Studie: E-Autos haben üblichen Lärmpegel

Autor / Redakteur: SPX/Andreas Grimm / Andreas Grimm

Die Befürchtung, Elektroautos könnten die Verkehrssicherheit von Fußgängern beeinträchtigen, weil sie leiser sind, hat eine Studie des CAR-Instituts widerlegt. Zum Teil seien die E-Mobile sogar lauter als Benziner.

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Elektroautos verursachen bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h den gleichen Lärm wie konventionelle Benziner. Zu diesem Ergebnis kommt eine über zwei Jahre angelegte Studie des Center of Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen. Sind die Autos schneller unterwegs, überlagern generell die Abrollgeräusche den Motorenlärm – und die gibt es auch bei E-Autos. Für die Studie haben die Wissenschaftler die Geräuschentwicklung von elf Fahrzeugen, fünf E-Autos und sechs konventionell angetriebenen Pkw, jeweils bei Tempo 30 vermessen.

Geräuschärmster Benziner war der Kleinwagen Opel Agila mit 59 dB(A). Drei elektrisch angetriebene Fahrzeuge waren nur unwesentlich leiser, zwei sogar deutlich lauter. Bei konstanter Geschwindigkeit im Stadtverkehr gibt es den Wissenschaftlern zufolge daher keine Wahrnehmbarkeitsunterschiede zwischen E-Autos und konventionellen Fahrzeugen. Auf nassen Straßen sei noch eine wesentlich größere Übereinstimmung zu erwarten, da dann die Reifenabrollgeräusche auch bei niedrigen Geschwindigkeiten deutlich stärker zum Tragen kämen.

Ältere Studie sieht neue Gefahren

Generell warnen Interessensgruppen für Blinde und Kinder vor neuen Gefahren durch die Elektroautos. Ihre Bedenken: Elektroautos würden die Erfahrung, dass heranfahrende Autos auch Geräusche machen, außer Kraft setzen. Ende 2009 hatte eine Studie der US-amerikanischen Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) ergeben, dass von Elektroautos beim Anfahren, Rückwärtsfahren oder Ein- und Ausparken im Vergleich zum Auto mit lauterem Verbrennungsmotor eine höhere Gefahr ausgehe.

Die CAR-Studie ermittelte nun hörbare Unterschiede zwischen beiden Antriebskonzepten bei Vollgasfahrten und dem Fahren bei hohen Touren. Beides komme im Stadtverkehr aber kaum vor, so die Wissenschaftler. Neben der objektiven Geräuschmessung berücksichtigt die Studie auch die subjektive Wahrnehmung der Motoren. Die insgesamt 240 Versuchspersonen konnten jedoch selbst bei stehenden Fahrzeugen kaum Unterschiede zwischen der Lärmentwicklung von E-Autos und konventionellen Modellen feststellen. Dieser Befund werde sich noch verstärken, da durch die Verbreitung der Start-Stopp-Automatik inzwischen auch viele Verbrennungsmotoren beim Halt an der Ampel keine Geräusche entwickelten.

Diskussion um künstliche Lärmquellen

Darüber hinaus wurden die Geräuschpegel bei Tempo 30 und 40 ermittelt. „Das Ergebnis war, dass es bei den gemessenen Geschwindigkeiten keine großen Abweichungen im Lärmpegel zwischen Benzinern und Elektroautos gibt“, sagte CAR-Leiter Ferdinand Dudenhöffer gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“ (Samstagausgabe). Einer Diskussion, E-Autos mit künstlichen Geräuschquellen auszustatten, erteilte er daher eine Absage. Um besser hörbar zu werden, müssten dann konsequenterweise auch moderne Benziner damit aufgerüstet werden.

„Unsere Tests haben gezeigt, dass es falsch wäre, das Elektroauto künstlich lauter zu machen“, sagte Dudenhöffer. Der Autoexperte hatte mit einem Team zwei Jahre lang erforscht, welche tatsächlichen Gefahren von dem lautlosen Elektroauto ausgehen. Dabei wurden mit 240 Probanden, darunter hör- und sehbehinderte Menschen, sogenannte Fahrzeugwahrnehmungstests durchgeführt. Die Probanden mussten dabei Fahrzeuggeräusche in verkehrsberuhigten Wohngebieten einschätzen und subjektiv das erlebte Gefährdungspotential beurteilen.

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