„Pro Tag gingen bei uns durchschnittlich 3.500 Anrufe ein – die Zahl an E-Mails war ungleich höher“, erklärt Bergmann. Der Geschäftsführer reagierte schnell: Er schaltete eine weitere Zeitungsanzeige, in der er alle Interessenten darum bat, einen Termin zu vereinbaren.
Die Geschäftsführung entband alle beteiligten Mitarbeiter von den sonstigen Pflichten: Alle Schulungen wurden ausgesetzt, sämtliche Meetings abgesagt und fast nur noch per E-Mail kommuniziert – es ging darum, Autos zu verkaufen.
Immer neue Werbung in der regionalen Presse
Von acht Uhr morgens bis neun Uhr abends wetzten Hunderte Schuhe über die CI-gerechten Fliesen im Autohaus. Die Kunden schraubten die Verkaufsstatistik täglich um durchschnittlich 80 neue Einheiten nach oben. Die Mannschaft hat ohne Pause durchgezogen und die kurzen Verkaufsgespräche noch dazu genutzt, viele Finanzdienstleistungen wie Rundum-Sorglos-Pakete zu verkaufen. Externes Personal unterstützte die Sessner-Verkäufer dabei, plötzlich das Fünffache des regulären Verkaufs zu stemmen. Schließlich sorgten jeweils achtseitige Beilagen in der regionalen Tagszeitung Samstag für Samstag dafür, dass der Ansturm nicht abriss.
Antrag bei der BAFA
Von einer Verschnaufpause konnte jedoch nicht die Rede sein, es ging erst richtig los. In der regionalen Werbung kündigte Sessner an, die Umweltprämie für seine Kunden zu beantragen und sich um alle weiteren Schritte zu kümmern. Doch dann änderten sich die Rahmenbedingen: Der Käufer musste selbst den Antrag stellen. Daher lud Sessner seine Kunden am 30. März dazu ein, den Onlineantrag auszufüllen, die Unterlagen beizufügen und abzusenden.
20 Terminals, nach Anfangsbuchstaben des Bestellers aufgeteilt, sowie Getränke und Catering warteten auf die 3.000 Kunden. Diese standen bereits ab fünf Uhr morgens Schlange vor dem Autohaus. Die Aktion weckte überregional das Interesse der Medien. Anstoß dafür gab ein Foto, das einer der Kunden an die Redaktion der „Bild-Zeitung“ schickte.
Innerhalb weniger Stunden waren mehrere Übertragungswagen auf dem Sessner-Gelände, sodass die Aktion an dem Tag in der „Tagesschau“ sowie den „Tagesthemen“ direkt nach Barack Obama lief. 80 Millionen Klicks verzeichnete die Internetseite von Sessner in diesem Zeitraum sowie viele E-Mails von Bekannten des Unternehmens aus aller Welt.
Mit dem Sonderzug nach Wolfsburg
Die Tinte auf den Kaufverträgen war trocken und die Gelder beantragt – zwei Herkulesaufgaben waren bewältigt. Da folgte schon die nächste: Die ersten Fahrzeuge rollten auf den Hof des Kitzinger Autohauses. „Wir sind für 30 Neuwagenauslieferungen pro Tag ausgelegt. Auf einmal sollten es aber 80 bis 100 sein. Spannend!“, sagt Bergmann, ohne dass sich das Lachen aus seinem Gesicht stiehlt. Denn die Lösung lag im 400 Kilometer entfernten Wolfsburg und der Autostadt von VW.
„Wir mieteten von einem privaten Unternehmen an mehreren Wochenenden insgesamt acht Sonderzüge. Mit denen konnten unsere Kunden ihr neues Auto direkt beim Hersteller abholen“, so Bergmann. Dabei zollt er den Mitarbeitern der Autostadt ein großes Lob für die perfekte Arbeit vor Ort. 40 Prozent der Auslieferungen gingen somit in Wolfsburg über die Bühne.
Für die 60 Prozent in Kitzingen hatte Sessner schon die nächsten Asse im Ärmel: Mehrere von VW geschulte Messehostessen übernahmen die Fahrzeugübergaben in Kitzingen. Monatlich gingen 1.000 Neuwagen an ihre neuen Besitzer.
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