Servicequalität ist entscheidend

Autor / Redakteur: Isabella Finsterwalder-Reinecke / Norbert Rubbel

„Wenn ich mit meiner Mannschaft acht Stunden in der Werkstatt arbeite, habe ich Geld verdient und schließe meinen Betrieb abends beruhigt wieder zu“, erklärt Rudolf Angerer.

„Wenn ich mit meiner Mannschaft acht Stunden in der Werkstatt arbeite, habe ich Geld verdient und schließe meinen Betrieb abends beruhigt wieder zu“, erklärt Rudolf Angerer.

„Wenn ich mit meiner Mannschaft acht Stunden in der Werkstatt arbeite, habe ich Geld verdient und schließe meinen Betrieb abends beruhigt wieder zu“, erklärt Rudolf Angerer seinen konsequenten Einsatz für das Servicegeschäft. Dagegen wisse ein Neuwagenhändler nie, ob er am Ende nur „Geld verbrenne“. Außerdem sei es dem Kunden gleichgültig, ob der Händler seine Fahrzeuge direkt vom Hersteller oder aus anderen Bezugsquellen erhalte. „Autos bekomme ich überall“, so der 44-Jährige. Entscheidend sei vielmehr, dass der Kunde seinen Service direkt vom Autohaus Angerer bekomme.

Der gelernte Kfz-Mechaniker und Gewinner der Goldmedaille beim Internationalen Berufswettbewerb im Kfz-Mechaniker-Handwerk wusste sehr früh, dass er sich zielstrebig auf das Werkstatt- und Teilegeschäft konzentrieren musste. 1988 startet er mit vier Mitarbeitern in der 7 800 Einwohner zählenden Markt-Gemeinde Schierling bei Regensburg als autorisierter VW- und Audi-Servicepartner.

Mit Service erfolgreich

Mit einem Gesamtumsatz von heute 2,56 Millionen Euro und einer Produktivität (Geleistete Stunden zu Anwesenheitsstunden) von 97,7 Prozent sowie einem Leistungsgrad (Ist-Produktivitätsstunden zu Anwesenheitsstunden) von 111,5 Prozent ist Angerer sehr erfolgreich — und das von Beginn an.

Der Servicebetrieb, der heute neben VW-, Audi- und Skoda-Pkw auch VW-Nutzfahrzeuge wartet und repariert, hat in den vergangenen 20 Jahren viele „Aufs und Abs“ des Volkswagen-Konzerns erlebt. Dazu gehörte beispielsweise die im Jahr 2002 reformierte GVO und die Umsetzung der neuen Servicestandards. Als ihn das Werk 1998 aufforderte, als so genannter K-Händler einen VW-Vertriebsvertrag zu übernehmen, lehnte Angerer gelassen ab. Das alles ist lange vorbei. Geblieben ist die Überzeugung des Unternehmers, ausschließlich auf den Service zu setzen.

Teile vom freien Markt

Nicht nur seine Umsätze und Ergebnisse können sich sehen lassen, sondern auch seine Vielseitigkeit. Beispielsweise kauft Angerer auch Ersatzteile und Zubehör bei freien Großhändlern ein. Darüber hinaus spielt der Unternehmer auf der gesamten Klaviatur des Service: „Mit bester Serviceleistung und Qualität treten wir gern den freien Wettbewerbern gegenüber. Wir beherrschen alles: vom höchst anspruchsvollen Instandsetzungsservice bis hin zur einfachsten Reparatur.“ Doch entscheidend ist für Angerer immer der Leistungsgrad und die Produktivität seiner Mannschaft. Diese hängen wiederum von der Motivation der Mitarbeiter ab. Dabei ist für den Unternehmenschef und Vorstandsvorsitzenden der Innung Oberpfalz eine hohe Qualifikation und Motivation seiner Mitarbeiter selbstverständlich. „Unsere Mitarbeiter sind es gewohnt mitzudenken, effektiv und wirtschaftlich in unserer kleinen Familie zu arbeiten“, betont Angerer.

Marktanteil ist wichtig

Auch im Nachhinein würde er sich immer wieder nur für Serviceverträge aus einem Konzern entscheiden und sich die Frage stellen: Wer hat den größten Marktanteil und wer besitzt das größte Potenzial „Das ist nach wie vor der Volkwagen-Konzern“, bringt es Angerer auf den Punkt. Mehrere Verträge aus einem Konzern hält der Unternehmer schon wegen der einheitlichen Philosophie des Automobilherstellers für sinnvoll: angefangen von der Systemtechnik, der Plattformstrategie über Aggregate bis hin zur Diagnosetechnik sei alles in sich stimmig. Auch steht Angerer nach wie vor dazu, ausschließlich autorisierte und nicht freie Serviceverträge zu wählen. Warum „Ohne die entsprechenden Daten- und Informationen der Hersteller bin ich im Werkstattgeschäft nur ein Drittel so schnell“, so Angerer. Allerdings müsse er für die Informationen des Automobilherstellers Geld bezahlen. Der Unternehmer stellt zudem klar, dass die technischen Daten auch markenfremden Betrieben zur Verfügung stehen, die dafür mehrere Tausend Euro je Marke, Modell und Jahr bezahlen müssen. Nur sei dazu keiner bereit. Angerer ist überzeugt, dass es auch zukünftig die Daten der Automobilhersteller nicht umsonst geben werde. „Denn warum sollte ein Hersteller, der Produkte entwickelt und über das Know-how verfügt, die Daten unentgeltlich herausgeben Im Gegenteil: Die Kosten für die technischen Informationen werden künftig für alle noch höher ausfallen“, vermutet der Servicespezialist.

Spaß an der Arbeit

Ein Vertriebsvertrag scheidet für Angerer auch in Zukunft aus. Da der Fahrzeugverkauf stückzahlengetrieben sei und hohe Vertriebsstandards fordere, widerspricht dies seiner Qualitätsphilosophie. „Die Qualität meines Profits ist entscheidend“, so Angerer.

An erster Stelle müsse die Arbeit Spaß machen. Das sei mit einem Vertriebsvertrag nicht möglich, da die Hersteller ihre Vertriebsnetze drastisch reduziert und ihre Stückzahlen pro Verkaufsstandort deutlich erhöht haben. Angerer: „Nach dem Motto ‚Augen zu und durch‘, ist es den Händlern egal, wie sie die Autos verkaufen.“ Als Vermittler von Neuwagen könne Angerer dagegen auch einmal „Nein“ zum Fahrzeugverkauf sagen. „Denn wichtig ist mir, was unterm Strich dabei herauskommt.“

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