Sonderermittler decken Betrug mit HU-Plaketten auf

Autor Christoph Seyerlein

Die Inhaber mehrerer kleiner Kfz-Betriebe in Pirmasens sollen in großem Stil gefälschte Hauptuntersuchungen angeboten haben. Bei Razzien stellte die Polizei unter anderem illegale Waffen sicher.

(Bild: Polizei Rheinland-Pfalz)

Die Polizei in Pirmasens ist den Inhabern mehrerer kleiner Kfz-Werkstätten auf die Schliche gekommen, die offenbar in großem Stil gefälschte Bescheinigungen für die Hauptuntersuchung von Fahrzeugen angeboten haben. Die Verdächtigen sollen rund 200 Autos in der Stadt in Rheinland-Pfalz und Umgebung mit TÜV- oder Dekra-Plaketten ausgestattet haben, die sie zuvor bei anderen Autos gestohlen hatten. Die Fahrzeugscheine der Halter stempelten sie mit TÜV- oder Dekra-Stempeln ab, wobei letzterer in der verwendeten Version offiziell gar nicht existiert.

Laut Polizei kam bereits vor über einem Jahr ein erster Verdacht auf, als es in Pirmasens zu einer Serie von Kennzeichendiebstählen kam. Dabei hatten es die Diebe besonders auf die hinteren Nummernschilder abgesehen. Bevorzugt entwendeten sie zudem Kennzeichen, deren TÜV-Plakette noch mindestens zwei Jahre gültig war.

Nachdem in der Folge die ersten Fahrzeugscheine mit gefälschten Stempeln auffielen, richtete die Polizei eine eigene vierköpfige Sonderkommission namens „AG TÜV“ ein. Daraufhin kamen immer mehr Fälle von Zulassungsbescheinigungen ans Licht, deren Nummern nie ausgegeben wurden oder offensichtlich gefälscht waren. Insgesamt machte die Polizei über 200 Fahrzeuge ausfindig, die zwar eine aktuelle Plakette auf dem Kennzeichen hatten, jedoch nicht termingerecht zur Hauptuntersuchung erschienen waren.

Polizei findet nicht nur Beweismaterial

Am Dienstag entschloss sich die Polizei dann zu Razzien in mehreren kleinen Werkstätten. Dabei stellten die Beamten neben Material, das auf die Urkundenfälschungen hindeutet, auch ein gestohlenes Motorrad, mehrere illegale Waffen, rechtsradikale Tonträger und geringe Mengen an Betäubungsmittel sicher. Die Polizei geht auch davon aus, dass die Verdächtigen Autos mit gefälschten HU-Plaketten und -Stempeln zum Kauf angeboten und damit ihre Kunden hinsichtlich des Fahrzeugwertes getäuscht haben. Gegen die Inhaber der Werkstätten laufen nun Ermittlungsverfahren.

Die Zulassungsstellen in Pirmasens und im Kreis Südwestpfalz haben auf den Betrug reagiert. Sie fordern künftig zu allen Neuzulassungen und Fahrzeugummeldungen die Vorlage der aktuellen Prüfbescheinigung.

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