Studie: Zeitenwende im Aftersales

Redakteur: Andreas Wehner

Der Kfz-Service steht nach einer Studie des Geislinger Instituts für Automobilwirtschaft vor einem tiefgreifenden Wandel. Neue Strategien sind gefordert.

Der Kfz-Service steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Eine Untersuchung des Geislinger Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) spricht von einer „Zeitenwende im Automobilservice“. IFA-Leiter Prof. Willi Diez stellte die Studie am Dienstag im Rahmen des Aftermarket-Forums der Automechanika ausführlich vor.

Der Experte erwartet einen nachhaltigen und nicht mehr umkehrbaren Konsolidierungsprozess auch im Aftersales. Um überleben zu können, müssten sich die Akteure im Servicegeschäft neu aufstellen. Diez macht acht Trends aus, die den Servicemarkt der Zukunft bestimmen werden.

  • Die Sättigung des deutschen Automarkts ist auch im Servicegeschäft angekommen. Angesichts des stagnierenden Fahrzeugbestands bei gleichzeitig geringerem Wartungs- und Reparaturbedarf wird das Aftersales-Geschäft bis 2025 um 6,3 bis 13,2 Prozent zurückgehen.
  • Die Lebens- und Nutzungsdauer der Fahrzeuge wächst. Die Umweltprämie hat den Trend zu älteren Fahrzeugen zwar unterbrochen, aber nicht umgekehrt.
  • Die Bedeutung des Internets im Service nimmt zu. Die Bedeutung von Reparaturbörsen wird steigen, vor allem im Hinblick auf standardisierte Wartungs- und Reparaturarbeiten.
  • Die Einfluss von Fuhrparkmanagementgesellschaften oder Mobilitätsdienstleistern, die sich zwischen Werkstatt und Kunden schieben, nimmt zu. Hintergrund ist die Verlagerung der Nachfrage von privaten zu gewerblichen Kunden und der Trend „Nutzen statt Besitzen“.
  • Die Polarisierung der Kundenanforderungen nimmt zu. Einerseits stellen wohlhabende Privatkunden hohe Anforderungen an Qualität, Betreuung und Convenience, andererseits gibt es immer mehr preisorientierte Autofahrer mit kleinem Budget.
  • Im Auto werden immer mehr portable Endgeräte eingesetzt. Das hat einen wachsenden Einfluss branchenfremder Unternehmen aus der Informations- und Kommunikationstechnologie zur Folge.
  • Die wachsende Bedeutung von Elektrofahrzeugen stellt nicht nur eine technologische Herausforderung für die Werkstätten dar. Da mit dem Elektroauto auch neue Vermarktungsmodelle kommen werden, wird sich der Zugang der Autofahrer zum Aftersales verändern und die Beziehung zu seiner Werkstatt geschwächt.
  • Die Konsolidierung im Aftersales nimmt zu. Bereits in den letzten Jahren ist ein Anstieg der Insolvenzen im Kfz-Handwerk festzustellen. Bis 2020 dürfte die Zahl der Werkstattbetriebe um 25 Prozent auf 32.850 sinken.

Die automobile Wertschöpfungskette werde sich in den nächsten Jahren neu strukturieren, so Diez. Der steigende Wettbewerbsdruck werde die Spielregeln im Aftersales verändern. Durch den stärker werdenden Verdrängungswettbewerb seien alle Akteure gefordert, ihre Strategie neu auszurichten und innovative Serviceformate zu entwickeln, die die steigenden Kundenansprüche und die veränderten Kundenstrukturen berücksichtigen. Der Markteintritt neuer Akteure biete die Chance zur Kooperation. Gleichzeitig entstünden durch neue Geschäftsmodelle auch Chancen zur Erschließung zukunftsträchtiger Kompetenzfelder.

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