Standbein Diagnose

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Die Situation in der Kfz-Branche ist keine Leichte – besonders im Osten Deutschlands. Wie man sich z. B. mit moderner Fahrzeugdiagnose ein zusätzliches Standbein schaffen kann, zeigt der Betrieb „Autoteile Richter“.

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Das Leben im Erzgebirge war nie leicht, damals wie heute nicht. Aber immer gab es Menschen, die besondere Ideen hatten. Einer von ihnen ist Mike Richter. Doch der Kfz-Meister aus Zschopau beschäftigt sich weder mit ölverbrennender Zweiradtechnik vergangener Tage noch mit Holzbasteleien. Seine Welt sind die Elektronen, Bits und Bytes. Genauer gesagt die Elektronik moderner Kraftfahrzeuge.

Rückblende: Wir schreiben das Jahr 1990. Mike Richter hat sich auf eigene Füße gestellt und einen Betrieb in Zschopau eröffnet, einen Kfz-Teilehandel. Es herrscht Aufbruchstimmung. Die Wende ist in vollem Gange und Autoteile kauft man beim Händler, nicht im Internet. Doch die Jahre vergehen und die Geschäfte im Osten laufen zunehmend schlechter. Für den jungen Unternehmer kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Im Jahr 2000 gliedert er seinem Betrieb „Autoteile Richter“ eine Freie Werkstatt an.

Der 42-Jährige entwickelt eine neue Leidenschaft: die moderne Fahrzeugdiagnose. Nachdem auch die Erträge im traditionellen Werkstattgeschäft zu wünschen übrig lassen, entschließt sich Richter kurzerhand, seine Passion zum neuen Geschäftsmodell auszubauen.

Neues Standbein

„Das Diagnosegerät ist mein zweiter Maulschlüssel“, bringt es der Sachse auf den Punkt. Er setzt Fahrzeuge mittlerweile nicht nur mithilfe moderner Diagnosetechnik instand, sondern er verkauft diese Technologie auch an andere Werkstätten. Vor fünf Jahren begann Richter, unter anderem Produkte von Texa zu vertreiben. Seit letztem Jahr ist der Betrieb ausschließlich autorisierter Handels- und Servicepartner der Marke Texa. Bewusst hat sich der Elektronikexperte für den Diagnosehersteller, der nahe der Lagunenstadt Venedig beheimatet ist, entschieden: „Mich begeistern die vielfältigen Möglichkeiten der Geräte und der Software, aber auch die Kompetenz, die hinter Texa steht. Die italienische Marke ist einer der größten Diagnosehersteller Europas und kooperiert mit Siemens, begründet Richter seine Wahl. Rund 15 Geräte vom Typ Axione 3 hat der Diagnosefachmann 2007 in seinem Einzugsgebiet verkauft. Bei einem Stückpreis von zirka 8.000 Euro und in einem Gebiet, das nicht gerade zu den Metropolregionen Deutschlands zählt, eine durchaus beachtliche Leistung. Das Geheimnis des Erfolgs: der umfangreiche Richter-Service.

Aus eigener Erfahrung

Dass der Service und die Betreuung bei Diagnosegeräten einen sehr hohen Stellenwert haben, weiß der Werkstattmann aus eigener Erfahrung nur zu gut. Anders als ein Handelsvertreter kennt er die moderne Fahrzeugelektronik aus dem Effeff und weiß, wovon er spricht – er arbeitet täglich damit. Fast alle Produkte der bekannten Diagnosehersteller kennt er aus der Praxis und weiß um deren Stärken. Diese Fachkompetenz wissen seine Kunden zu schätzen.

So hat sich Richter auf eigene Kosten ein komplett ausgestattetes Servicemobil zugelegt. Alles, was er anbietet, kann er in der Werkstatt vor Ort in der Praxis zeigen. „Ich verkaufe nichts aus dem Prospekt und bei mir soll keine Frage unbeantwortet bleiben“, begründet der Elektronikexperte seine Investition. Damit seine Kunden auch nach Erwerb der Geräte keine offenen Fragen haben, veranstaltet der findige Sachse für sie Diagnosetrainings. Dinge allein über den Preis zu verkaufen, sei kurzsichtig, so Richter.

Chance für die Freien

Nach Ansicht des Zschopauer Unternehmers können Freie Werkstätten gerade bei der Fahrzeugdiagnose gegenüber Markenbetrieben punkten. Sie sind flexibler und bekommen – mit dem richtigen Gerätehersteller im Rücken – oftmals sogar bessere Informationen und praxisgerechtere Prüfwerte oder Fehlersuchstrategien als Vertragspartner. Denn die freien Diagnoseanbieter müssen sich ihr Wissen häufig in Form von Reengineering (Gewinnung von Daten durch die Umkehrung des Produktionsprozesses) erarbeiten. Deshalb verfügen sie oftmals über praxisnahe Informationen und fangen „echte“ Alltagsprobleme ein. Szenarien, die bei Herstellergeräten nicht erfasst oder nicht berücksichtigt werden – nach dem Motto „weil nicht sein kann, was nicht sein darf“. Gerade Fahrzeuge, die älter als drei bis vier Jahre sind, sind davon betroffen. Diese Kategorie erfährt von Fahrzeugherstellern im Service meist nur noch wenig Beachtung. Davon profitieren Betriebe wie Autoteile Richter. „Man muss die Chancen, die sich einem bieten, nur nutzen“, bringt es der Zschopauer auf den Punkt.

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