Caravan-Salon 2025 Stimmungstest für die Caravan-Branche

Von sp-x 6 min Lesedauer

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Trotz Absatzrückgangs bei Reisemobilen und Wohnwagen erwartet der 64. Caravan-Salon wieder großen Andrang. Es locken zahlreichen Premieren, zudem ist das Bemühen der Hersteller spürbar, das angestiegene Preisniveau mit Sondermodellen wieder etwas einzufangen.

Die 64. Auflage der weltgrößten Messe für die mobiles Reisen öffnet vom 29. August bis 7. September ihre Pforten.(Bild:  Messe Düsseldorf)
Die 64. Auflage der weltgrößten Messe für die mobiles Reisen öffnet vom 29. August bis 7. September ihre Pforten.
(Bild: Messe Düsseldorf)

Mehr denn je blickt die gesamte Branche voller Spannung auf den Düsseldorfer Caravan-Salon als Stimmungsbarometer. Die 64. Auflage der weltgrößten Messe für mobiles Reisen, die vom 29. August bis 7. September ihre Pforten öffnet, findet erstmals seit über eineinhalb Jahrzehnten eines steten, zum Teil kräftigen Zuwachses in einem Umfeld statt, das geprägt ist von Absatzeinbrüchen in allen Kategorien.

Lässt das Interesse an Reisemobilen und Wohnwagen – während Corona sogar noch extrem gehypt – mittlerweile spürbar nach? Der deutsche Caravaning-Verband CIVD als Mitveranstalter der Leitmesse wehrt mit einem entschiedenen „Nein“ ab. Geschäftsführer Daniel Onggowinarso verweist auf die gegenüber dem Vorjahr sogar um zehn Prozent gestiegene Nachfrage privater Kundschaft und macht die Zurückhaltung bei den gewerblichen Zulassungen für den Rückgang verantwortlich.

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Und Stefan Koschke, der für das Caravaning-Gipfeltreffen verantwortliche Messedirektor, sieht ebenfalls gute Gründe für seinen Optimismus: „Laut Statistischem Bundesamt gab es 2024 mit rund 42,9 Millionen Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen einen neuen Rekord. Das ist 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr und fast 20 Prozent mehr als 2019 vor Corona.“ Er erwartet zwar keinen Publikumsrekord, der bei rund 270.000 Besuchern liegt, rechnet aber wieder mit einem starken Andrang von weit über 200.000 Freizeit-Fans.

Marktzahlen rückläufig

Die wird es auch brauchen, um die Stimmung nicht weiter einzutrüben. Vor allem deren Kauflust. Die Zahlen sind aktuell nämlich ernüchternd. Nach dem ersten Halbjahr und einem katastrophalen Absatzeinbruch im Juni liegen die Wohnwagen über neun Prozent im Minus. Und bei den erfolgsverwöhnten Reisemobilen, zu Jahresbeginn ähnlich tief in den Miesen, beträgt der Rückgang Mitte des Jahres immer noch zwei Prozent. Immerhin: Hier könnte tatsächlich nach dem sehr starken Juni (plus vier Prozent) mit dem Caravan-Salon der Turnaround zurück ins Plus geschafft werden.

Die aktuelle Situation hat in jedem Fall viel in Bewegung gebracht. Natürlich gibt es wieder eine Flut von Neuheiten. Aber bei genauem Hinsehen erkennt der Messebesucher, dass es sich vielfach nur um sogenannte Editionsmodelle bereits bestehender Baureihen handelt. Nach dem Muster: Viel Ausstattung mit hohem Gegenwert für einen kleinen Obolus obendrauf packen.

Egal ob die Active-Modelle bei Dethleffs, die Platinum Selection bei Knaus, die Sonderedition 26 bei Carado oder Jubiläumsmodelle wie bei LMC (70 Jahre) und Frankia (60 Jahre), sie alle wollen damit nur die durch Corona und Inflation stark gestiegenen Preise eines ohnehin schon teuren Produkts wieder ein wenig einfangen. Beim Camper-Van-Spezialisten Pössl etwa kann der Preisvorteil für die Kundschaft bis zu 15.000 Euro betragen.

Überproduktion und hohe Bestände belasten

Fehler aus der jüngeren Vergangenheit zu korrigieren, kann ein anderer Beweggrund für tatkräftiges Handeln sein. Probleme wie die hohen Lagerbestände, die durch Überproduktion entstanden, den Händlern hohe Kosten verursachen und mit dafür verantwortlich sind, dass Vermieter und andere gewerbliche Kunden trotz bester Buchungslage ihre Flotten nicht mehr so frühzeitig erneuern, sind nämlich größtenteils hausgemacht. Zumal dabei noch viel zu stark auf Das Segment kompakter Campingbusse ohne Toilettenraum an Bord gesetzt wurde, das mit fast 30 Prozent Minus am stärksten eingebrochen ist.

Dieser Problematik kann man mit einer Konsolidierung nach bewährtem Muster begegnen und wie die Knaus-Tabbert-Gruppe hier und da den Rotstift ansetzen, die Modellpalette eindampfen und, anstelle einer Handvoll Neuheiten showartig vor einer Multivisionswand zu präsentieren, mit dem Camper-Van Boxtime lediglich eine einzige echte Neuheit mit nach Düsseldorf zu nehmen. Oder man macht es wie die Traditionsmarke Bürstner mit einer Radikalkur.

Tatsächlich gab es einen derart harten Schnitt noch nie zuvor in der Historie der großen Reisemobil-Hersteller. Alle 15 Modellreihen mit fast 50 Grundrissen hat der neue Bürstner-Chef Hubert Brandl mit einem Streich eingemottet und wagt einen Neustart mit nur noch drei Baureihen: der Fiat-Ducato-Van Papillon, der Habiton, ein Kastenwagen auf Basis des Mercedes Sprinters, und der Fiat-Teilintegrierte Signature, allesamt nur als Prototypen am Stand in Düsseldorf zu sehen.

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Der Habiton konnte dabei zu einem Highlight des Caravan-Salons avancieren. Dank eines einzigartigen, zum Patent angemeldeten, verschiebbaren Bad-Toiletten-Raums ist der neu konzipierte Bürstner der einzige Sechs-Meter-Sprinter mit den beliebten Längs-Einzelbetten im Heck.

Ahorn Camp richtet Marke neu aus

Dass sich auch die Marke Ahorn neu aufstellt, liegt allerdings allein am Generationswechsel des Basisfahrzeugs. Das Unternehmen aus Speyer baut ausschließlich auf Renault auf und hat sich mit dem neuen Master noch enger an den französischen Hersteller gebunden. In einer Dreier-Kooperation mit der Erwin-Hymer-Gruppe (EHG), wo Ahorn im italienischen Laika-Werk künftig seine komplette Modellpalette produzieren lässt, erhoffen sich die Pfälzer durch Renault auch Unterstützung bei der Expansion nach Frankreich und in andere europäische Länder. Ahorn geht mit neuem Logo, neuem Outfit und drei Modellreihen (Camper-Van, Teilintegrierter und Alkoven) an den Start.

Eine weitere Attraktion wird vermutlich auf dem Dethleffs-Stand das Publikum anlocken: Die Studie E-Home Eco ist ein vollelektrisches Reisemobil, das „den Zwischenstand unserer kontinuierlichen Entwicklungsarbeit nicht nur zur E-Mobilität, sondern generell zum Thema Nachhaltigkeit repräsentiert“, erklärt Dethleffs-Chef Bernhard Kibler und verspricht ein serienreifes Produkt mit rund 400 Kilometern Reichweite bis 2028. Das müsse aber nicht unbedingt, wie in der Studie, ein Ford E-Transit sein, der ohnehin nur eine Reichweite von 240 Kilometern hat.

Ebenso wichtig seien auch nachhaltige Materialien wie zum Beispiel Polster mit Stoffen aus reiner Schafwolle, eine Isolierung mit Sandwichplatten im Kern mit recyceltem PET-Flaschen-Schaum oder Tisch- und Küchenplatten gefüllt mit – Achtung! – Popcorn! Leider ist die Dethleffs-Studie nach derzeitigem Stand wohl die einzige Elektro-Neuheit in Düsseldorf. Für eine noch lange vom Dieselmotor abhängige Zunft scheint die Thematik eher sogar wieder in weitere Ferne gerückt zu sein.

30 Jahre Sprinter, wachsende Nutzung als Basisfahrzeug

Bei den Basisfahrzeug-Hersteller steht diesmal Mercedes-Benz im Mittelpunkt. Nach letztjähriger Abstinenz wieder auf den Caravan-Salon zurückgekehrt, feiern die Stuttgarter 30 Jahre Sprinter. Eine Erfolgsstory. Immerhin verwandelt sich mittlerweile jeder zehnte Sprinter weltweit in ein Reisemobil. 50 Prozent davon nutzen die Triebkopf-Variante. Auch die Anzahl der Abnehmer wächst nach wie vor von Jahr zu Jahr. Die Hymer-Gruppe ist zwar der größte Kunde, aber mittlerweile wagen sich auch Einsteigermarken wie Weinsberg, Pössl, Clever oder Hannes-Camper an den teuersten aller Transporter heran.

In Düsseldorf zeigen neben Bürstner noch renommierte Marken wie Carthago, Frankia, Laika, Malibu und Niesmann mit dem Arto 84 neue Sprinter-Modelle. Auch Eura Mobil baut seine Mercedes-Flotte mit dem Integra Line GT und dem Teilintegrierten Profila Freetyle gleich um zwei neue Produkte aus. Und Hymer erneuert mit dem Modern-Comfort die Leichtbau-Version der seit 45 Jahren gebauten B-Klasse.

Die letztgenannten Debütanten stehen zudem für den jüngsten Trend in der Caravaning-Szene. Die Nachfrage für die klassischen Wohnmobil-Aufbauten nimmt wieder zu, vor allem für teil- und vollintegrierte Fahrzeuge. Dethleffs, der älteste deutsche Hersteller, schießt von den Dimensionen her sogar den Vogel ab und schickt ein 8,60-Meter-Dickschiff mit hinterer Doppelachse ins Rennen. In dem Integrierten XL Family I7812 auf Fiat-Basis, das Pendant zu dem gleichnamigen Alkoven-Modell, können bis zu fünf Personen mitreisen. Kostenpunkt des 5,4-Tonners mit umfangreicher Serienausstattung: ab 145.000 Euro.

Letztlich passt auch der erste Teilintegrierte der eigentlich als Camper-Van-Spezialist gestarteten Marke Crosscamp in diesen Kontext. Der Modellname ist EXPDN 7.0 E (das spricht sich „Expedition“), die Basis immer der Peugeot Boxer und der Grundpreis von 60.000 Euro für das sieben Meter lange Wohnmobil mit Einzelbetten und platzsparendem Schwenkbad eine echte Ansage.

EHG gründet neue Marke Corigon

Verwundern beim EHG-Ableger Crosscamp nur die kryptischen Produktbezeichnungen, die bei den anderen beiden Baureihen ADVTR und EXPLR heißen, so überrascht der Mutterkonzern umso mehr mit der Gründung eines komplett neuen Label. Corigon geht als vierte Einsteigermarke neben Carado, Sunlight und Etrusco an den Start und erhöht also auch den Wettbewerb im eigenen Lager, was dort teils mit einigem Gekrummel zur Kenntnis genommen wird.

Aber EHG-Vorstand Jan de Haas erklärt, dass Corigon zusammen mit den ebenfalls im toskanischen San Casciano gebauten Etrusco-Reisemobilen ein ähnliches Zwillingsduo wie Carado und Sunlight aus dem sächsischen Neustadt bilden soll und vor allem im europäischen Süden ähnliche Erfolge einfahren sollen. Bei den vier Modellen zum Produktionsstart liegt mit drei Teilintegrierten und einem Camper-Van ebenfalls der Schwerpunkt auf den aufgebauten Fahrzeugen. Preislich markiert natürlich der Kastenwagen ab 55.000 Euro den Einstieg.

Es wird also wieder viel geboten in den Düsseldorfer Messehallen. Vom kompakten Einsteigermodell bis zum Luxusmobil ist alles dabei. Dazu ein umfangreiches Rahmenprogramm mit einer Sonderschau zum Selbstausbau sowie die beliebte „Starter-Welt“ für Neulinge. Die Grundlage für gute Stimmung ist geschaffen. Bleibt nur die Frage offen, ob die über 700 Aussteller auch hinterher gut gelaunt Bilanz ziehen können.

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