Sei schlau, mach‘s mit!
Die Zeiten, in denen Defekte an einem Fahrzeug durch bloßes Hinsehen zu erkennen waren, sind lange vorbei. Die größzügige Verwendung von Elektronik verlangt den Einsatz eines Diagnosegeräts oftmals bereits schon bei der Fahrzeugannahme.
Früher war alles einfacher: Der Dreck, der im durchsichtigen Kraftstoffleitungsfilter zu sehen war, war mit großer Sicherheit die Ursache für das Ruckeln des Motors; und die abgebrochene Fensterkurbel war mit hoher Wahrscheinlichkeit der Grund, weshalb die Seitenscheibe nicht mehr nach unten wollte.
Defekte waren meist leicht zu erkennen. Das galt vor allem, wenn König Kunde in die Werkstatt kam. Ein Mangel und seine Ursache offenbarten sich dem Fahrzeughalter häufig von selbst, oder ein Fingerzeig des Annahmemeisters führte ihm den Reparaturbedarf vor Augen. Ein, zwei kurze Blicke bei der Fahrzeugannahme, und Arbeitsumfang und Kosten standen fest.
Heute ist das anders – leider. Aber Jammern hilft bekanntlich wenig. Denn der Serviceberater von heute hat häufig ein Problem: Er erkennt bei der Komplexität elektronischer/elektromechanischer Bauteile kaum noch, ob eines einen Mangel hat. Vom Innenspiegel bis zur Handbremse – immer mehr Fahrzeugkomponenten werden von Steuergeräten bedient und überwacht.
Frühzeitige Erkennung
Stellt der Betrieb erst im Zuge der Werkstattarbeiten, zum Beispiel bei einer routinemäßigen Gesamtfehlerspeicherabfrage während des Kundendienstes, elektronische Mängel fest, ist das für alle Beteiligten kein Grund zum Jubeln. Der Meister muss dem Kunden hinterhertelefonieren, um eine Auftragserweiterung einzuholen. Manch misstrauischer Fahrzeughalter denkt sich dann: „Die brauchen wohl noch Arbeit.“ Hätte man alles in einem Aufwasch bei der Direktannahme erledigt, wäre die Angelegenheit reibungsloser und schneller über die (Annahme-)Bühne gegangen.
Damit das auch klappt, sollte die Werkstatt bereits bei der Direktannahme – möglichst im Beisein des Kunden – ein Diagnosegerät zu Hilfe nehmen. Sowohl Werkstatt als auch Kunde bekommen so einen Überblick über den Ist-Zustand des Fahrzeugs. Die Werkstatt kann Mängel an elektronischen Systemen aufdecken, die noch keine Kontrolllampe im Amaturenbrett zum Aufleuchten gebracht haben, aber vorhanden sind. So kann sie den Kunden frühzeitig auf den möglichen Ausfall eines Bauteils hinweisen und eine Reparatur anbieten. Getreu dem Motto „Vorbeugen ist besser als Heilen“.
Bessere Planung
Damit lässt sich für den Kfz-Betrieb so manches „gesteuerte“ Zusatzgeschäft erwirtschaften, wie Oliver Hassmer von der Firma Km/h aus Frankfurt am Main weiß: „Seitdem wir die Diagnose für uns entdeckt haben, verkaufen wir wesentlich mehr Elektrik- und Elektronikteile als früher“, erläutert der Firmeninhaber. Bei Hassmer werden grundsätzlich alle Fahrzeuge vor Arbeitsbeginn ausgelesen und da ist „fast immer was dabei“, so der Kfz-Meister.
Mit einem Vorabdiagnosecheck dokumentiert die Werkstatt zudem ihre technische und fachliche Kompetenz und erleichtert sich die Werkstattplanung. Denn den defekten Stellmotor des Innenraumgebläsekastens zu erneuern – und zwar frühzeitig um 8:00 Uhr, mit eineinhalb Stunden eingeplant – spart manchen Stress am Nachmittag.
Doch womit die schnelle Elektronikdurchsicht durchführen? Die große Diagnosestation aus der Werkstatt in die Annahme zerren? Wohl kaum. Hier empfiehlt sich ein kleines Taschengerät, ein so genannter „Handheld“. Von der Größe eines Taschenkalenders bis hin zum Laptop-Format reicht die Bandbreite der handlichen Diagnosetester. Eine Anbieterübersicht hierzu finden Sie in Ausgabe 9/2008 des »kfz-betrieb«.
Alternative zu Großen
Immer noch zu teuer? Und Sie haben schon einen PC/Laptop in der Annahme stehen? Kein Problem: Es gibt noch eine Möglichkeit, die Steuergeräte an Fahrzeugen auszulesen oder Stellgliedtests durchzuführen. So genannte Schnittstellen- bzw. Diagnosemodule erledigen das. Zahlreiche namhafte Diagnoseanbieter haben einen solchen Elektronikprüfer im Programm. Alles, was man dazu benötigt, ist besagter PC/Laptop oder, wie im Falle des Texa Navigator TXS, einen Taschen-PC, einen so genannten Palm.
Ist der Rechner dann noch in das EDV-System des Betriebs integriert, um so besser. So kann die Werkstatt Diagnoseergebnisse unkompliziert archivieren und den entsprechenden Aufträgen zuordnen. Und ein Ergebnisprotokoll für den Kunden lässt sich auf diese Weise auch rasch drucken. Eine entsprechende Anbieterübersicht zu diesen Diagnosewerkzeugen finden Sie auf Seite 35 bis 37.
Dabei zeichnet sich eines deutlich ab: Bluetooth liegt voll im Trend. Die drahtlose Funkübertragung von Diagnosewerkzeug zu PC/Laptop erleichtert durch den Verzicht auf ein meterlanges Verbindungskabel die Handhabung erheblich. Fast alle der aufgeführten Module sind serienmäßig damit ausgestattet bzw. lassen sich nachrüsten.
Die Qual der Wahl
Was die Leistungsfähigkeit, sprich die Diagnosefunktion, betrifft, entspricht das Gros der Geräte einem „normalen“ Diagnosetester. Eine Ausnahme ist der Texa Navigator TXS. Er wurde speziell für Servicearbeiten, wie man sie z. B. bei der Fahrzeugannahme einsetzt, konzipiert. Seine Diagnosefunktionen sind teilweise eingeschränkt.
Alle Tester mit Ausnahme des Actia Multi-Diag sind Mehrmarkengeräte mit „Vollabdeckung“. D. h. sie sind für nahezu alle am Markt befindlichen Fahrzeugmarken einsetzbar – so zumindest die Aussagen der Hersteller. Vom reinen Fehlerspeicherauslesen bis zur umfangreichen Steuergeräteanpassung ist alles möglich. Das ist für die schnelle Elektronikdurchsicht sicher nicht notwendig, doch der Einsatz des Diagnosemoduls muss ja nicht auf die Fahrzeugannahme beschränkt bleiben.
Was man zudem bei einer Kaufentscheidung beachten muss, sind die zu diagnostizierenden Fahrzeuge. Wer auch mal Lkw auf dem Hof hat, oder der Reparatur von Motorrädern nicht abgeneigt ist, sollte dies bei seiner Wahl beachten. Die Unternehmen Texa und Tecno sind führend, was ein breites Fahrzeugtypenangebot betrifft.
Spezielle Funktionen
Die Navigator TXS und TXT von Texa bieten bei entsprechender Software die Möglichkeit, bei Problemen mithilfe der Google-Suchmaschine auf dem hauseigenen Zentralserver nach Unterstützungshilfen zu suchen. Die Techmess-Wireless-F-Box lässt sich dank spezieller Freischaltungsschlüssel auf mehreren Arbeitsstationen/PC betreiben. Damit lassen sich bei Bedarf sporadische Fehler leichter auffinden.
Dem WOW Snooper sichert sein spezieller Softwareaufbau, der vielfach updatefähig ist, ein langes Diagnoseleben. Zudem ist er preislich attraktiv. Neben niedrigen Hardwarekosten kann sich die Werkstatt individuelle Softwarepakete zusammenstellen und spart damit, da sie nur das kauft, was sie benötigt. Auch Hersteller Bosch bietet diese Möglichkeit. Von Bedeutung für viele Werkstätten ist auch, ob das Diagnosewerkzeug auch ohne laufende Software-Updates funktionsfähig ist. Außer bei den Geräten von Tecno und Bosch ist das der Fall. Interessante Ausnahme: Anbieter AVL ist der einzige Hersteller, der seine Gerätesoftware zum Kauf anbietet.
Preisbewusste Interessenten werden bei Tecno fündig: Das Unternehmen bietet im Rahmen seiner Assist-Aktion noch bis September besonders attraktive Diagnose-Komplettangebote. Und das DDS 200 von Fahrzeugausrüster Hella wartet mit einem umfassenden Softwarepaket inklusive Schulungs- und Informationsbausteinen auf.
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