Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2026 Stresstest bestanden

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 4 min Lesedauer

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Die Leitveranstaltung der Schadensbranche stand unter dem Motto: „K&L-Betriebe im Stresstest“. Nach den beiden Veranstaltungstagen lässt sich sagen: Die Branche hat die Herausforderungen angenommen. Lösungen müssen nun konsequent umgesetzt werden.

Bei bestem Wetter trafen sich am 20. und 21. März über 1.400 Experten aus der Karosserie- und Lackbranche in Würzburg, um über Herausforderungen für K&L-Betriebe zu diskutieren.(Bild:  Stefan Bausewein)
Bei bestem Wetter trafen sich am 20. und 21. März über 1.400 Experten aus der Karosserie- und Lackbranche in Würzburg, um über Herausforderungen für K&L-Betriebe zu diskutieren.
(Bild: Stefan Bausewein)

Mit 1.451 Gästen haben die Würzburger Karosserie- und Schadenstage am 20. und 21. März 2026 einen neuen Teilnehmerrekord verbucht. Bereits Tage vor Eventbeginn platzierten die Veranstalter, die Fachmedien »Fahrzeug+Karosserie« und »kfz-betrieb«, den Lieblingsbegriff jedes Eventorganisators auf der Website: „Ausverkauft!“ Das zeigt: Die Würzburger Karosserie- und Schadenstage haben auch 2026 ihren Ruf als führendes Branchenforum für Karosserieinstandsetzung und Schadenmanagement bestätigt.

Thematisch stand die Veranstaltung im Zeichen großer Umbrüche: Das Leitthema „K&L-Betriebe im Stresstest – Die Branche unter dem Einfluss von Gigacasting, Leasing, Digitalisierung und KI“ spiegelte sich in den praxisorientierten Vorträgen und Paneldiskussionen wider. Impulsvorträge zu Gigacasting, zu Haftungsfragen bei Leasingrückläufern, zu Effizienzsteigerungen in Betrieben sowie zur Rolle von KI und Robotik zeigten die Herausforderungen und zugleich die Chancen für moderne Karosserie‑ und Lackierbetriebe auf. Besonders positiv aufgenommen wurden die Beiträge, die konkrete betriebswirtschaftliche Effekte mit praktischen Umsetzungsbeispielen verknüpften.

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Neu und sehr gut besucht war die Hands-on‑Werkstattmeile: Live‑Vorführungen und praktische Demonstrationen ermöglichten einen unmittelbaren Erfahrungsaustausch und setzten einen starken Praxisfokus neben den Fachvorträgen. Die große Fachausstellung mit fast 100 Ausstellungsständen bot Raum für Einzelgespräche und Produkt‑Demonstrationen für Diagnose, Lackierprozesse, Oberflächenbehandlung und Werkstattorganisation.

Ein weiterer Höhepunkt war die Keynote-Perspektive von Ex-FIFA-Schiedsrichter Urs Meier zu Entscheidungsfindung unter Druck, die als Impuls für Führungskräfte und Betriebsverantwortliche großen Anklang fand. Insgesamt überzeugte das Programm durch die gelungene Mischung aus strategischer Weitsicht, konkreter Praxis und Networking‑Gelegenheiten.

Großgussteile: Noch wenig Einfluss auf den Reparaturprozess

Gleich fünf Programmpunkte – vier Vorträge und eine Podiumsdiskussion – beschäftigten sich mit dem Mega- beziehungsweise Gigacasting, dem aktuellen Toptrend in der Karosseriekonstruktion. Hierbei werden große Abschnitte der Rohkarosserie in gigantischen Druckgussmaschinen mit bis zu 10.000 Tonnen Schließkraft in einem Arbeitsgang gefertigt und damit das Zusammenfügen von bis zu 70 Einzelteilen überflüssig gemacht.

Sebastian Lüttig von der Unternehmensberatung Schlegel & Partner zeigte in seinem Vortrag auf, welche Autohersteller derzeit Megacasting in ihren Modellen einsetzen. Vor allem bei chinesischen OEM scheint sich das Verfahren zum neuen Standard zu entwickeln. Der enorm teure und zeitintensive Ersatz dieser Teile bei jedem kleinen Unfall steht allerdings nicht zu befürchten: KTI-Geschäftsführer Helge Kiebach machte deutlich, dass es hier auf die Crashvorsorge bei den unterschiedlichen Fahrzeugen ankommt: Befindet sich das Großgussteil gut geschützt in der Karosserie, dann bleibt es bei vielen Unfällen unbeschädigt. Auch sehen manche Hersteller bereits Reparaturmöglichkeiten vor.

Das bestätigte Bernd Grüninger, Bereichsleiter Gutachten und Mitglied der Geschäftsleitung von Dekra Automobil. Nur in fünf Prozent der Schadenfälle seien bei den entsprechenden Fahrzeugtypen die Großgussteile betroffen gewesen; nur in gerade einmal 1,5 Prozent hätten sich dadurch die Reparaturkosten erhöht.

Trotzdem hat die Großgusstechnik das Potenzial, den Reparaturmarkt deutlich zu beeinflussen – da waren sich alle Referenten und auch die Teilnehmer der Podiumsdiskussion einig. In der Schadenaufnahme ist eine genaue Fahrzeugvermessung nötig. Hinzu kommen Zerlegearbeiten, um an das Großgussteil heranzukommen, und auch der Einsatz von Rissprüfmitteln. Auch müssten die Mitarbeiter die Vorgaben der Autohersteller zur Schadenanalyse und zu erlaubten Reparaturverfahren genau kennen.

Rendite statt Reibungsverlust

Das zweite Kernthema der Würzburger Karosserie- und Schadenstage war die Effizienz im K&L-Geschäft. Roy de Lange, Geschäftsführer von Fix Auto Deutschland, wies in seinem Vortrag „Rendite statt Reibungsverlust“ auf die noch vielfach zu beobachtenden Ineffizienzen im Werkstattalltag vieler Betriebe hin. Er mahnte Prozessoptimierung, die Reduktion von Durchlaufzeiten, bessere Material‑ und Personalplanung sowie den gezielten Einsatz digitaler Tools an. Unternehmer sollten sich darauf fokussieren, möglichst Arbeitsstunden statt Ersatzteilen zu verkaufen und zudem die Produktivität, also den Anteil der verkauften Stunden an den Anwesenheitsstunden, zu maximieren. Bei den Fix-Auto-Betrieben betrüge diese Kennzahl 86 Prozent.

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Weitere Referenten zeigten, mit welchen Tools und Systemen sich die angestrebte Effizienzsteigerung erreichen lässt. So demonstrierte Dr. Alexander Grimm die Fähigkeiten der KI-gestützten Werkstattsoftware Aspaara, die fortlaufend und unter Berücksichtigung aller wichtigen Kenngrößen die ideale Auftragsplanung berechnet und damit unproduktive Zeiten vermeidet und die Termineinhaltung vereinfacht.

Arek Fiedorowicz von Blutech stellte den Lackierroboter Paintgo, der eine neue Ära für das Handwerk einläutet. Roboter sind ab sofort nicht mehr nur in der Industrie einsetzbar, sondern auch in Handwerksbetrieben. Paintgo kann große Anteile von Reparaturlackierungen an Pkw, Transportern und Lkw übernehmen und damit den allgegenwärtigen Fachkräftemangel in der Brache abmildern.

Viele Impulse für die Branche

Mit dem erreichten Rekord an Teilnehmern und den spürbaren Impulsen für Prozessoptimierung, Digitalisierung und neue Reparaturstrategien geht die Branche gestärkt aus den Würzburger Tagen. Die Veranstaltung hat einmal mehr gezeigt, dass kollegialer Austausch und praxisnahe Weiterbildung zentrale Bausteine sind, um den anstehenden technologischen und wirtschaftlichen Wandel erfolgreich zu meistern.

Die Würzburger Karosserie- und Schadenstage sind eine Veranstaltung der Fachmedien »Fahrzeug+Karosserie« und »kfz-betrieb« in Kooperation mit dem ZKF und der Kanzlei Voigt Rechtsanwälte. Unterstützt wird das Event von den Platin-Partnern Carbon, Dekra, Fix Auto, PPG Nexa Autocolor und der Automechanika Frankfurt als Platin-Partner. Die nächste Ausgabe des Branchengipfels findet am 19. und 20. März 2027 statt. Aktuell gilt ein besonders günstiger Blind-Ticket-Preis, der noch bis zum 30. April 2026 buchbar ist. Schnelles Zuschlagen lohnt sich – denn auch im nächsten Jahr könnte es wieder heißen: „Ausverkauft!“

SAVE THE DATE: Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2027

Würzburger Karosserie- und Schadenstage

Nach dem Event ist vor dem Event: Am 19. und 20. März 2027 finden die nächsten Würzburger Karosserie- und Schadenstage statt. Sichern Sie sich direkt Ihr Ticket und sparen Sie bis zum 30.04. mit unserem Blind-Ticket-Preis!

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