Autojahr in Bremen Sorge um Preisanstiege bei Fahrzeugen

Von Von Holger Zietz 3 min Lesedauer

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Das Kfz-Gewerbe in Bremen legt eine durchmischte Jahresbilanz hin. Während das Werkstattgeschäft weiter stark ist, schrumpfte der Gesamtumsatz.

Legten die Zahlen für das Kfz-Gewerbe Bremen vor: Hauptgeschäftsführer Christian Metje (v.l.), Präsident Karl-Heinz Bley, Obermeister Hans Jörg Koßmann und Innungsgeschäftsführerin Anke Kuckertz.(Bild:  Zietz - VCG)
Legten die Zahlen für das Kfz-Gewerbe Bremen vor: Hauptgeschäftsführer Christian Metje (v.l.), Präsident Karl-Heinz Bley, Obermeister Hans Jörg Koßmann und Innungsgeschäftsführerin Anke Kuckertz.
(Bild: Zietz - VCG)

Der Automarkt an der Weser erlebte 2025 eine deutlich schwankende Entwicklung mit rückläufigen Neuzulassungen und leicht steigenden Gebrauchtwagenkäufen. Der Gesamtumsatz lag bei rund 2,02 Milliarden Euro (-2,6 Prozent). Davon entfallen 811,1 Millionen Euro auf den Neuwagenkauf, 866,6 Millionen Euro auf gebrauchte Pkw, 280,3 Millionen Euro auf den Service sowie 116,9 Millionen Euro auf neue und gebrauchte Nutzfahrzeuge.

Karl-Heinz Bley, Präsident des Kfz-Landesverbandes Niedersachsen-Bremen und Hans Jörg Koßmann, Obermeister des Kraftfahrzeugtechniker-Handwerks Bremen, legten am Mittwoch (1. April) in Bremen die Jahresbilanzen vor. Besonders große Sorge bereite der Kostenanstieg der individuellen Mobilität. „Das Auto darf nicht zum Luxus für wenige werden“, betonten sie.

Erfreulich in der Jahresbilanz sei die Entwicklung der Elektromobilität im Neuwagen- und auch Gebrauchtwagenmarkt. Bei der Steigerung der vollelektrischen neuen Pkw (BEV) um 41,8 Prozent auf 3.264 Stromer sollte man berücksichtigen, dass Hersteller und Importeure mit starken Eigenzulassungen aktiv waren. Auch in diesem Jahr sei mit diesen Sondereffekten zu rechnen, denn Hersteller und Importeure „brauchen dynamische BEV-Marktzahlen, um Strafzahlungen der EU zu vermeiden“, sagte Bley.

Service bleibt Rückgrat der Betriebe

Insgesamt wurden 63.990 (Vorjahr: 64.951) neue und gebrauchte Pkw verkauft, darunter 47.850 (Vorjahr: 46.420) Besitzumschreibungen. Der durchschnittliche Preis für einen neuen Pkw lag bei 44.780 Euro, der eines gebrauchten bei 18.560 Euro. Der Serviceumsatz lag mit 280,3 Millionen Euro weiterhin klar über dem des Neuwagen-Pkw-Marktes (811,1 Millionen Euro) und bleibt der betriebswirtschaftliche Leuchtturm im Kfz-Gewerbe.

Kein Verständnis zeigte Koßmann für die anhaltende Kritik wegen der Preisgestaltung. Der vor allem aus der Versicherungswirtschaft ausgelöste Disput ignoriere die unterschiedlichen Stundenverrechnungsätze für Mechanik, für Karosserie- und Lackarbeiten und für die Arbeit an Hochvolt-Fahrzeugen. Besonders bei E-Fahrzeugen erfordern Herstellervorgaben, Schulungen und Spezialausrüstung erhebliche Investitionen. Diese Komplexität rechtfertige angemessene Verrechnungssätze. Sie dürften kein Grund für die Werkstatt-Kritik der Versicherungswirtschaft sein, so der Obermeister.

Zu viele Privatkäufe „auf Pump“

Kritisch bewertet der Landesverband den privaten Autokauf: In Zeiten hoher Lebenshaltungskosten und hoher Arbeitslosigkeit habe sich die Schwäche der privaten Haushalte auch im Anstieg der Finanzierungen beim Autokauf gezeigt. In immer mehr Fällen gehe es nicht ohne „Kauf auf Pump“, sagte Koßmann. Auffällig seien die 100-Prozent-Finanzierungen, die beim Neuwagenkauf 12 und beim Gebrauchtwagenkauf 14 Prozent ausmachten. Die durchschnittlichen Finanzierungen betrügen rund 20.000 Euro für neue und 7.400 für gebrauchte Pkw. Insgesamt seien 168,3 Millionen Euro in die Finanzierung investiert worden.

Koßmann sagte dazu, individuelle Mobilität dürfe nicht „zum Luxus für wenige“ werden. Stelle man die durchschnittlichen Pkw-Preise und das durchschnittliche Einkommen gegenüber, werde die Sorge deutlich. Er untermauerte diese Aussage mit einer „Rechnung“: Bei einem Neuwagenpreis im Durchschnitt von aktuell 44.780 Euro müssten rund 80 Prozent eines Jahreseinkommens investiert werden. Viele Haushalte könnten aber nur maximal die Hälfte investieren und deckten ihre Mobilitätswünsche auf dem Gebrauchtwagenmarkt. 94,2 Prozent aller bundesweiten Gebrauchtwagenkäufe kämen aus Privat-Haushalten.

Ausbildungsmarkt ist Sorgenkind

Der Ausbildungsmarkt sei inzwischen das „Sorgenkind unserer Branche“, so der Obermeister. Die demografischen Veränderungen, rückläufige Zahlen der Schulabgänger sowie die weiterhin angespannte Bewerberlage mache sich an der Weser bemerkbar.

Insgesamt wurden 249 (Vorjahr: 297) neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Ein Rückgang von 16,2 Prozent. Für Kfz-Mechatroniker/-in wurden 192 (Vorjahr: 231) neue Verträge geschlossen, ein Minus von 16,9 Prozent. Bei den Automobilkaufleuten blieb die Lage mit 42 abgeschlossenen neuen Ausbildungsverträgen stabil. Bei den Karosserie- und Fahrzeugbaumechanikern waren es 6, im Vorjahr hingegen noch 15. Koßmann appellierte an die Unternehmen an der Weser, trotz oder wegen der schwierigen Lage im Engagement für die Ausbildung nicht nachzulassen: „Starten Sie mit Praktika. Das ist wie früher die Zeit der Verlobung – man lernt sich kennen.“

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