Studie untersucht Verhalten von Herzschrittmachern in E-Autos

Redakteur: Peter Reinhardt

Ein Kunde steht im Autohaus und interessiert sich für ein Elektroauto, trägt aber einen Herzschrittmacher und befürchtet Komplikationen durch elektromagnetische Felder. Was empfehlen? Eine Studie von Münchner Wissenschaftlern gibt Aufschluss.

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Die stärksten elektromagnetischen Felder treten auf, wenn Nutzer ihre Elektroautos aufladen.
Die stärksten elektromagnetischen Felder treten auf, wenn Nutzer ihre Elektroautos aufladen.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Wenn sich ein Kunde im Autohaus für ein Elektroauto interessiert, aber einen implantierten Herzschrittmacher oder Defibrillator trägt, ist guter Rat teuer. Denn beide Geräte sind anfällig für elektromagnetische Interferenzen. Münchener Wissenschaftler haben deren Verhalten in Elektroautos jetzt untersucht.

„Wir wollten eine sichere Datengrundlage für Menschen mit Herzschrittmachern und Defibrillatoren schaffen – vor allem um unnötige Restriktionen zu vermeiden“, erklärt Dr. Carsten Lennerz., Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Das DZHK ist das größte nationale Zentrum zur Erforschung von Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems. Es gehört zum Deutschen Herzzentrum München der Klinik an der Technischen Universität München.

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Elektroautos werden zunehmend für den öffentlichen und privaten Transport eingesetzt. Deshalb überprüft Lennerz mit Patienten, welche Auswirkungen die elektromagnetischen Felder eines Elektroautos auf ihre implantierten elektrischen Herzgeräte (kurz CIEDs für cardiac implantable electronic devices) haben. In einer Studie kommt der Münchener Wissenschaftler zu dem Schluss, dass von derzeitigen Elektroautos keine Gefahr für Träger von Herzschrittmachern und anderen implantierten elektrischen Herzgeräten ausgeht.

108 Studienteilnehmer und vier Fahrzeuge

Befürchtete Komplikationen sind etwa, dass die CIEDs durch das elektromagnetische Feld Signale wahrnehmen, die nichts mit dem Herzschlag zu tun haben und daraufhin falsch reagieren. Zum Beispiel könnte ein Herzschrittmacher Signale empfangen, die einen Herzschlag vortäuschen, woraufhin das Gerät fälschlicherweise aussetzen würde. Das Herz des Patienten würde dann nicht mehr ausreichend bei seiner Pumparbeit unterstützt. Defibrillatoren könnten auch fälschlicherweise Schocktherapien abgeben, falls das elektromagnetische Feld als Kammer-Rhythmusstörung fehlinterpretiert würde.

Außerdem wird diskutiert, dass elektromagnetische Felder die implantierten elektrischen Herzgeräte umprogrammieren könnten. Die Studie mit 108 Trägern von Herzschrittmachern oder Defibrillatoren gab DZHK-Wissenschaftler Lennerz und seinen Kollegen jedoch keinen Hinweis darauf, dass die Funktion der implantierten Geräte durch Elektroautos gestört wird. Dabei haben sie Elektroautos von vier unterschiedlichen Herstellern untersucht, deren Modelle einen großen Marktanteil haben.

EKGs bei maximaler Motorleistung

Anders als in vorausgegangenen Studien, bei denen die Autos bei laufendem Motor lediglich angehoben wurden, fuhren die Patienten bei dieser herstellerunabhängigen Studie mit den Elektroautos auf einem Rollprüfstand der Technischen Universität München. So wollten die Wissenschaftler sicherstellen, dass die Motoren auch tatsächlich die maximale Leistung erbringen. Während der Fahrt wurde bei den Probanden ein Elektrokardiogramm (EKG) aufgezeichnet, um eventuelle, durch elektromagnetische Interferenzen ausgelöste Abweichungen der Schrittmacher- oder Defibrillatorfunktion zu registrieren. Außerdem wurde auch die Stärke des elektromagnetischen Feldes gemessen und mit Messwerten verglichen, die beim Fahren auf der Straße aufgezeichnet wurden. Damit konnten die Forscher zeigen, dass auf dem Rollprüfstand die gleichen elektromagnetischen Felder wirken wie im Straßenverkehr.

Die stärksten elektromagnetischen Felder maßen Lennerz und seine Kollegen, wenn die Patienten die Autos aufluden. „Die Autos sind innen so ausgestattet, dass die Insassen gut abgeschirmt sind. Deshalb ist das Aufladen der kritischere Moment“, erläutert Lennerz. Aber auch dann traten keine Wechselwirkungen mit den CIEDs auf.

Keine dauerhafte Entwarnung

„Obwohl unsere Untersuchungen zeigen, dass Fehlfunktionen sehr unwahrscheinlich sind, kann man keine dauerhafte Entwarnung geben“, sagt Lennerz. Schließlich entwickelten sich die Elektroautos und die Ladetechnik immer weiter, sodass dann neue Untersuchungen nötig wären. Aber mit den derzeitigen Modellen können laut dem Münchener Wissenschaftler auch Patienten mit Herzschrittmachern und Defibrillatoren Elektroautos ohne Angst benutzen.

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