So tricksen die Hersteller beim Verbrauch

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Signifikanter Unterschied zu den USA

Realitätsnäher sind die amerikanischen Testverfahren FTP 72/75. Bei dieser Prozedur werden verschiedene Szenarien simuliert – neben Stadt- und Überlandfahrten auch das aggressive Agieren im Straßenverkehr.

Wie sehr der NEFZ an der automobilen Wirklichkeit vorbeischrammt, wird anhand folgender Beispiele deutlich: BMW definierte 2013 den durchschnittlichen Verbrauch der 320d Limousine (135 kW/184 PS) mit Automatik mit 4,4 Liter pro 100 Kilometer. Die amerikanische Version läuft unter 328d, hat 180 PS und wird im Stadtzyklus mit 32 Miles per Gallone (7,35 l/100 km) und 45 mpg (5,22 l/100 Kilometer) auf dem Highway angegeben. In Deutschland sind es 5,4 l/100 km in der Stadt und und 3,9 Liter pro 100 Kilometer außerorts. Auf dem Blatt begnügt sich der Mitteklasse BMW im Schnitt mit 4,4 l/100 km. Auf „Spritmonitor.de“ sind es im Schnitt 6,41 l/100 km bei beiden Karosserieversionen. Auf die Unterschiede angesprochen hält man sich in der Münchener Zentrale bedeckt. „In den USA ist ein anderer Zyklus vorgeschrieben. Deshalb werden für Fahrzeuge im amerikanischen Markt andere Werte angegeben.“

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Auch eine Klasse darunter sind die Unterschiede deutlich. Beim viertürigen Golf 7, immerhin „North American Car of the Year“ mit dem 2.0-Liter-150-PS-Diesel und einer Sechsgang-Handschaltung, ergibt der USA-Zyklus 30 mpg (7,84 l/100 km) im urbanen Bereich und 45 mpg (5,22 l/100 km) auf der US-Autobahn. Hierzulande sind es bei dem identischen Modell (zwei statt wie in den USA vier Türen) fünf bis 5,1 Liter pro 100 km in der Stadt und 3,6 bis 3,7 l/100 km außerorts. Insgesamt beträgt der Durchschnittsverbrauch 4,1 bis 4,2 Liter. Die 239 Autofahrer von „Spritmonitor.de“, die einen Golf in verschiedenen Karosserievarianten fahren, kommen auch da wieder auf andere Werte – nämlich 5,75 Liter im Schnitt.

Die Autobauer verweisen auf die Vergleichsmöglichkeiten, die der standardisierte NEFZ-Zyklus bietet, sind aber auch nicht glücklich mit dieser veralteten Testmethode. „Wir halten uns eben an die Gesetze“, heißt es, wenn die Mikrofone ausgeschaltet sind.

Ein akkurateres Bild der Wirklichkeit soll der „Worldwide harmonized Light Vehicle Test Procedures“ (WLTP)-Zyklus in zwei Jahren bringen. Im neuen Verfahren wird öfter beschleunigt und härter gebremst, die Höchstgeschwindigkeit wird auf 130 km/h angehoben und die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt bei diesem Test 47 km/h. Allerdings wird dieses Verfahren ebenfalls auf Rollprüfständen durchgeführt.

Den ersten Rückschlag hat es schon gegeben: Die USA haben sich den WLTP angeschaut und dankend abgelehnt.

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