bis 250 kW in Aussicht. Die Ladedauer, die nötig ist, um die Batterie von 10 auf 80 Prozent zu laden, beziffert Volvo auf rund 30 Minuten. Bei der Testfahrt konnten wir das nicht überprüfen – dafür den Realverbrauch: Bei einer Außentemperatur von rund 5 Grad und einer E-Auto-freundlichen Strecke lag der bei 27 kWh/100 km.
Lidar-System bildet Schutzschild
Angenehm zurückhaltend waren auf der Testfahrt die zahlreichen Sensoren und Kameras. Zu erwähnen sind dabei vor allem zwei neue Systeme: Das Lidar-System, das in die vordere Dachlinie des Fahrzeugs integriert ist, erfasst Hand in Hand mit acht Kameras, fünf Radareinheiten und 12 Ultraschallsensoren bis zu einer Entfernung von 250 Metern die Umgebung des Fahrzeugs und fungiert auch in der Dunkelheit als Schutzschild. Das ebenfalls neue Fahrer-Monitoring überwacht die Augenbewegungen des Fahrers und kann so frühzeitig Anzeichen von Ablenkung oder Übermüdung erkennen. Dazu gesellt sich ein ebenfalls neues Innenraum-Radarsystem, das dafür sorgt, dass keine Personen unbeabsichtigt im Fahrzeug oder im Kofferraum zurückgelassen werden.