„Seat hat Marktpotenzial von etwas über 3 Prozent“

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Aus dem Markt heißt es immer wieder, dass sich Seat einen Teil des Wachstums mit Rabatten und Tageszulassungen erkauft hat …

Ja, eine Forcierung des Absatzes durch starke Rabattierung und sehr günstige Ausstattungspakete ist eindeutig feststellbar. Man ist auf den einschlägigen Plattformen immer wieder mit hohen Nachlässen dabei. Aktuell bietet Seat eine Ibiza-Wechselprämie mit bis zu 2.700 Euro an. Das kann man gerade beim Ibiza am Ende des Lebenszyklus machen, die Frage ist nur, wie man die Rabatte wieder eindämmt, wenn der Nachfolger da ist und ob die Kunden eingeschränkte Nachlässe dann wieder akzeptieren. Kritisch ist, dass selbst der Ateca bereits mit leichten Rabatten zu finden ist. Dieser Kurs ist auf jeden Fall risikobehaftet.

Stichwort Kundengewinnung, wie sieht es mit Kanibalisierungseffekten zwischen den Konzernmarken aus?

Das ist im Einzelnen schwierig zu sagen. Andererseits sind die Modelle auch nicht immer zu vergleichen. Wenn beispielsweise Ateca-Käufer vorher Tiguan gefahren sind, kann die Entscheidung für den Seat auch daher rühren, dass das VW-SUV wächst, der Fahrer aber lieber bei der angestammten Größe bleiben will.

Seat Leon Cupra: Sportlicher Musterschüler
Bildergalerie mit 14 Bildern

Wie sehen Sie grundsätzlich den Stand von Seat im VW-Konzern, aber auch im weltweiten Konzert der Automarken?

Der Konzern ist dabei, die Marke eigenständiger zu positionieren. Man hat eine vernünftige Nische gefunden, indem Seat immer die kleinste Modellalternative im Konzern anbietet, etwa Ateca versus Tiguan. Das geht einher mit dem günstigsten Preis im Konzern und einem dynamischen Design, das dem Fabrikat viel Aufmerksamkeit beschert.

Weltweit hat Seat den Absatz von 320.000 Einheiten im Jahr 2012 auf 400.000 im Jahr 2015 erhöht. Wie viel Potenzial hat das Fabrikat noch auf seinen angestammten Märkten?

Grundsätzlich steht Seat in einem harten Wettbewerb mit allen Marken, auch innerhalb des Konzerns. Die anderen Autobauer sind ebenfalls mit neuen Modellen und speziell mit neuen SUVs unterwegs. Grundsätzlich sehe ich für Seat die Chance, mit den neuen Produkten Käufer von Konkurrenten abzuwerben. Allerdings sind hohe Rabatte auch in anderen gesättigten Märkten bereits festzustellen.

Seat Alhambra: Auffrischung für Familien- und Taxikutsche
Bildergalerie mit 15 Bildern

Wird sich Seat neue Märkte erobern (müssen)?

Für eine spanische Marke würde sich natürlich Lateinamerika anbieten, allerdings ist der Markt dort schwierig, ebenso in den USA. Es gibt sicherlich kleinere Märkte mit Potenzial, in der Türkei oder Algerien hat Seat schon Vertriebsstrukturen. Jedoch ist immer der finanzielle Aufwand zu beachten, sich neu zu etablieren, so dass eine nennenswerte Expansion eher unwahrscheinlich erscheint.

Sehen Sie offene Punkte bei Seat, die den Wachstumsplänen entgegenstehen?

Einerseits sind Seat, Skoda und VW mit ähnlichen Modellen unterwegs, so dass die Differenzierung schwer fällt. Gleichzeitig ist es eine offene Frage, welches Wachstum die Konzernführung erlaubt, wenn es zulasten der Kernmarke geht.

Viele Wachstumsphantasien werden bei Seat mit neuen SUVs begründet. Begibt man sich da in eine Abhängigkeit von einem sicher derzeit noch wachstumsstarken Segment?

Dass Seat voll auf dieses Segment setzt, ist sicher richtig und notwendig. Daran kommt man nicht vorbei. Angesichts der fortschreitenden Hybridisierung und Elektrifizierung in der Branche wird Seat zudem langfristig die Probleme mit den CO2-Emissionsgrenzen in den Griff bekommen, so dass der SUV-Trend in absehbarer Zeit nicht leiden wird.

Mit seinen SUVs kommt Seat recht spät, nun aber mit Macht. Wird dafür der nächste Trend, die Elektromobilität, verschlafen?

Tatsächlich ist noch kein Produkt vorgestellt, aber wenn der Volkswagenkonzern seine Ankündigungen zur Elektromobilität umsetzt, werden marktfähige Angebote aus dem Konzernregal dank der Plattformstrategie schnell auf die anderen Marken übertragbar sein. Allerdings wird Seat wohl am längsten warten müssen.

Eine Analyse der Lage von Seat in Deutschland lesen Sie in »kfz-betrieb«-Ausgabe 45, die am 11. November erscheint.

(ID:44369389)