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„Seat hat Marktpotenzial von etwas über 3 Prozent“

| Autor: Andreas Grimm

In den letzten fünf Jahren hat sich Seat produktseitig und in der Wahrnehmung stark verändert. Der Prozess geht weiter, aber große Wachstumschancen erwartet IHS-Analyst Martin Benecke im »kfz-betrieb«-Interview nicht mehr.

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Martin Benecke ist Manager Pkw-Absatzprognosen Westeuropa bei IHS Automotive.
Martin Benecke ist Manager Pkw-Absatzprognosen Westeuropa bei IHS Automotive.
(Foto: IHS)

Redaktion: Seat war einmal das Sorgenkind im VW-Konzern, hat 2015 erstmals seit 2008 wieder einen Gewinn ausgewiesen. Ist der Turnaround langfristig geschafft?

Seat ist sicherlich in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Aber die Spanier haben vor der Wirtschaftskrise schon einmal mehr Autos verkauft als jetzt. Die weggebrochenen Märkte in Südeuropa erholen sich, insofern ist das Fabrikat auf einem guten Weg, aber von einem Turnaround zu sprechen, wäre noch etwas verfrüht. Modellseitig sind Ibiza und Leon nicht mehr ganz frisch. Hier werden sich die Neuerungen im Modellangebot aber in den kommenden 24 Monaten nach und nach bemerkbar machen.

Was hat Seat nach dem Absturz wieder nach vorne gebracht?

Mit Modellen wie dem Exeo war die Marke phasenweise etwas ziellos unterwegs. Mit der Positionierung als sportlich-dynamische Marke hat Seat inzwischen seine Richtung gefunden. Mit einer attraktiveren Designsprache hat Seat hier sicher Käufer gewinnen können. Aber Seat hat auch intensiv die Rabattkarte gespielt.

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Was bringt Seat modellseitig, um das Wachstum zu befeuern?

Das kleine SUV, derzeit unter dem Arbeitstitel Arona bekannt, soll Ende nächsten Jahres starten und wird gegen Opel Mokka oder Renault Captur antreten. Weiterhin wird der Leon hinsichtlich der Trendthemen Konnektivität und Assistenzsysteme aufgerüstet. Und im Frühjahr kommt die neue Generation des Ibiza. Mit dem Arona kann Seat sicher neue Kundenkreise ansprechen und als neuer Anbieter in einem Wachstumssegment zulegen.

In Deutschland hat der Seat-Absatz seit 2011 um 60 Prozent zugelegt. Seat-Geschäftsführer Bernhard Bauer sah vergangenes Jahr hierzulande ein Potenzial bis mindestens 4 Prozent Marktanteil. Das wären derzeit rund 130.000 Autos …

Dieses Ziel scheint mir etwas zu hoch gesteckt. Wir sehen für Deutschland noch ein gewisses Potenzial von etwas über 3 Prozent Marktanteil, der realistisch und ohne massive Rabattierung machbar ist. Aber die Hoffnung ruht ja gerade auf den SUVs und in diesem Segment legen alle Hersteller nach, sodass die Konkurrenzsituation nicht leichter wird. Auf der anderen Seite könnten jedoch Modelle eingestellt werden, so dass wiederum Absatz verloren geht.

Wieso das?

Es ist denkbar, dass die wenig markenbildenden Derivate nicht mehr weitergebaut werden, die wegen geringer Stückzahl relativ teuer produziert werden. Andere Marken im Konzern machen das ja vor, etwa VW mit dem Eos oder Audi mit dem A3 Cabrio.

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Welche Modelle könnte das bei Seat betreffen?

Es gibt Hinweise, dass der Kleinwagen Mii im Gegensatz zu seinen Schwestermodellen im Konzern nicht weitergeführt wird. Auch der Ibiza als 3-Türer oder Kombi ist kein Verkaufsschlager.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«