Sieben Gänge, handgeschaltet

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Das erste manuelle Siebenganggetriebe auf dem Pkw-Markt baut ZF für den neuen Porsche 911. Es basiert auf dem bereits bekannten Doppelkupplungsgetriebe.

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Den psychedelischen Radsatz hat der Handschalter vom Doppelkupplungsgetriebe übernommen.
Den psychedelischen Radsatz hat der Handschalter vom Doppelkupplungsgetriebe übernommen.
(Foto: ZF)

Nicht nur bei den Automatikgetrieben wächst die Zahl der Gänge immer weiter, sondern auch bei den Handschaltern – und hier wie dort profiliert sich der deutsche Getriebehersteller ZF Friedrichshafen als Vorreiter. Das Unternehmen produziert Automatikgetriebe mit sieben und acht Gängen in Serie und entwickelt derzeit eines mit neun Stufen. Außerdem stammt das weltweit erste Siebengang-Handschaltgetriebe für Pkw von ZF. Es wird serienmäßig im neuen Porsche 911 verwendet.

Die zusätzliche Fahrstufe ist als Overdrive ausgebildet. Sie senkt die Motordrehzahl und damit den Verbrauch bei hohen Geschwindigkeiten. Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht der Porsche weiterhin im sechsten Gang.

Der Radsatz stammt vom DKG

Die Box entstand auf der Basis des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes (DKG), das ZF ebenfalls für Porsche produziert. Deshalb unterscheidet sich ihr Innenleben komplett von herkömmlichen manuellen Getrieben. Um den DKG-Radsatz mit einem normalen H-Schema bedienen zu können, entwickelte ZF eigens eine neue Schaltaktuatorik.

Im Vergleich zum Ursprungsmodell ist der siebte Gang zudem kürzer übersetzt, um die Zugkraft auch bei vergleichsweise geringen Geschwindigkeiten aufrechtzuerhalten. Das entlastet den Fahrer von der Pflicht, bei jedem Beschleunigungsvorgang erst herunterschalten zu müssen, wie es das Doppelkupplungsgetriebe automatisch in Sekundenbruchteilen macht.

Ein Display im Drehzahlmesser des 911 zeigt dem Fahrer den eingelegten Gang an, und eine Hochschaltanzeige macht Vorschläge für wirtschaftliches Fahren. In den siebten Gang gelangt der Fahrer zudem nur, wenn vorher der fünfte oder sechste eingelegt war.

Trotz der komplexen Bauart soll das Getriebe Schaltkomfort und „sportliche Schaltkräfte“ bieten, wie es in einer Mitteilung von ZF heißt. Zu einem geringen Kraftstoffverbrauch sollen auch der hohe Wirkungsgrad und das geringe Gewicht des 7 MT beitragen. Zudem ist es serienmäßig mit einer Start-Stopp-Automatik kombiniert.

Siebengang: Das ginge auch anders

Trotz der unbestreitbaren technischen Leistung, auf Basis eines DKG ein manuelles Getriebe zu bauen, dürfte das neue ZF-Produkt zu Diskussionen vor allem über den Bedienkomfort eines solchen Vielgängers führen. Einem sportlich gesinnten Porsche-Fahrer dürfte es noch Spaß machen, sieben Gänge von Hand zu sortieren. Doch wenn sich diese Bauart im Volumenmarkt durchsetzen soll, was wegen ihrer Verbrauchsvorteile sicherlich wünschenswert wäre, darf der Aufwand für den Fahrer nicht zu hoch werden.

Vielleicht sollte sich die Getriebebranche wieder an die längst bekannte Technik des elektrisch zuschaltbaren Overdrives in Planetenbauweise erinnern, die viele Automobilhersteller in den dreißiger bis sechziger Jahren genutzt haben. Diese zusätzliche Übersetzungsstufe ließ sich in den oberen Gängen per Knopfdruck aktivieren und senkte die Motordrehzahl bei schneller Fahrt deutlich ab.

Die klassischen Overdrives scheiterten letztlich an ihrer Bedienung, denn der Fahrer musste zusätzlich zum Schalthebel noch einen weiteren Knopf betätigen. Das wollten die Autohersteller den Kunden irgendwann nicht mehr zumuten und begannen, den Overdrive als fünftes Radpaar ins Getriebe zu integrieren.

Overdrive automatisch aktiviert

Heute könnte diese Technik freilich ganz anders funktionieren. Fast jedes moderne Auto besitzt mehrere auf Knopfdruck wählbare Fahrmodi – beispielsweise „Sport“, „Komfort“ oder „Eco“ – mit denen beispielsweise die Fahrwerksabstimmung, das Lenkverhalten, die Gasannahme und vieles mehr beeinflusst wird. In diese Fahrmodi ließe sich der Overdrive sehr leicht integrieren; dann wäre das Getriebe im Modus „Sport“ kurz übersetzt und im Modus „Eco“ lang. Oder der Overdrive schaltet sich beispielsweise bei ruhiger Fahrweise automatisch ein bzw. deaktiviert sich, wenn der Fahrer das Gaspedal voll durchtritt.

Auf diese Weise ließe sich ein Fünfganggetriebe bauen, das die gleiche Kombination aus sportlicher Abstufung und großer Spreizung aufweist wie die Siebengangbox von ZF und Porsche, aber viel weniger Schaltarbeit verlangt. Mal sehen, ob sich die Getriebebranche dafür erwärmen kann.

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