30 Liter auf 100 Kilometer
Erleichterung kann er gebrauchen. Denn hinter dem großen dünnen Lenkrad wird schnell klar, warum die angestellten Fahrer stets Lederhandschuhe trugen. Die Richtung muss feinjustiert werden, wenn die angetriebene Starrachse hinten an ihren Längsblattfedern gefordert wird. Vor allem bei höheren Geschwindigkeiten von deutlich über 100 Stundenkilometern zieht es den 1,90 Meter breiten Rolls mal links, mal rechts Richtung Böschung oder Abgrund. Die vier hydraulisch betriebenen Trommelbremsen werden zwar schon durch einen mechanischen Verstärker unterstützt, wollen aber energisch getreten werden. Fast zwei Tonnen Gewicht schieben schließlich beim Abstieg nach Gaschurn kräftig an.
Die Herausforderung der glutheißen Sonne in diesen Tagen der 18. Silvretta Classic macht dem Rolls übrigens nichts aus. Sein Kühler-Tempel gewährt ja auch reichlich Luftzufuhr. Und so lange der Chauffeur das Tanken nicht vergisst – schließlich rauschen rund 30 Liter pro 100 Kilometer durch den Motor – wird er uns auch als automobiler Senior nie im Stich lassen. Da sind wir sicher – anders als der ein oder andere Veteran jüngerer Baujahre, den die Hitzeschlacht in die Knie zwingt.
Veteran in „Wedgwood Blue“
Auch auf sekundengenauen Wertungsprüfungen oder schneidigen Serpentinen zwischen Furkajoch und Faschinajoch schlägt sich der Silver Cloud durchaus beachtlich. Sein eigentliches Metier aber ist die Ebene zwischen Piz Buin und seinen Brüdern. Dort gleitet der kaum hörbar blubbernde Rolls seidig durch die automatische Gangwahl - und die Passanten spiegeln sich lächelnd im zartblauen Teint des Lacks. Entschuldiǵung - nicht „zartblau“ - sondern „Wedgwood Blue“, nach der typischen Farbe dieser englischen Porzellanmanufaktur.
Da stört es auch nicht, wenn ein hektischer Dodge Challenger R/T aus den Siebzigern die 425 PS seiner sieben Liter Hubraum an uns vorbeischießen lässt - oder der Audi Sport Quattro von 1984 ganz andere Rallye-Gefühle neben dem Rolls auslebt. Sollen sie doch. Auch wenn sie dreimal schneller die 336 Kilometer des zweiten Tages der Silvretta Classic absolvieren können, dem 2.383 Meter hohen Flüela-Pass fast entgegenfliegen: Im Rolls Royce sind wir jenseits von Eile und Wettkampf längst schon ganz oben.
Rolls Royce Silver Cloud Drophead von 1957. Nur 21 weitere dieser Cabrios gibt es rund um den Globus noch.
Der Drophead mit seinem weit geöffneten Verdeck stiehlt den Konkurrenten bei der 18. Silvretta Classic natürlich die Show.
Der Rolls Royce ist nicht zartblau - sondern “Wedgwood Blue”, nach der typischen Farbe dieser englischen Porzellanmanufaktur.
Die Spirit of Ecstasy des Rolls Royce Silver Cloud Drophead von 1957.
Gut geschützt auf der Silvretta - ein profanes Basecap wäre nun auch wirklich ein Stilbruch.
Geschwindigkeitsanzeige des Rolls Royce Silver Cloud Drophead von 1957.
Am Ziel der Silvretta Classic.
Der BMW 328 aus dem Jahre 1938 auf der Silvretta.
Teilnehmer der Silvretta Classic. Unter anderem auch der rote Ferrari 308 GTS Targa aus dem Jahre 1979 mit der Nummer 83.
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