Standing Ovations für VW/Audi-Händlerbeirat
Die Verhandlungen um die neuen, GVO-konformen Verträge bringen in der Vertriebsorganisation von VW/Audi Feuer unters Dach: Händler wollen sich nicht länger "vorführen" lassen.
Erstmals in seiner 37-jährigen Geschichte lud der Volkswagen und Audi Händlerverband e.V. zu einer Vollversammlung. Die Handelsorganisation verstand die Botschaft wohl. Rund 2 000 Händler und Werkstätten folgten am Mittwoch der historischen Einladung nach Mainz. Denn es brennt in den Verhandlungen um die neuen, GVO-konformen Verträge.
Die Versammlung gab dem Verband klare Richtlinien für die weiteren Verhandlungen. Bei lediglich zwei gegenstimmen und einer Enthaltung wurde die Entschließung verabschiedet.
Mit "standing ovations" dankten die fast 2000 Teilnehmer der Vollversammlung ihrem Verband und insbesondere dessen Vorsitzendem Eckhard Meyer. Meyers "klare Sprache" und der von ihm sachlich vorgetragene Verhandlungsstand mit der Volkswagen AG und der Audi AG hatten die Händler überzeugt. Sie stimmten im Anschluss über eine fünf Punkte umfassende Entschließung schriftlich ab. Hier die Entschließungspunkte:Eine Reduzierung der Händlervergütung im Einzelkundengeschäft bei Beibehaltung oder gar Anhebung kostenauslösender Standards ist vor dem Hintergrund der getätigten und künftigen Investitionen und unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Situation der Volkswagen/Audi Organisation nicht zu rechtfertigen und wird abgelehnt.
Gleiches gilt für die beabsichtigten Eingriffe in das bisherige Kerngeschäft des Handels, insbesondere durch Ausweitung der Direktlieferungsvorbehalte und durch Öffnungsklauseln im Großkundengeschäft, die in ihrem Eintritt unbestimmt sind, zu einem direkten Wettbewerb zwischen Hersteller und Handel um den Kunden führen und die Rentabilität des Handels gefährden.
Auch wenn grundsätzliche Übereinstimmung über die zunehmende Bedeutung eines professionellen Kundenbeziehungsmanagements (CRM) besteht, können Maßnahmen und Programme zur Verwaltung und Verbesserung der Kundenbeziehungen nur im einvernehmen zwischen Hersteller und Organisation entwickelt und umgesetzt werden. Nur so ist gewährleistet, dass sich markenorientiertes und händlerorientiertes CRM sinnvoll und mit höchstem Kundennutzen ergänzen. Aktiver Austausch der Kundendaten für CRM darf vom Partner nur gefordert werden, wo die Maßnahmen in seinem Auftrag erfolgen.
Volkswagen AG und Audi AG werden aufgefordert, die Erörterungen mit dem Händlerverband in der bisherigen offenen und konstruktiv-kritischen Weise mit dem Ziel fortzuführen, Vertragsregelungen und Standards zu formulieren, die von vorgenannten Punkten Rechnung tragen, den Interessen beider Seiten im Sinne partnerschaftlicher Zusammenarbeit gerecht werden und eine wirtschaftlich angemessene Basis für die Handels- und Serviceorganisation darstellen.
Die Volkswagen/Audi Partner erklären mit Nachdruck, dass die individuelle Unterzeichnung neuer Verträge so lange nicht erfolgen wird, wie der Volkswagen und Audi Händlerverband nicht eine abschließende Erklärung hierzu abgegeben hat.
Einen ausführlichen Bericht über die Verbandstagung lesen Sie im kfz-betrieb 13/2003. (afb)