Lenk-Technik

„Steer by wire“ – Eintrittskarte ins autonome Fahren

< zurück

Seite: 3/3

Anbieter zum Thema

Bis sich der Joystick durchsetzt, dürfte noch etwas Zeit vergehen. Interessant ist aber, dass ausgerechnet die Performance-Abteilungen der großen Hersteller reges Interesse an der neuen Lenkung zeigen. Ein möglicher Grund: Das autonome Fahren könnte jeden normalen Automobilisten künftig in die Lage versetzen in Grenzbereiche vorzustoßen, in denen sich bislang nur versierter Testpiloten oder Rennfahrer bewegen. Der Computer zeigt dann nicht allein die schnellste Linie auf einer Rennstrecke auf, er hilft beim idealen Bremspunkt und fängt einen ausbrechenden Sportwagen mit Geschick wieder ein.

Dabei könnte das Lenksystem künftig auch ein wichtiger Sicherheits-Aspekt werden. Nicht allein der Lenkwinkel wird in dem Force Feedback-Steuergerät erfasst, sondern auch das Grip-Niveau der Fahrbahn. Dehnmess-Streifen auf den Spurstangen und die Drehraten der Lenk-Aktuatoren werden in Abhängigkeit von Reifen- und Streckentemperatur gespeichert. Hinzu kommen die Daten von Prüfstandversuchen und von der Rennstrecke.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Auf das Grip-Niveau schließen

All diese Informationen und Erfahrungen lassen auf das Grip-Niveau und die Strecken-Beschaffenheit schließen. Und noch ein wichtiger Aspekt ist nicht zu vernachlässigen: Bislang wird ein ausbrechendes Auto durch das ESP mit gezielten Bremseingriffen eingefangen. Künftig könnte hier zusätzlich die elektronische Lenkung korrigierend eingreifen.

Und was passiert mit dem Lenksystem, wenn man gegen einen Randstein prallt oder heftig in ein Schlagloch rumpelt? Uphoff: „Dafür wird es einen mechanischen Anschlag geben.“ Und dann stellt sich noch die Frage nach dem klassischen Lenkradschloss? Uphoff: „Braucht man nicht. Bei einem abgestellten Fahrzeug gibt es ja keine Verbindung zwischen Lenkrad und Lenkgetriebe.“ Und wie kann man dann Drive-by-wire-Fahrzeug abschleppen? Uphoff: „Ein selbsthemmendes Getriebe stellt sicher, dass die Räder bei ausgeschalteter Zündung geradestehen.“

Die nächsten Schritte

Und was sind die nächsten Schritte in Richtung Serie? 2018 hat Roland Arnold, der Mann hinter Drive by wire, seine Technik an Schaeffler verkauft und zusammen mit dem Zulieferer Schaeffler-Parvan gegründet. Gemeinsam will man die Industrialisierung der elektronischen Lenkung vorantrieben. Bislang sind Prototypen mit dem Steer-by-wire-System unterwegs.

Bis 2024/2025 will man zusammen mit Herstellern in die Kleinserien-Produktion einsteigen. 2026/2027 soll die Technik dann in die Großserie Einzug halten. Bislang fährt man zwar ohne Lenksäule, aber immer noch mit dem normalen Lenkgetriebe. Dies soll sich im nächsten Schritt ändern, denn dann sollen Aktuatoren die Räder einzeln steuern. Bis dahin wird wohl noch etwas Zeit vergehen.

Am Ortseingang von Aichelau steht jedenfalls schon mal ein Schild mit einer klaren Botschaft. Paravan: „Hier wird Zukunft gemacht…“ Und die Schaeffler-Paravan-Entwickler sind sich sicher: Die Lenkung der Zukunft ist digital.

(ID:47953021)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung