Der Octavia ist das Brot-und-Butter-Auto der Skoda-Händler, heute stellt die Baureihe weltweit fast jeden dritten Skoda-Neuwagen. Ende 2019 kommt die nächste Generation auf den Markt, 60 Jahre nach dem ersten Exemplar. Dabei wäre der Octavia fast eine vorübergehende Episode geblieben.
Vor 60 Jahren rollte der erste Skoda Octavia (li.) vom Band. Derzeit ist das Facelift des Octavia III mit den „Vier Augen“-Scheinwerfern am Markt.
(Bild: Skoda)
Mit mehr als 6,5 Millionen verkauften Exemplaren aller Modellgenerationen ist der Octavia des Bestseller von Skoda. Entsprechend argwöhnisch blickt der Handel auf die Entwicklung des Modells, das sich weltweit im vergangenen Jahr 388.000 Mal verkaufte und damit 31 Prozent des Absatzvolumens stellte. In Deutschland lag der Anteil bei knapp 30 Prozent. Erstmals produziert wurde die Baureihe im Januar 1959, doch die heutige innige Verbindung zwischen Skoda und Octavia begann erst mit der Eingliederung von Skoda in den Volkswagenkonzern. Im Zuge der Modernisierung von Skoda nach 1991 wurde eine Neuauflage der Kompaktbaureihe angestoßen, die 1996 im Verkaufsstart des Octavia I mündete.
Der erste Skoda mit dem Namen Octavia rollte im Januar 1959 vom Band. Der lateinische Begriff „octavia“ bedeutet „die Achte“ – war doch das vor 60 Jahren erschienene Fahrzeug das achte Modell der Marke nach dem Zweiten Weltkrieg und zugleich das achte mit damals hochmoderner Einzelradaufhängung rundum, die der Hersteller 1933 eingeführt hatte.
Die ersten zweitürigen Octavia wurden in den ersten Wochen noch gemeinsam mit den Vorgängermodellen S 440 und S 445 produziert. Unter der Motorhaube arbeitete ein Reihenvierzylinder mit 1,1 Litern Hubraum und einer Leistung von 40 PS (29 kW), der über ein Vier-Gang-Getriebe die Hinterräder antrieb. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 110 km/h, der Durchschnittsverbrauch lag bei 7,7 Litern Benzin auf 100 Kilometer. Technische Neuerungen wie die Vorderachse mit Spiralfedern und Drehstabstabilisator bescherten dem Wagen einen hohen Fahrkomfort und ein angenehmes Handling. Die Einführung der asymmetrischen Scheinwerfer im Laufe des Jahres 1959 erhöhte die aktive Sicherheit. Als leistungsstärkere Variante stellte Skoda ebenfalls 1959 den Octavia Superb mit 1,2-Liter-Motor und 45 PS (33 kW) vor. Schnell war die Modellreihe im In- und Ausland sehr gefragt.
Auf dem Auto-Salon in Genf feierte am 10. März 1960 der noch sportlichere Octavia Touring Sport seine Premiere, dessen Leistung auf 50 PS (37 kW) angehoben wurde. Skoda beantragte beim Automobil-Weltverband FIA die Homologation des TS für Rennen und Rallyes in der Klasse der nicht modifizierten Straßenfahrzeuge – damit war der Weg frei, den bis zu 130 km/h schnellen Zweitürer im Motorsport einzusetzen. Mit Klassensiegen in den Jahren 1961,1962 und 1963 gelang dem Octavia TS der Hattrick bei der Rallye Monte Carlo.
Kombi schon in der Anfangszeit
Am 11. September 1960 präsentierte Skoda in Brünn den ersten Octavia Combi mit einer zweiteiligen, horizontal geteilten Heckklappe. Trotz kompakter Außenabmessungen bot das Fahrzeug selbst bei voller Besetzung mit fünf Personen einen Kofferraum eine Ladelänge von 96,5 Zentimetern und ein Volumen von 690 Litern bis zum Dachhimmel. Nach Umklappen der hinteren Rücksitzlehnen ließen sich bis zu 1050 Liter Gepäck verstauen.
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Die zweitürige Limousine wurde bis 1964 gebaut – am 11. April rollte das letzte Exemplar in Mladá Boleslav vom Band. Als direkter Nachfolger trat die völlig neu konstruierte Baureihe Skoda 1000/1100 MB mit selbsttragender Karosserie und Heckmotor an. Der Combi wurde hingegen noch lange Jahre weitergebaut, hatte der neue MB doch einen Heckmotor. Der letzte Octavia Combi verließ am 21. Dezember 1971 das Werk Kvasiny. Zwischen 1959 und 1971 entstanden insgesamt 360.000 Octavia, darunter mehr als 54.000 Kombiversionen. Der Octavia lieferte zudem 1966 die technische Basis für das erste in Neuseeland hergestellte Automobil: Der Trekka entstand in enger Zusammenarbeit mit dem tschechischen Automobilhersteller und hatte das verkürzte Chassis des Octavia Superb als Basis. Der Mehrzweckwagen gilt als einer der Vorläufer der aktuellen SUV-Modelle von Skoda.
Spätestens mit dem Debüt des ersten Octavia der neuen Generation wurde der Modellname zum Synonym für die gesamte Marke. 1992 – kurz nach der Eingliederung des tschechischen Automobilherstellers in den Volkswagen-Konzern – startete die Entwicklung des völlig neuen Modells, das auf die legendäre Typenbezeichnung zurückgriff. Der auf der Plattform des VW Golf IV erstandene Wagen zeichnete sich durch sein Stufenheckdesign mit großer Heckklappe aus und debütierte am 4. April 1996. Der Kofferraum fasste 528 bis 1328 Liter. Im März 1998 folgte der Kombi, 1999 die erste Allradversion dazu. Bis November 2010 entstanden 970.000 Limousinen und mehr als 470.000 Kombis der ersten neuen Octavia-Generation. 1,6 Millionen Limousinen und 900.000 Combi waren es dann schon bei der zweiten Generation, die zwischen 2004 und 2013 gebaut wurde.
Stand: 08.12.2025
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Die aktuelle dritte Modellgeneration wird seit November 2012 produziert und erhielt im Februar 2017 eine umfassende Aktualisierung. Mehr als 2,5 Millionen Kunden entschieden sich bislang dafür. In Deutschland liegt der Octavia seit Jahren als einziges Importmodell in den Top Ten der Zulassungsstatistik. Außer im Stammwerk Mladá Boleslav rollt der Octavia auch in China, Indien, Russland, Kasachstan und Algerien vom Band. Für das Jahresende hat Skoda die Vorstellung der nächsten Generation angekündigt.