Stärken und Schwächen des dualen Systems

Autor / Redakteur: Johannes Büttner / Johannes Büttner

Die duale Berufsbildung hat sich in Krisenzeiten bewährt. Doch das deutsche Modell habe auch seine Schwächen, sagt die Bamberger Soziologin Prof. Sandra Buchholz.

Prof. Sandra Buchholz forscht über die duale Berufsbildung.
Prof. Sandra Buchholz forscht über die duale Berufsbildung.
(Foto: Uni Bamberg)

Das deutsche Ausbildungssystem mit seiner dualen Struktur wurde im internationalen Vergleich oft belächelt. Doch in der Wirtschaftskrise erwies es sich dem Modell vieler anderer Länder überlegen, in denen eine ausschließlich theoretisch orientierte Ausbildung dominiert. Heute gilt „das deutsche Ausbildungssystem im internationalen Vergleich als Kassenschlager“, sagt Soziologieprofessorin Sandra Buchholz von der Universität Bamberg. Dank dualer Struktur, einer Verknüpfung aus Theorie und Praxis, bringe es hochqualifiziertes Personal hervor.

Damit habe sich das deutsche System als beeindruckend krisenfest erwiesen. „In Südeuropa führte die Wirtschaftskrise zu einem immensen Anstieg der Arbeitslosigkeit, gerade bei jungen Leuten“, so Buchholz. Nicht so in Deutschland. Zum einen stelle die Lehre eine Art Schnupperphase dar. „Der Arbeitgeber sieht, ob der Auszubildende pünktlich, engagiert und zuverlässig ist. So entstehen ‚Klebeeffekte‘, es kommt zu Übernahmeverträgen.“ Zum anderen weise das deutsche Ausbildungssystem eine hohe Standardisierung und Zertifizierung auf.

Doch die Professorin hat in ihrer Forschungsarbeit über berufliche Lebensläufe auch Schwachstellen im System erkannt. Eine davon sei seine starke Jugendzentrierung: „Klar, ein Lagerarbeiter könne noch einen Gabelstaplerführerschein machen, eine Sekretärin sich innerbetrieblich weiterbilden, doch dass ein 40-Jähriger noch einen berufsbefähigenden Abschluss erlangt? Kaum denkbar.“

Ein weiterer Kritikpunkt am deutschen Ausbildungssystem: „Ein gewisser Prozentsatz an Jugendlichen wird in Deutschland seit Jahren systematisch vom Ausbildungsmarkt ausgeschlossen.“ Von ihnen heißt es, ihre kognitiven Kompetenzen seien so gering, dass sie nicht erfolgreich in die Berufsausbildung integriert werden können.

„Aber sind diese Jugendlichen wirklich nicht ausbildungsfähig?“, fasst Buchholz die zentrale Frage zusammen, die sie gemeinsam mit Prof. Hans-Peter Blossfeld und Schweizer Forschern in einer Längsschnittstudie zu beantworten versuchte. Die Antwort: Offenbar doch. In der Schweiz, wo ebenfalls ein duales Ausbildungsmodell herrscht, absolvieren jedenfalls auch sogenannte leistungsschwache Jugendliche erfolgreich eine Ausbildung.

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